VonFelix Busjaegerschließen
Atomkraft ist für die US-Wirtschaft essenziell. Joe Biden hat nun den Uran-Bergbau eingeschränkt. Seine Gegner:innen warnen vor einer größeren Abhängigkeit von Russland.
Washington D.C. – Knapp 20 Prozent beträgt der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung der USA. Trotz der internationalen Kritik an der nuklearen Technologie und Gegenstimmen im eigenen Land wird dem Sektor weiterhin eine große Bedeutung beigemessen. Doch diese könnte künftig in Gefahr sein, befürchten Lobbyist:innen. Der Gründe sind ein Dekret von US-Präsident Joe Biden – und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs.
Uranabbau in den USA gefährdet: Biden schränkt Bergbau ein
Biden hat nun beschlossen, die Region um den Grand Canyon vor dem Bergbau zu schützen. Betroffen sind etwa eine Million Hektar Land in Arizona, die zum Nationaldenkmal ernannt wurden. Das Gebiet rund um die Schlucht ist reich an Uranvorkommen, die künftig laut Bidens Kritikern nicht gefördert werden können, während die Vereinigten Staaten weiterhin Uran importieren müssen. Unter anderem das Wall Street Journal und Newsweek haben über die Entwicklung berichtet.
Da der heimische Abbau von Uran in den USA nur noch erschwert möglich ist, wächst die Abhängigkeit von Importen. Vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs stammten etwa 14 Prozent der gesamten US-Uranimporte aus Russland. Das Land von Präsident Wladimir Putin ist damit der drittgrößte Partner für die amerikanische Wirtschaft. Zwar macht der US-Uranabbau nur einen Bruchteil des Bedarfs aus, dennoch wird das Vorgehen von Joe Biden nun als „Geschenk an Putin“ kritisiert.
Größere Abhängigkeit von Russland befürchtet: Joe Biden gerät in die Kritik
Die Befürchtungen der US-Wirtschaft sind nachvollziehbar: Auf der einen Seite wird durch Bidens Entscheidung der US-Bergbau geschwächt und auf der anderen Seite die Abhängigkeit von Uran-Importen erhöht. Kritik erntet der US-Präsident insbesondere aus dem konservativen Spektrum. „Wir brauchen Uran für die Sicherheit unseres Landes“, sagte Buster Johnson, ein Vorgesetzter aus Mohave County. „Wir sind aus dem Spiel.“
Bei allen Befürchtungen gilt es aber auch zu erwähnen, dass derzeit keine Uranminen in Arizona im Betrieb sind und bestehende Bergbaurechte gültig bleiben. Allerdings hat US-Präsident Joe Biden mit seiner Entscheidung einen möglichen Ausbau im Bergbausektor blockiert. „Durch die Eliminierung dieser wichtigen Uranquelle hat Präsident Biden sowohl unsere Abhängigkeit von Russland und China als auch unseren letztendlichen CO2-Fußabdruck erhöht und gleichzeitig unsere Energieeffizienz verringert“, heißt es aus den Reihen der Kritiker:innen.
Uran aus Russland trotz Ukraine-Krieg: US-Präsident Biden will Anteil reduzieren
In einer Zeit, in der in den USA allmählich die Zeichen auf US-Präsidentschaftswahl stehen und Donald Trump, der erneut angeklagt wurde, wieder nach der Macht strebt, ist die Entscheidung von Joe Biden eine gefundene Angriffsfläche für seine politischen Gegner:innen. Sie spielen mit der Unsicherheit der Bevölkerung und instrumentalisieren die Angst vor Russland und Wladimir Putin. Denn in Wahrheit ist der Anteil der US-Importe von russischem Uran im Vergleich zu Lieferungen aus anderen Ländern gering und wird bereits seit längerem reduziert.
„Die Rhetorik der Bergbaulobby und die Realität liegen also tatsächlich weit auseinander“, resümiert etwa Mark Shanahan gegenüber Newsweek.
Russisches Uran für USA: Biden gerät vor US-Wahlkampf ins Kreuzfeuer politischer Gegner:innen
Die Abhängigkeit von Russland bei der Energieversorgung ist auch bei europäischen Ländern seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs ein wichtiges Thema. Bereits im August 2022 machte die US-Regierung deutlich, dass es langfristig keine Zukunft für russisches Uran bei der US-Stromerzeugung geben wird. Wie das Handelsblatt damals schrieb, ist das russische Uran allerdings trotz des geringen Anteils aktuell alternativlos, da einige Kernkraftwerke ausschließlich eine effizientere Art von Uranstäben nutzen kann, die nur von Russland hergestellt wird. Über diese zunächst unüberwindbare Abhängigkeit berichtete ebenfalls die Tagesschau.
Damals wurde prognostiziert, dass die USA vor einem gewaltigen Kraftakt stehen, wenn sie die heimische Uranproduktion konkurrenzfähig zur russischen machen wollen. Durch Joe Bidens Entscheidung, Gebiete in Arizona zum Nationaldenkmal zu machen, werden diese Pläne erneut ausgebremst – und spalten die US-Politik in einer kritischen Phase vor dem US-Wahlkampf, in der auch Donald Trump kräftig mitmischen will, umso mehr. (fbu)
