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Ob mit Blut von Hirschgeweihen oder Kröten: Oligarchen in Russland schwören oft auf Schamanen. Selbst Putin soll seine Krankheiten so behandeln lassen. Wirklich?
Moskau – Bizarrer Okkultismus im Ukraine-Krieg: Der Todesfall eines russischen Oligarchen hat ein Schlaglicht auf den Einfluss von Schamanen im Kreml geworfen. Selbst Russlands Präsident Wladimir Putin sei in den Bann alternativer Behandlungsmethoden geraten, behauptete kürzlich der Politologe Walerie Solowei in einem Beitrag für die Moscow Times. Berichte, wonach der Kreml-Tyrann angeblich zum Schutz vor Krankheiten im Blut von Hirschgeweihen badet, hatte es schon zuvor gegeben. Doch was ist dran? Pure Tatsache? Oder eine raffinierte Fake-News-Strategie im Ukraine-Krieg?
Russland: Schamanen haben für Oligarchen und Russlands Präsidenten Wladimir Putin eine große Bedeutung
Derzeit vergeht kaum ein Tag ohne ein neues, seltsames Gerücht oder skurrile Fakten um Wladimir Putin. Seit Beginn des von ihm befohlenen Ukraine-Kriegs wird eifrig über seinen Geisteszustand, aber auch über den Grad seiner Fitness spekuliert. Während die einen den Kremlherrscher einfach nur für verrückt halten, sehen andere Experten erste Anzeichen für eine Parkinson-Krankheit. Auch Krebs wurde bereits diagnostiziert – wenn auch aus der Ferne.
Denn wirklich Zugang zum Kremlherrscher haben kaum noch Leute. Bereits während der Corona-Pandemie isolierte sich Putin, der als Aggressor des Ukraine-Konflikts gilt und Angst vor Attentaten oder einem Putsch haben muss, weitgehend von vielen Kontakten zur Außenwelt. Dennoch fand die kremlkritische Plattform Proekt in einer aufwändigen Recherche heraus, dass an vielen Tagen, an denen sich Putin, der ein großes Vermögen besitzt, in seiner Residenz am Schwarzen Meer aufhielt, auch fast immer ein Hals-Nasen-Ohren-Spezialist und ein Onkologe sich in der Nähe des Präsidenten aufhielt – was die These nährte, dass Putin krank sei.
Fake News im Ukraine-Krieg? Krebs oder Parkinson – Wladimir Putin werden viele Krankheiten nachgesagt
Dem Bericht zufolge soll sich in den vergangenen Jahren die Anzahl der Ärzte im Gefolge des Präsidenten verdoppelt haben. Doch Putin setze wegen der vermeintlichen Parkinson- oder Krebs-Erkrankung nicht nur auf die klassische Medizin, sondern durchaus auch auf alternative Behandlungsmethoden, zitierte der Business Insider aus dem Bericht von Proekt. Der Kremlherrscher habe demnach damit begonnen, in Blutextrakten aus abgetrennten Hirschgeweihen zu baden. Das stärke angeblich das Herz-Kreislauf-System und verjünge die Haut. Den Angaben zufolge wird das Geweih den Hirschen bei lebendigem Leib abgeschnitten – was Tierschützer entsetzt hat. Denn dieses Vorgehen gleich in etwa dem Schmerz, wenn man einem Menschen einen Fingernagel einfach so abziehen würde.
Doch was an den Geschichten in Wahrheit dran ist, lässt sich nicht überprüfen. Klar ist nur, dass es in einigen Eliten Russlands durchaus ein Faible für Schamanen gibt. Dieser soll nicht selten in Sicherheits- und Militärkreisen verbreitet sein. Während es schon zu Zeiten der Sowjetunion einen Hang zu Übersinnlichen gab, erwachte das Interesse ab dem Jahr 2010 wohl noch einmal neu. Angefacht wurde es von einem Schamanen, der sich Kolya nannte und der in St. Petersburg einigen politischen und wirtschaftlichen Eliten die Zukunft voraussagte.
Russland: Oligarchen und Verteidigungsminister Sergei Schoigu brachten Putin zu Schamanen
Putin selber, der aus St. Petersburg stammt und dort viele Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges arbeitete, soll zunächst über den Oligarchen Wiktor Medwedtschuk Zugang zu der Szene erhalten haben, die sich auf südamerikanische Rituale stützte. Später habe ihn der heutige Verteidigungsminister Sergei Schoigu von einer sibirischen Denkschule überzeugt, berichtete unlängst der Bayrische Rundfunk (BR). Demnach flog Schoigu, der selber aus Sibirien stammt, mit Putin immer wieder zu Sitzungen eines Schamanen – zuletzt angeblich am 20. März 2022 ins Altai.
Hinter den Schamanen steckt in Russland ein großer Markt. Bis zu 500 Millionen US-Dollar sollen Schätzungen zufolge jedes Jahr umgesetzt werden. Dass die selbsternannten Lebensberater, Wahrsager, Astrologen oder Schamanen aber einen direkten Einfluss auf die russischen Politiker haben, glaubt der Politologe Solowei nicht. „Aber sie spielen eine wichtige psychotherapeutische Rolle und helfen ihren Klienten, Vertrauen in ihr Handeln zu bilden“, zitierte ihn der BR.
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Dass das Wirken der Schamanen in Russland keine reine Einbildung ist, zeigte nun der Fall von Alexander Subbotin. Der ehemalige Topmanager von Lukoil wurde vor wenigen Tagen tot aufgefunden – im Haus eines Schamanen. Der Wunderheiler habe den Oligarchen gegen seine Alkoholsucht behandeln sollen und verabreichte ihm „Krötengift“ und „Hahnenblut“. Doch Subbotin erlitt angeblich einen Herzinfarkt. Doch statt einen Arzt zu konsultieren, gab der Schamane dem Manager eine ungekannte Substanz, wenig später sei Subbotin gestorben. Die Polizei übernahm die Ermittlungen.
