VonStefan Schollschließen
Russlands Medien unterstützen Iran im Kampf gegen Israel rhetorisch. Viel mehr Unterstützung gibt es nicht für die Mullahs.
Russlands Propaganda schießt sich ein. „Die ,Eiserne Kuppel’ Israels hat sich in ein durchlöchertes Gitter verwandelt“, titelt das staatliche Massenblatt Komsomolskaja Prawda. Das rechtsnationalistische Portal Zargrad feiert schon den infernalen Untergang des Angreifers: „Die Hälfte des israelischen Staates wurde zu Staub zerrieben“. Überall in Israel seien „kilometerhohe Flammensäulen“ zu sehen.
Vier Tage nach dem israelischen Überraschungsschlag gegen Nuklearanlagen und militärische Führer des Iran haben sich auch kremlnahe Medien und Militärblogger von ihrem Schock erholt. Zu Beginn staunte man noch über die Tolldreistheit und Präzision der israelischen Raketen- und Drohnenangriffe. Und zerbrach sich laut den Kopf, ob man nicht die eigene „Spezialkriegsoperation“ gegen die Ukraine auf ähnliche Weise hätte veranstalten können. Aber inzwischen feuert man ganze Salven von mehr oder weniger falschen Nachrichten ab, um das Narrativ des Irans vom siegreichen Gegenschlag zu stützen.
So laut Moskaus mediale Unterstützung für den Iran allerdings dröhnt, so leer wirkt seine reale Waffenhilfe. Das Parlament in Teheran ratifizierte am Sonntag eilig einen im Januar abgeschlossenen iranisch-russischen Partnerschaftsvertrag. Aber das ist für Moskaus Politiker nur Anlass, darauf zu verweisen, dass dieser Vertrag keine Verpflichtungen für Russlands Streitkräfte enthält, einzugreifen. „Wir versuchen überhaupt, an solchen Konflikten nicht teilzunehmen“, sagte Senator Andrej Klimow am Montag dem Portal lenta.ru. Oder wie es der Exilpolitologe Alexander Morosow gegenüber dem YouTube-Kanal Breakfast Show formulierte: „Putin wartet ab.“ Russland bezieht seit Herbst 2022 vom Iran Shahed-Drohnen, die das Land sofort massiv gegen ukrainische Städte einsetzte und inzwischen selbst in Lizenz nachbaut. Irans Regime dürfte vergeblich auf vergleichbare Lieferungen hoffen. Der Duma-Abgeordnete Alexej Schurawlew erklärte der Internetzeitung gazeta.ru, man stelle dem Iran schon jetzt modernste Luftabwehrsysteme zur Verfügung. „Die sind nun viel notwendiger als der Einsatz unserer Soldaten.“
Abwehrtechnik wird selbst benötigt
Allerdings ist unklar, ob diese Systeme schon im Iran stehen, oder noch geschickt werden sollen. Und ob ausgelieferte Systeme noch einsatzfähig sind. Laut dem Portal Iran International hatte schon im vergangenen November Davud Scheichian, ein am Freitag gefallener General der iranischen Luftwaffe, erklärt, man habe bei Russland keine S-400-Luftabwehrsysteme bestellt. Vergleichbare eigene Waffen besäßen deutlich höhere Kapazitäten, außerdem setze man noch ältere russische S-300 ein.
Das mag auch daran liegen, dass Russland angesichts sich häufender ukrainischer Drohnenangriffe seine neu produzierte Abwehrtechnik selbst benötigt. Russland als Waffenlieferant dürfte auch anderen iranischen Teilstreitkräften nur sehr beschränkt unter die Arme greifen: Insgesamt fielen laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI Russlands Rüstungsexporte von 2022 bis 2024 um gut die Hälfte. Wladimir Putin aber telefoniert in diesen Tagen offenbar viel. Er rief laut Kremlsprecher Dmitrij Peskow Irans Präsident Massud Peseschkian an, dessen israelischen Feind Benjamin Netanjahu, außerdem Donald Trump. Der US-Präsident erzählte anschließend selbst, Putin habe vorgeschlagen, den Unterhändler zwischen Iranern und Israelis zu geben. Für Putin ist es eine Rolle, in der er Friedenswillen demonstrieren kann, ohne dabei irgendwelche Nachteile zu riskieren.
Ein Großteil der russischen Beobachter:innen lässt aber durchblicken, dass Moskau bis auf Weiteres von dem neuen Konflikt nur profitiert: Laut der Nachrichtenagentur Reuters stiegen nach dem Beginn der Luftangriffe am Freitag die Ölpreise um 7 Prozent. Sollte der Krieg eskalieren, winken Russlands zuletzt monatlich mit 1,5 Prozent Minus abschließendem Staatshaushalt neue Einnahmen. Und der Politologe Andrej Kortunow verweist darauf, dass jede Zuspitzung im Nahen Osten die Aufmerksamkeit der Verbündeten Kiews von der Ukraine ablenke sowie von der Waffenhilfe für das Land. Der blutige Waffengang zwischen Iran und Israel ruft in Moskau auch vor diesem Hintergrund keinen großen Handlungsbedarf hervor.
Auf Netanjahus Drohung in Richtung Teheran, die israelische Operation könne mit einem Machtwechsel im Iran enden, erklärte Putins Sprecher Peskow am Montag unbeeindruckt, man habe diese Äußerung gesehen, gehört und gelesen. „Wir konstatieren eine wesentliche Konsolidierung der iranischen Gesellschaft vor dem Hintergrund der israelischen Bombenangriffe.“ Zumindest deuten die Verantwortlichen im Kreml an, mit welcher Seite sie in diesem Krieg mehr sympathisieren.
