Teure Erfolge an der Front

„Banzai-Angriffe“ in der Ukraine – Putins Armee weckt Erinnerungen an Weltkriegs-Taktik

  • schließen

Im Stellungskrieg profitiert Russland vom Munitionsmangel der Ukraine und setzt dabei auf rücksichtslose Angriffe mit Wellen von Soldaten.

München – Russland könnte im Ukraine-Krieg wieder die Oberhand gewinnen. Nach monatelangem und erbitterten Stellungskrieg in der Ostukraine gelang den Streitkräften von Präsident Wladimir Putin mit der Eroberung der Stadt Awdijiwka wieder ein Erfolg auf dem Schlachtfeld. Am Montag (25. Februar) gab der ukrainische Generalstab darüber hinaus bekannt, dass man seine Truppen aus der Ortschaft Lastotschkyne abgezogen habe, um die Verteidigung besser zu strukturieren. Putins Streitkräfte setzen bei ihren Vorstößen wohl eine Taktik aus dem Zweiten Weltkrieg ein – mit wachsenden Erfolgen.

Russische Streitkräfte setzen im Ukraine-Krieg offenbar verstärkt auf Sturmangriffe. (Symbolbild)

Taktik aus dem 2. Weltkrieg – Russland setzt im Ukraine-Krieg auf Sturmangriffe

Die Rede ist von Sturmangriffen entlang der Frontlinie, bei denen die russischen Befehlshaber ohne Rücksicht eine große Anzahl an Soldaten auf die Positionen der ukrainischen Verteidiger zurennen lassen. Diese sollen dann durch ihre schiere Masse für einen Durchbruch sorgen und die Verteidiger überrumpeln. Die Taktik erinnere an die japanische Armee im 2. Weltkrieg, berichtete das US-Magazin Forbes.

Japans Streitkräfte hatten im Krieg gegen die USA wiederholt auf sogenannte „Banzai-Angriffe“ gesetzt. Dabei wurden den Soldaten ohne Schutz der Angriff feindlicher MG-Stellungen befohlen, um diese zu überrennen. Wegen der großen Verluste bei den Angriffen wurde die Taktik auch als Form des Massenselbstmords angesehen. Den Namen erhielten die Angriffe, da die japanischen Soldaten bei den Sturmangriffen oft „Tennō heika banzai!“ (auf Deutsch „lang lebe der Kaiser“) oder „Nippon banzai!“ („Lang lebe Japan“) schrien.

Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

ukraine-krieg-russland-bilder-eindruecke-kiew-rakete
Der Krieg begann Ende Februar mit Angriffen Russlands auf zahlreiche Städte der Ukraine. Die Truppen aus Moskau nahmen frühzeitig auch Kiew, die Haupstadt des Landes, unter Raketenbeschuss. Eine der russischen Raketen wurde als Teil einer Ausstellung vor dem Nationalmuseum für Militärgeschichte platziert. Kurator Pavlo Netesov wollte nach eigener Aussage mit der Ausstellung der zerstörten Ausrüstung die Bewohnerinnen und Bewohner Kiews an die Straßenkämpfe erinnern, die in anderen Städte der Ukraine tobten, von denen die Hauptstadt aber verschont blieb. © Sergei Supinsky/afp
Wolodymyr Selenskyi in Donezk
Eine dieser Städte war Donezk. Im Mai 2022 besuchte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die einstige Millionenmetropole und hörte sich dort den Bericht von Frontsoldaten an. In Donezk tobt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine bereits seit 2014. Seitdem herrscht dort ein von Moskau installiertes Regime, das sich selbst Volksrepublik Donezk nennt. Nach einigen vorübergehenden Waffenstillstandsabkommen ist die Stadt im Südosten nun wieder Ort erbitterterte Kämpfe. © Uncredited/dpa
Menschen suchen Deckung in Lyssytschansk
Es ist vor allem die Zivilbevölkerung, wie diese beiden Kinder und Seniorinnen in Lyssytschansk, die unter dem Ukraine-Krieg leiden. Die Großstadt liegt mitten im Donbass, die seit Kriegsausbruch am schwersten umkämpfte Region in der Ukraine. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht fliehen oder konnten, müssen nun regelmäßig Schutz vor Artilleriebeschuss suchen. © Aris Messinis/afp
Tschassiw Jar, Kleinstadt der Ukraine in der Nähe Lyssytschansk
Unweit von Lyssytschansk liegt die Kleinstadt Tschassiw Jar. Dort räumen Arbeiter die Trümmer eines Hauses von der Straße, das von einer russischen „Hurrikan“-Rakete getroffen wurde. Im Juli 2022 feierte Russland vor allem in der Donbass-Region militärische Erfolge. Zahlreiche Städte und Gemeinden wurden erobert. Die Truppen Wladimir Putins schienen die Ukraine im Sturm zu erobern. © Anatolii Stepanov/afp
brennendes Weizenfeld in der Region Saporischschja
Dieser Mann in Militäruniform ist in einem brennenden Weizenfeld in der Region Saporischschja, während russische Truppen Felder beschießen, um die örtlichen Landwirte an der Getreideernte zu hindern. Die Ukraine auszuhungern und die Ernte zu stehlen, war von Anfang an Teil der russischen Strategie © Uncredited/dpa
Das sechsmonatige Jubiläum im August war ein trauriger Abschnitt im russischen Angriffs-Krieg
Das sechsmonatige Jubiläum des UKraine-Kriegs im August war ein trauriger Abschnitt der russischen Invasion. Doch die ukrainischen Streitkräfte leisteten mit Herz und allen Mitteln weiter Widerstand und feierten ihre Nation, wie hier mit Drohne und ukrainischer Flagge über dem „Monument des Mutterlands“ in Kiew. © Dimitar Dilkoff/afp
Hier wurde im September in der Stadt Kupiansk in der Kharkiv Region eine Brücke bombadiert
Im September begannen die Truppen Wladimir Putins, die Infrastruktur der ukrainischen Städte unter Beschuss zu nehmen. In der Stadt Kupiansk in der Region Kharkiw bombardierte Moskau eine Brücke. An vielen anderen Städten versuchten die russischen Streitkräfte, die Energieversorgung zu stören. © Yasuyoshi Chiba/afp
Statt eines kurzen Angriffskriegs, den der russische Präsident Wladimir Putin geplant hatte, dauert der Krieg immer noch an.
Weil die Erfolge in der Ukraine ausblieben, benötigten die russischen Truppen immer mehr Rekruten für die Front. Präsident Wladimir Putin verkündete deshalb eine Teilmobilisierung im eigenen Land. Tausende junger Männer mussten sich wie dieser Mann in der Stadt Kineschma von ihren Müttern verabschieden und in den Ukraine-Krieg ziehen. © Vladimir Smirnov/imago
