Verwirrung kurz vor Bundestagswahl 2025: Grüne mit Anti-Scholz-Kampagne – „Olaf schmeißt hin“
VonSimon Schröder
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Die Wahllokale haben geöffnet und die Bundestagswahl ist im Gange. In einem Wahlkreis stehen sich Scholz und Baerbock als Direktkandidaten gegenüber.
Potsdam – Vor wenigen Stunden haben sich die Türen der Wahllokale in ganz Deutschland geöffnet. Die Parteien wollen auf den letzten Metern vor der Bundestagswahl keine Fehler mehr machen. Doch ein Wahlkampfvideo der Grünen sorgt momentan für viel Irritation und Kritik.
Konkret geht es dabei um den Potsdam-Wahlkreis 61. Denn die Direktkandidaten hier sind alles andere als unbekannt. Für die SPD tritt nämlich Bundeskanzler Olaf Scholz an. Für die Grünen hingegen geht Außenministerin Annalena Baerbock ins Rennen. Bei der Bundestagswahl 2021 hat den Wahlkreis noch Scholz mit 34 Prozent für sich entscheiden können. Baerbock lag damals deutlich abgeschlagen auf Platz zwei mit 18,8 Prozent der Stimmen.
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Grünen-Video sorgt vor Bundestagswahl für Irritation: Direktmandat Scholz gegen Baerbock
In dem kontrovers diskutierten Wahlkampfvideo wirbt Grünen-Co-Landeschefin Alexandra Pichl nun dafür, die Erststimme nicht Olaf Scholz zu geben, sondern ihrer Grünen-Kollegin Baerbock. Verwunderlich ist das noch nicht, doch ihre Begründung sorgte für mächtig Irritationen. Denn der Bundeskanzler „schmeißt hin“, erklärt Pichl im Video. Sollte er nicht erneut zum Kanzler gewählt werden, behauptet Pichl wolle Scholz auch sein Mandat für den Deutschen Bundestag ablegen.
„Und dass er Kanzler wird, ist nach aktuellen Umfragen eher unwahrscheinlich“, erklärt die Grünen-Politikerin im Video. Weiter sagt sie: „Willst du mit deiner Erststimme jemanden wählen, der sich dann auch wirklich für Brandenburg im Bundestag einsetzt und nicht einfach geht? Dann gibt es für deine Erststimme im Wahlkreis 61 nur eine Wahl: Annalena Baerbock.“
Doch stimmt die Aussage überhaupt? Pichl bezieht sich laut eigener Angabe bei dem Wahlkampfvideo auf die Aussage des Kanzlers im Interview bei „Jung & Naiv“. Auf die Frage, was Scholz nach der Bundestagswahl mache, sollte er nicht erneut zum Kanzler gewählt werden, hatte dieser geantwortet: „Danach ist dann auch die Zeit als ganz normaler Bürger wieder angesagt.“ Dies habe Pichl wohl so gewertet, dass der SPD-Politiker auch sein Mandat als Bundestagsabgeordneter nicht annehmen wolle, wie der Tagesspiegelvon Pichl erfahren hatte.
Scholz widerspricht Grünen-Wahlkampfvideo – Direktmandat bei Bundestagswahl zweitrangig
Laut SPD stimme die Aussage der Grünen-Politikerin jedoch nicht. „Das Video ist uns bekannt und wir sind sehr irritiert darüber“, hieß es von einer SPD-Sprecherin des Wahlkreises. Die Behauptung sei falsch, Olaf Scholz werde – sollte er seinen Wahlkreis gewinnen – weiterhin im Bundestag vertreten sein. Scholz selbst hatte bei seinem Wahlkampfabschluss in Potsdam ebenfalls bestätigt, er werde sein Direktmandat annehmen. „Das steht schon ewig lange fest“, betonte Scholz.
Und eigentlich ist das Duell der Direktkandidaten weder für Scholz noch Baerbock entscheidend. Beide werden wohl ohnehin über die Landeslisten ihrer Parteien in den Bundestag einziehen können. Selbst, wenn sie ihren Wahlkreis verlieren sollten. Seit der Wahlrechtsreform hat die Zweitstimme außerdem nochmal deutlich an Bedeutung gewonnen. Denn sie bestimmt, wie viele Sitze den Parteien im Bundestag zustehen. Unabhängig davon, wie viele Direktmandate man bei der Bundestagswahl für sich entscheiden kann. (sischr)