Kommentar

Gräueltaten des Assad-Regimes: Schaut hin!

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Menschen versammeln sich vor dem Militärgefängnis Saidnaja nördlich von Damaskus. Sie hoffen, inhaftierte oder vermisste Angehörige zu finden.

In Syrien offenbaren sich nun die Gräueltaten des Assad-Regimes. Das straft alle Lügen, die Assads Staat für ein „sicheres Herkunftsland“ hielten. Der Kommentar.

Als „Großstadt“ darf sich in Deutschland ein Ort bezeichnen, der mehr als 100 000 Menschen zählt. Gemessen daran sind in Syrien im Laufe der Jahre die Einwohnerinnen und Einwohner von zwei kompletten Großstädten spurlos verschwunden - mindestens. Nach der Befreiung von Zehntausenden Insassen aus dem Foltergefängnis Saidnaja in Damaskus gelten weitere 200 000 Menschen als vermisst, gestorben oder eingekerkert in anderen Folterkammern des Assad-Regimes.

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Wie Menschen aus ganz Syrien in langen Schlangen vor Saidnaja auf Nachrichten warten, ist tief anrührend. Und es spricht für sich, dass die Befreier in offiziellen Mitteilungen detailliert schildern, welche Räume, Schächte, Hohlkammern und technische Anlagen durchsucht wurden - damit niemand der falschen Hoffnung erliegt, es sei etwas übersehen worden. Unterdessen geht die Suche nach anderen Geheimgefängnissen weiter.

Der Terror, der in Syrien zutage tritt, straft alle Lügen, die in Assads Staat ein „sicheres Herkunftsland“ sehen wollten. Sicher war das höchstens für jene, die dem Regime genehm waren - wenn überhaupt. Die sich offenbarenden Gräuel sollten auch alle zur Zurückhaltung mahnen, die sich gerade mit Rückkehr-Forderungen überbieten. Die HTS hat Syrien zwar von Assad befreit. Ob die Miliz sich aber als Wächterin der Menschenrechte entpuppt, ist noch lange nicht ausgemacht.

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