Hier sieht man Putin bei einer Ansprache auf einem großen Screen auf dem Roten Platz anlässlich der Annexion von vier Regionen der Ukraine, die von russischen Truppen im September besetzt waren
Im Osten der Ukraine schuf Wladimir Putin Ende September Tatsachen. Vier Regionen des Landes, die zuvor ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, wurden annektiert. Anlässlich der Gebietsgewinne richtete sich Putin in einer TV-Ansprache an die Bevölkerung Russlands. Zumindest auf dem Roten Platz in Moskau wurde Putins Rede frenetisch bejubelt. © Alexander Nemenov/afp
Nach der Explosion eines Lastwagens in der Nähe von Kertsch am 8. Oktober 2022 steigt schwarzer Rauch aus einem Feuer auf der Brücke von Kertsch auf
Nach der Explosion eines Lastwagens in der Nähe von Kertsch am 8. Oktober 2022 steigt schwarzer Rauch aus einem Feuer auf der Brücke von Kertsch auf. Sie ist die einzige Landverbindung zwischen Russland und der annektierten Krim-Halbinsel. Russland versprach, die Täter zu finden, ohne die Ukraine sofort zu beschuldigen. © Uncredited/afp
Ukrainische Artilleristen feuern eine 152-mm-Schleppgeschütz-Haubitze (D20) auf eine Stellung an der Frontlinie in der Nähe der Stadt Bakhmut in der ostukrainischen Region Donezk Ende Oktober während des russischen Einmarsches in die Ukraine
Ebenfalls im Oktober gelingt es der Ukraine, an vielen Frontabschnitten vorzurücken. Das gelingt den Streitkräften vor allem dank der Unterstützung aus dem Westen, die immer mehr schweres Gerät in den Konflikt liefert. Hier feuern ukrainische Artilleristen eine 152-mm-Schleppgeschütz-Haubitze (D20) auf eine Stellung an der Frontlinie in der Nähe der Stadt Bakhmut in der ostukrainischen Region Donezk ab. © Dimitar Dilkoff/afp
Ein Einwohner von Cherson hebt seinen Daumen zur Unterstützung der Ukraine auf dem Hauptplatz der Stadt nach der Befreiung von den russischen Besatzern
Mitte November gelingt den ukrainischen Truppen ein großer Erfolg. Sie können die Hafenstadt Cherson im Südosten des Landes zurückerobern. Die Millionenmetropole besitzt neben hohem strategischem auch symbolischen Wert im Kampf gegen Russland. Ein Bewohner feiert die Befreieung mit erhobenem Daumen im Zentrum der Stadt. © Celestino Arce Lavin/dpa
An diesem Tag hielt die Welt den Atem an: Eine Luftaufnahme zeigt den Ort, an dem am 15. November 2022 zwei Männer im ostpolnischen Dorf Przewodow, nahe der Grenze zur kriegszerstörten Ukraine, durch einen Raketeneinschlag getötet wurden
An diesem Tag hielt die Welt den Atem an: Eine Luftaufnahme zeigt den Ort, an dem am 15. November 2022 zwei Männer im ostpolnischen Dorf Przewodow, nahe der Grenze zur kriegszerstörten Ukraine, durch einen Raketeneinschlag getötet wurden. Russland attackierte die Ukraine mit einem massiven Angriff auf die zivile Infrastruktur, wodurch Millionen von Haushalten ohne Strom blieben. Unmittelbar nach dem Vorfall gab es Befürchtungen, dass es sich um eine neue Eskalation des Konflikts handeln könnte, doch am 16. November 2022 gab Polen bekannt, dass das Geschoss wahrscheinlich von der ukrainischen Luftabwehr stammte. Diese Theorie wurde dann auch von Washington bestätigt. © Wojtek Radwanski/Damien Simonart/afp
ein Werk des britischen Straßenkünstlers Banksy auf einer mit Schnee bedeckten Panzerabwehrkonstruktion
Auch Banksy besuchte die Ukraine inmitten des Krieges. Ein am 17. November 2022 aufgenommenes Foto zeigt ein Werk des britischen Straßenkünstlers auf einer mit Schnee bedeckten Panzerabwehrkonstruktion auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die Ukraine sich auf einen Winter des Krieges einstellen wird müssen. © Sergei Supinsky/afp
