Säbelrasseln in Fernost

Rückendeckung für Kiew: Taiwan mischt sich in Ukraine-Krieg ein – und liefert schlagkräftige Hilfe

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Taiwan selten militärische Hilfe an die Ukraine. Dabei muss sich die Insel selbst gegen eine Invasion wappnen. (Archivbild)
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Taiwan will Kiew im Ukraine-Krieg unterstützen und liefert Waffen. Dabei ist das Land selbst in Gefahr: China rasselt mit den Säbeln – und Peking ist Putins Verbündeter.

Taipeh – Kommt die nächste Schützenhilfe für die Ukraine im russischen Angriffskrieg aus Fernost? Während Wladimir Putin seine Attacken im Ukraine-Krieg weiter fortsetzt, sind die Verteidiger um Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Unterstützung anderer Länder angewiesen. In den vergangenen Monaten kam diese zum großen Teil aus westlichen Ländern. Doch nun zeigt das kleine Land Taiwan Flagge – und will Hundert Flugabwehr-Raketen an Kiew liefern, allerdings über einen Umweg. Dabei steht der Inselstaat selbst einem gefährlichen Aggressor gegenüber.

Trotz Konflikt mit China: Taiwan mischt im Ukraine-Krieg mit – und liefert Waffen an Kiew

Wie die taiwanesische Zeitung China Times berichtet, sollen die Raketen vom Typ „Hawk“ in den kommenden Wochen an die Ukraine geliefert werden. „Wir haben Hunderte Hawk-Raketen außer Dienst gestellt, um den ukrainischen Luftraum zu verteidigen“, wird ein Mitarbeiter der Regierung zitiert. Wieso die Hilfe für die Ukraine eine gewisse Brisanz mitbringt, zeigt ein kleines Detail: Die Flugabwehr-Raketen werden nicht direkt an die Ukraine geliefert, sondern von den USA zurückgekauft. Anschließend sollen die „Hawk“-Waffen ihren Weg nach Kiew finden. Die Kosten werden auf knapp zwei Milliarden Euro geschätzt.

Doch wieso kann Taiwan auf seine Abwehr-Systeme verzichten? Wie es weiter heißt, sollen die alten „Hawk“-Raketen, die seit Jahrzehnten eingesetzt werden, um Taipehs größten Feind, China, abzuwehren, durch neue Luftverteidigungswaffen ersetzt werden. Trotz ihres Alters gelten die „Hawk“-Raketen als effizientes Kriegsgerät. Laut China Times soll ihre Erfolgsquote deutlich über 80 Prozent liegen – allerdings nicht bei der Bekämpfung aller Typen von Flugkörpern. Dennoch ist die Statistik der Waffen beeindruckend.

Ukraine-Krieg: Waffenlieferung aus Taipeh – Spannungen zwischen Nato und China nehmen zu

Während die Waffenhilfe aus Taiwan in Kiew mutmaßlich auf großen Zuspruch stoßen wird, könnte sie bei einem anderen Konflikt die Wogen hochschlagen lassen. Die Spannungen zwischen China und Taiwan haben in den vergangenen Monaten weiter zugenommen und Peking gilt weiterhin als wichtiger Unterstützer von Wladimir Putin im Ukraine-Krieg. Die Raketen könnten nun dafür sorgen, dass sich die Lage weiter zuspitzt.

China erkennt Taiwan seither nicht als eigenständigen Staat an und erhebt im Sinne der „Ein-Staat-Politik“ weiterhin Anspruch auf die Insel. Die jüngsten Entwicklungen im Ukraine-Krieg und die Entscheidungen der Nato haben zudem dazu beigetragen, dass die Regierung in Peking wegen der Nato immer weiter auf die Barrikaden geht. Zuletzt hieß es anlässlich des Nato-Gipfels in Vilnius, dass das Verteidigungsbündnis „wie zu Zeiten des Kalten Krieges“ denken würde.

Invasion in Taiwan: USA wollen Verteidigung stärken

Eine Invasion durch China wird in Taiwan indes schon länger nicht mehr ausgeschlossen. Dass die „Hawk“-Raketen nun durch schlagkräftigere Waffen ersetzt werden, ist daher naheliegend. Zuletzt forderte auch das US-Militär deutlich mehr Waffen für Taiwan. Auch die Präsenz der US-Armee im asiatisch-pazifischen Raum soll auf den Prüfstand. „Ich denke, es ist wichtig, dass Taiwans Militär und seine Verteidigungsfähigkeiten verbessert werden“, sagte Generalstabs-Chef Mark Milley in Tokio vor Journalisten.

Experten befürchteten zu Beginn des Ukraine-Kriegs, dass Peking das weltweite Interesse an Russlands Angriffskrieg nutzen könnte, um Taiwan zu überfallen. Denn: Der Einsatz militärischer Gewalt zur Wiedereingliederung der demokratisch regierten Insel wird von der Regierung von Xi Jinping nicht ausgeschlossen. Aufgrund ihrer Beziehungen zu China haben die meisten Staaten Taiwan offiziell nicht anerkannt. Die USA agieren aber dennoch als wichtigster Verbündeter der Insel. (fbu)

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