Lehrerverbandspräsident fordert

Darum sollten Schulleiter:innen mehr verdienen und weniger im Unterricht sein

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Eine Umfrage zeigt: Viele Leitende könnten den Schulen bald den Rücken kehren. Experten schlagen Alarm, sehen aber auch Lösungsansätze.

Viele Schulleiter:innen fühlen sich einer Umfrage zufolge stark belastet, arbeiten mehr als 50 Wochenstunden – und jede vierte Kraft ist bereit, der eigenen Schule den Rücken zu kehren. Zu diesen Ergebnissen kommt der „Schulleitungsmonitor Deutschland“, den ein Forscherteam im Auftrag der Wübben Bildungsstiftung erstellt hat.

Rund 57 Prozent empfinden ihr Arbeitstempo „oft“ oder „sehr oft“ als belastend. Das Vertrauen in die Bildungsverwaltung ist weiter gesunken, wie die Untersuchung auf Basis einer repräsentativen Forsa-Befragung von 1007 Schulleitungen in allen Bundesländern zudem zeigt. Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger nennt die Ergebnisse ein „Alarmzeichen“.

Auch so manche Lehrkräfte träumen von der Kündigung, wie sie auf TikTok zeigen.

Lehrerpräsident Heinz-Peter Meidinger findet das geringe Gehalt von Schulleiter:innen problematisch.

Gehaltsunterschied zwischen Schulleitung und Lehrkraft ist in Deutschland enorm

„In kaum einem Land in Europa ist der Gehaltsunterschied zwischen Schulleitung und Lehrkraft so gering wie in Deutschland“, sagt Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger BuzzFeed News Deutschland. Dieser liege im einstelligen Prozentbereich. Das sei der Hauptgrund, warum Schulleiter:innen eine so enorme Belastung empfinden.

Neben ihrer Arbeit als Schulleiter:innen müssen sie oft noch etwa 20 Stunden unterrichten. „Das schreckt viele ab“, sagt Meidinger. In den letzten Jahren seien zudem Herausforderungen wie die Digitalisierung oder die Pandemie hinzugekommen.

Provisorisch besetzte Schulleiter:innenstellen belasten Lehrer:innen und Schüler:innen

Die Folge der Unzufriedenheit der Schulleiter:innen sei, dass die Stelle oft gar nicht oder nicht voll besetzt werde.  Vor allem Schulen in ländlichen Regionen, kleinere Schulen und Grundschulen seien betroffen, hieß es dazu vom Allgemeinen Schulleitungsverband.

Sei der Chefposten frei, werde üblicherweise kommissarisch eine Lehrkraft aus dem Kollegium benannt oder ein Konrektor oder eine Konrektorin. Meidinger fügt hinzu, dass manche Lehrer:innen deshalb Schulleitungstätigkeiten nebenher machen, für die sie nicht angestellt seien. Für die Lehrer:innen ist das laut dem Lehrerverband eine große Belastung.  

Und auch für Schüler:innen, die die zusätzlichen Strapazen durch Unterrichtsausfälle spüren könnten. Wenn Unterrichtsstunden ausfielen, könnte Kindern drohen, dass sie verstärkt selbstständig lernen müssen, was das Kinderhilfswerk ablehnt.

Meidinger: „Wenn Schulleitungen ausfallen oder nur teilweise besetzt sind, lähmt das die gesamte Schulverwaltung“

„Eine Schulleitung ist für eine erfolgreiche Entwicklung der Schule unersetzlich“, sagt Meidinger. Sie sei dafür zuständig, politische Konzepte an der Schule in die Tat umzusetzen oder die Kommunikation innerhalb des Lehrerkollegiums zu steuern. Schulleiterinnen seien außerdem dafür verantwortlich, Fortbildungen für die Lehrer:innen zu organisieren.

„Wenn Schulleitungen ausfallen oder nur teilweise besetzt sind, dann lähmt das die gesamte Schulverwaltung“, sagt er. „Ohne Leitung läuft die Schule zwar noch, aber keiner weiß, in welche Richtung.“

Der Lehrerverbandspräsident lehnt eine 4-Tage-Woche an der Schule ab.

Schulleiter:innen sollten „von der Unterrichtstätigkeit entlastet“ werden

Um den Beruf attraktiver zu machen, sollten Schulleiter:innen laut Meidinger „von der Unterrichtstätigkeit entlastet“ werden. Das bedeutet, dass sie weniger Zeit mit Unterricht verbringen. Der Lehrkräftemangel macht es schwierig, dass sich daran schnell etwas ändert – der ist so massiv, dass Markus Söder (CSU) Lehrer:innen mit einer Offensive für Bayern abwerben wollte.

Auch das Gehalt solle dringend erhöht werden „Natürlich braucht es Idealismus, aber ohne entsprechende Honorierung ändert sich nichts.“ Möglich sei das nur mit Unterstützung einer „personell ausreichend ausgestatteten Schulverwaltung“, damit Schulleiter:innen nicht etwa für Sekretär:innen einspringen müssen.

Der Staat sollte zudem ein systematisches Auswahlverfahren einrichten, indem sich die Lehrer:innen für die Leitungsstelle qualifizieren müssen, fordert der Lehrerverband. Dafür brauche es Lehrgänge für Schulleiter:innen. Bisher sei keine bestimmte Qualifizierung gefordert. Die Bewerbung zur Schulleiter:in laufe nur intern und sehr locker innerhalb der Schule ab. Erst nachdem die Lehrkraft zur Schulleiter:in ernannt wird, bekomme sie in der Regel Fortbildungen.

(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/ dpa

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