Dmitri Schewtschenko, Mitarbeiter von Rosenergoatom, inspiziert einen Tank mit destilliertem Wasser, um den Betrieb des vierten Blocks des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten
Weitere harte Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur. Sogar Kernkraftwerke werden zum Ziel russischer Raketen. Dmitri Schewtschenko, Mitarbeiter von Rosenergoatom, inspiziert einen Tank mit destilliertem Wasser, um den Betrieb des vierten Blocks des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten, der durch Beschuss im Zuge der russischen Militäroperation in der Ukraine in Enerhodar beschädigt wurde. © Alexey Kudenko/imago
Eine Frau spielt Gitarre in einer Kneipe während eines Stromausfalls in Lemberg am 2. Dezember 2022
Kleine Momente des Glücks im Wahnsinn des Krieges: Eine Frau spielt Gitarre in einer Kneipe während eines Stromausfalls in Lemberg am 2. Dezember 2022, als die Stadt nach den jüngsten massiven russischen Luftangriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur von einem geplanten Stromausfall betroffen ist. © Yuriy Dyachyshyn/afp
Hier trifft sie auf den Heiligen Mykola (Heiliger Nikolaus) am 19. Dezember 2022 in Cherson, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine
Für einen Augenblick darf dieses Mädchen einfach Kind sein. Hier trifft sie auf den Heiligen Mykola (Heiliger Nikolaus) am 19. Dezember 2022 in Cherson, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine © Dimitar Dilkoff/afp
Ukraine-Krieg - Jahrestag Kriegsbeginn- Kiew
Ukrainische Soldaten erinnern am 24. Februar 2023 an der Sophienkathedrale in Kiew an den Beginn des Ukraine-Kriegs ein Jahr zuvor. © Kay Nietfeld/dpa
Ukraine-Krieg - Orthodoxe Ostern in Saporischschja
Die kirchlichen Rituale werden in der Ukraine auch im April 2023 befolgt: Orthodoxe christliche Priester und Gläubige bei der Segnung der traditionellen Osterkörbe am Ostersonntag in der St. Nikolaus-Kirche in Saporischschja. © Andriy Andriyenko/dpa
Ukraine-Krieg - Ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes
Ukrainische Soldaten gestikulieren im September 2023 auf ihrem Bradley Fighting Vehicle (BFV) in der Frontstadt Orichiw. Aus ihrem amerikanischen Schützenpanzer berichten sie von schweren Gefechten. Seit Kriegsbeginn stand Orichiw unter ständigem Beschuss der russischen Armee. © Oliver Weiken/dpa
Ukraine-Krieg - Kupjansk
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mitte) wird am 30. November 2023 während eines Besuchs in einem Gefechtsstand an der Front in Kupjansk über die Kriegssituation informiert. © dpa
Lwiw
Auch im Dezember 2023 feiern die Menschen in der Ukraine Weihnachten. In Lwiw besuchen sie den Gottesdienst an Heiligabend und bereiten sich darauf vor, den ersten Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember zu feiern.  © Yuriy Dyachyshyn/AFP
Ukraine-Krieg - Charkiw
Ein großer Haufen Trümmer mit Resten von russischen Raketen liegt in der Stadt Charkiw. In den frühen Morgenstunden des 15. Februar 2024 schlug eine russische Rakete in einem Wohngebiet von Chugugyv ein und tötete eine 67-jährige Frau. © Ximena Borrazas/dpa
Charkiw
Trotz Gesprächen über eine Waffenruhe dauert der Ukraine-Blick auch im Jahr 2025 weiter an. Charkiw steht mehrmals schwer unter russischem Beschuss. Das Kunstwerk „Kreuz des Friedens“ mit einem Kruzifix aus 20.000 Fragmenten russischer Artilleriegeschosse wurde vom amerikanisch-ukrainischen Künstler Sergey Melnikoff (besser bekannt als MFF) und dem ukrainischen Künstler Viktor Belchik geschaffen. © Sergey Bobok/AFP
Ukraine-Krieg - Sumy
Bei einem schweren russischen Luftschlag mit ballistischen Raketen gegen die Stadt Sumy kommen am Palmsonntag 2025 mehr als 30 Menschen ums Leben. Mehr als 100 Zivilpersonen werden verletzt. Unter den Toten sind auch Kinder. © Evgeniy Maloletka/dpa

