Russland verliert strategischen Hafen in Syrien – neue Machthaber werfen Putins Truppen raus
VonVictoria Krumbeck
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Wladimir Putins Streitkräfte müssen sich aus der syrischen Hafenstadt Tartus zurückziehen. Auch der Druck der EU soll die Entscheidung beeinflusst haben.
Tartus – Im Dezember haben Kämpfer unter der Führung der islamistischen Rebellengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) den jahrzehntelangen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt. Auch für Russland, das Assad jahrelang unterstützt hatte, spitzt sich die Situation in Syrien zu. Wladimir Putins Streitkräfte sollen sich aus der Hafenstadt Tartus zurückziehen.
Russland verliert Hafen in Syrien: Tartus-Vertrag „annulliert“
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat die syrische Übergangsregierung einen 2019 geschlossenen Vertrag mit dem russischen Unternehmen Stroitransgas gekündigt. „Das mit einem russischen Unternehmen unterzeichnete Investitionsabkommen für den Hafen von Tartus wurde annulliert. Alle Einnahmen aus den Aktivitäten des Hafens werden im Interesse Syriens verwendet“, erklärte Riad Judy, der Leiter der Zollbehörde der Provinz Tartus, gegenüber der Zeitung Al-Watan, wie die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete.
Der ursprüngliche Vertrag, der unter der Regierung von Assad für 49 Jahre abgeschlossen wurde, sah vor, dass Russland den Hafen nutzen und über 500 Millionen Dollar in dessen Modernisierung investieren sollte. Daneben sollte Russland rund 65 Prozent der Gewinne aus dem Hafen Tartus erhalten, wie The Moscow Times berichtet. Neben dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim gilt Tartus als eine der wichtigsten Basen für Putins Streitkräfte in Syrien.
Syrien will Kontrolle wiederherstellen: Russland verliert strategischen Hafen:
Ob die Entscheidung über die Zukunft des russischen Stützpunktes endgültig ist, bleibt unklar. Das Institute for the Study of War (ISW) schreibt, dass die finanzielle Beendigung durch Russland darauf hindeute, „dass HTS die syrische Kontrolle über den Hafen wiederherstellen will, was es unwahrscheinlich macht, dass Russland dort eine militärische Präsenz aufrechterhält.“ Derzeit liegen die Staatsgeschäfte Syriens in den Händen des HTS-Chef Ahmed al-Scharaa.
Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels
Am 21. Januar lief das russische Frachtschiff Sparta II in den Hafen von Tartus ein. Es wird vermutet, dass es russische Militärausrüstung nach Libyen transportiert. Die Erlaubnis der HTS-geführten Übergangsregierung zur Einfahrt des Schiffes könnte laut ISW auf eine Vereinbarung zwischen Russland und HTS hindeuten. Noch am 12. Januar verweigerte die HTS russischen Schiffen die Einfahrt. Satellitenbilder zeigen, dass seit dem 17. Dezember Kolonnen russischer Militärausrüstung und Fracht im Hafen zur Evakuierung bereitstehen. Zudem soll Russlands Flotte bei einem israelischen Angriff im Dezember beschädigt worden sein.
Syrien unter Druck: EU und Baerbock für russischen Rückzug
Aus Diplomatenkreisen erfuhr die Bildzeitung, dass sich Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) „auf ihren Reisen nach Damaskus und Riad klar für einen Abzug der russischen Truppen aus Syrien eingesetzt [hat]. Sie hat dabei immer wieder unterstrichen, dass dies für Deutschland auch eine Frage der Sicherheit Europas ist“. Der Druck der EU könnte ebenfalls die Entscheidung der neuen syrischen Machthaber beeinflusst haben. Zudem hätte die syrische Bevölkerung „nicht vergessen, dass Putin Assad bis zuletzt unterstützt hat und seine Truppen ihre Städte bombardiert haben“. (vk)