VonFranziska Schwarzschließen
Ging es um den Ukraine-Krieg? Zwei Ex-SPD-Größen haben sich getroffen. Sigmar Gabriel hatte offenbar eine brisante Frage an Gerhard Schröder.
Hannover - Von Sigmar Gabriel ist dieser Tage wieder oft zu lesen. Mit „Verschwörungstheorien“-Vorwürfen an Ukraine-Botschafter Andrij Melnyk. Dem Wunsch nach einer allgemeinen Wehrpflicht. Und Skepsis gegenüber einem baldigen EU-Beitritts der Ukraine.
Im Ukraine-Konflikt teilt der frühere SPD-Vorsitzende und Vizekanzler die Kritik seiner Partei an Ex-Kanzler Gerhard Schröder - im Grundsatz. Aber, so Gabriels Einschränkung Anfang März im Fernsehsender phoenix: Man dürfe das gesamte politische Wirken Schröders nicht nur an diesem Thema festmachen.
An diesem Mittwochmorgen (20. April) begrüßte Schröder Gabriel nun am Eingang seiner Altbauvilla in Hannover. Das berichtet die Bild (Online-Ausgabe) und lieferte Beweisfotos mit.
Gabriel trifft Schröder und spricht anschließend über Ukraine-Verhandlungen im Krieg
Gabriel gab dem Blatt auch Auskunft über seinen Hannover-Besuch. „Ich wollte Gerd Schröder fragen, was bei seinen Gesprächen in Istanbul und Moskau zu den Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland herausgekommen ist. Aber leider scheint trotz vielfältiger internationaler Bemühungen ein schnelles Ende dieses furchtbaren Angriffskrieges offenbar nicht in Sicht zu sein“, zitiert Bild ihn.
Gabriel spielte damit offenbar auf die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland an. Schröders Moskau-Reise hatte vor mehr als einem Monat für Aufsehen gesorgt. Er flog über Istanbul nach Moskau, mutmaßlich, um Wladimir Putin zu treffen. Die beiden Männer gelten als freundschaftlich verbunden. Eine offizielle Bestätigung über ein Treffen gab es nicht.
Schröder kandidiert für den Aufsichtsrat des staatlichen russischen Energiekonzerns Gazprom. Rosneft-Aufsichtsratschef und Gesellschafterausschuss-Vorsitzender der Nord Stream AG ist der 78-Jährige bereits.
Ukraine-Krieg: Gabriel räumt Fehler bei Nord Stream 2 ein
Im Zusammenhang mit der Gas-Pipeline sieht Gabriel nachträglich allerdings Irrtümer der Bundesregierung. „Es war ein Fehler, bei den Einwänden gegenüber Nord Stream 2 nicht auf die Osteuropäer zu hören. Das war auch mein Fehler“, sagte er der Welt.
„Wir haben die Verantwortung für Energiesicherheit mit der Liberalisierung im Jahr 2002 in ganz Europa vom Staat an die privaten Energieunternehmen übertragen. Und die haben sich die preiswerteste Quelle gesucht: russisches Pipeline-Gas.“ Gabriel war einst auch Wirtschafts- und Außenminister.
Energie-Krise in Deutschland: Gabriel attackiert Merkel
Allerdings hätte ein Stopp von Nord Stream 2 die Verhandlungen um einen Waffenstillstand 2014 sehr erschwert. Viele und nicht nur die Deutschen seien davon ausgegangen, mit engen Handels- und vor allem Rohstoff-Beziehungen Russland in eine stabile europäische Ordnung einbinden zu können. „Die Osteuropäer haben das immer als Illusion bezeichnet - und hatten recht“, so der 62-Jährige.
Man dürfe dennoch nicht die SPD und ihre Entspannungspolitik zum alleinigen „Sündenbock“ für die starke Energie-Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas machen. Die Russland-Politik seit 2005 sei von einer Unions-Kanzlerin, Angela Merkel , ebenso geführt worden, wie die Bundeswehr seit 2002 von Verteidigungsministern der Union ruiniert worden sei, sagte Gabriel. (frs mit Material der dpa)