Ukraine macht der Munitionsmangel zu schaffen – Putins Armee profitiert

Ein Grund, warum Russlands Armeeführung nun wieder auf diese Taktik setzt, dürfte der wachsende Mangel an Munition in den Reihen der Ukrainer sein. Kiew Streitkräften fehlt es allen voran an Artilleriemunition, um sich entlang der Frontlinie gegen russische Angriffe zur Wehr zu setzen. „Wir erhalten immer öfter Berichte über ukrainische Soldaten, denen an der Front die Munition ausgeht oder die sie sogar rationiert haben“, sagte der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, Mitte Februar.

Doch während die westlichen Staaten zum Teil noch über Waffenlieferungen an die Ukraine streiten, schlägt Putins Armee Kapital aus der Lage an der Front. Der ukrainische Thinktank Centre for Defence Strategies (CDS) beschrieb die Taktik bei einem Angriff auf die Stadt Iwaniwske wie folgt: „Eine Angriffsgruppe, bestehend aus 100–200 Mann auf 8–12 Schützenpanzern, rückt schnell an die Frontlinie der ukrainischen Verteidigungskräfte vor und leitet einen Angriff ein. Aufgrund eines Munitionsmangels erreicht ein Teil der Angriffsgruppe das Ziel und greift in den Kampf ein. Gleichzeitig bewegt sich eine weitere Angriffsgruppe schnell auf das Kampfgebiet zu.“ Durch diese Taktik könnten die russischen Truppen kontinuierlich den Druck auf die Verteidiger erhöhen. Im Gegenzug seien die Verluste bei den Angreifern jedoch enorm.

Trotz extrem hoher Verluste – Russland setzt auf Sturmangriff-Taktik

Die Experten des CDS rechnen damit, dass die russische Armee bei einem solchen Sturmangriff in etwa 60 Prozent der gepanzerten Fahrzeuge und knapp die Hälfte des eingesetzten Personals verliert. In das Bild würden auch die hohen Zahlen der russischen Verluste passen, die der ukrainische Generalstab regelmäßig veröffentlicht. Diesen zufolge verliert Russland in der Regel zwischen 800 und 1000 Soldaten pro Tag. Hinzu kommt der Verlust von gepanzerten Fahrzeugen und Truppentransportern. Die Zahlen lassen sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Es ist eine kostspielige Taktik. Doch kurzfristig gesehen scheinen die Sturmangriffe zu Erfolgen zu führen. Putins Streitkräfte konnten nahe dem Dorf Robotyne und in der Region um Iwaniwske Erfolge erzielen. In beiden Gebieten soll die Taktik zum Einsatz gekommen sein.

Russland setzt immer wieder „menschliche Wellen“ gegen ukrainische Stellungen ein

Grundsätzlich sind die Angriffe mit „menschlichen Wellen“ auch im Ukraine-Krieg keine Neuheit. Vor allem beim Kampf um die Stadt Bachmut im Winter 2022/2023 schickte Russland ohne Rücksicht auf Verluste Welle um Welle an Truppen auf die ukrainischen Verteidiger. Bei dem eingesetzten Personal handelte es sich jedoch vor allem um Wagner-Söldner unter der Führung des inzwischen verstorbenen Jewgeni Prigoschin. Berichten zufolge rekrutierte die Privatarmee ihre Söldner direkt aus russischen Gefängnissen und versprach ihnen die Freiheit, sollten sie die Sturmangriffe überleben.

In Bachmut gelang es den ukrainischen Verteidigern über Monate hinweg, die völlig zerstörte Stadt gegen die Wagner-Söldner zu verteidigen. Die Verluste Russlands waren mutmaßlich verheerend. Doch mit einem steigenden Mangel an Munition dürfte sich die Verteidigung von Stellungen deutlich schwieriger gestalten. Der Militärexperte Gustav Gressel erklärte in der vergangenen Woche gegenüber IPPEN.MEDIA, dass russische Truppen sich durch ukrainischen Munitionsmangel deutlich leichter und weniger vorsichtig an der Front bewegen könnten. Die russischen Truppen müssten etwa ihre Artilleriestellungen nicht mehr so häufig wechseln, da der Ukraine die Munition fehlt, um diese ins Visier zu nehmen.

Sollten die Munitionslieferungen an die Ukraine in Zukunft nicht zunehmen, könnte Russland diese „Banzai-Angriffe“ voerst weiter nutzen, um lange ersehnte Erfolge an der Front zu erzielen. (fd)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Stanislav Krasilnikov

Kommentare