Russlands Nuklearwaffen in Belarus: Neue Gefahr für die NATO?
VonGregor-José Moser
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Die Atomwaffen Russlands in Belarus sind eine Warnung an die Nato. Jetzt ist bekannt, wo die Nuklearwaffen vermutlich stationiert sind.
Minsk – Seit dem Sommer 2023 sind in Belarus nukleare Sprengköpfe aus Russland stationiert. Das ist das erste Mal seit der freiwilligen Aufgabe seiner Atomwaffen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, dass Belarus wieder Atomwaffen auf seinem Territorium hat. Eine Karte und eine Analyse von Satellitenbildern durch das Nachrichtenportal Newsweek zeigen nun, wie nah die russischen Atomwaffen dem Nato-Gebiet kommen.
Es gibt demnach zwei Hauptlager für die Atomwaffen in Belarus. Eines davon soll ein Militärdepot in der Nähe der Stadt Assipowitschy im Zentrum des Landes sein. Ein weiterer möglicher Lagerort ist Prudok, das näher an der nordöstlichen Grenze liegt. Dies bedeutet, dass Russland seine nukleare Angriffskapazität um Hunderte von Kilometern näher an die NATO-Staaten gebracht hat.
Russlands Atomwaffen rücken über Belarus näher an Nato heran
Das Depot in Assipowitschy, das nun über neue Atomlager verfügt, liegt nur etwa 193 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Der Standort Prudok liegt sogar noch näher an der Ostflanke der NATO. Diese Stationierung ermöglicht es Russland theoretisch, Ziele in den Nato-Staaten in Ost- und Mitteleuropa, wie Polen, Lettland und Litauen, leichter zu erreichen. Russland setzt also weiterhin auf nukleare Abschreckung gegenüber dem Westen.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor die Fertigstellung von „Sonderlagern“ in Belarus für die dort stationierten Atomsprengköpfe angekündigt. Laut Newsweek verfügt Belarus über etwa 30 Einrichtungen für nuklearfähige ballistische Raketen, die noch aus der Zeit des Kalten Kriegs stammen, als Belarus Teil der UdSSR war und zuletzt russische Atomwaffen beherbergte. Anfang dieses Jahres führten russische und belarussische Streitkräfte gemeinsame Nuklearübungen durch.
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Warnung an Nato: Putin setzt Unterschrift unter neuer Atomdoktrin Russlands
Ende November setzte Putin eine aktualisierte Doktrin zum Einsatz von Atomwaffen in Kraft. Er unterzeichnete den entsprechenden Erlass am 1000. Tag des Ukraine-Kriegs. Dass Russland seine Atomwaffendoktrin verschärft, hatte der Kreml schon Monate zuvor angekündigt. Mit dieser neuen Doktrin droht Russland nicht nur im Falle eines Atomangriffs mit nuklearer Vergeltung. Ein Angriff mit konventionellen Waffen auf Russland oder seinen Verbündeten Belarus würde ausreichen.
Zumindest, sofern er „eine kritische Bedrohung für deren Souveränität und/oder deren territoriale Unversehrtheit darstellt“. Moskau betrachtet auch die Aggression eines nichtnuklearen Staates, der jedoch von Atommächten unterstützt wird, als gemeinsamen Angriff auf Russland. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs droht Russland insbesondere den europäischen Nato-Staaten immer wieder mit einem möglichen Einsatz von Atomwaffen. (grmo)