Falsche Hoffnungen?

Besser „eiskalt“: Schweden setzt noch auf Erdogan-Durchbruch im März - nun regt sich Kritik

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Die Türkei blockiert weiterhin den Nato-Beitritt von Schweden und Finnland. (Archivbild)
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Noch im März will Schweden wieder in der Türkei vorstellig werden. Doch Regierungschef Kristersson gerät in die Kritik. Für Finnland gibt es einen kühlen Rat.

Stockholm/München - Schweden hofft offenbar wieder auf Bewegung im Ringen mit der Türkei um seinen Nato-Beitritt. Laut Ministerpräsident Ulf Kristersson wird es bereits im März - und damit vor der Türkei-Wahl - ein neues Treffen geben. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hatte sich noch ein gewisser Fatalismus unter den Teilnehmern breitgemacht: Auch ein alleiniger Beitritt Finnlands schien nicht mehr ausgeschlossen.

Türkei blockiert Schwedens Nato-Beitritt - Kristersson: „Haben Datum für Gespräch bekommen“

„Wir haben bereits ein Datum für dieses Gespräch bekommen“, sagte Kristersson am Mittwochabend (22. Februar) dem schwedischen Fernsehsender SVT. Wann genau sich Vertreter der Staaten treffen, wollte der Regierungschef allerdings nicht sagen. Dabei gehe es nicht um Geheimnistuerei, betonte er - die offizielle Bestätigung für den Termin stehe noch aus.

Ende Januar hatte die Türkei geplante Beratungen mit Schweden und Finnland im Februar laut Medienberichten abgesagt. Zuvor hatten Rechtsextreme öffentlich einen Koran verbrannt und damit die Türkei erzürnt.

Kristersson nutzte seinen Fernsehauftritt dazu, noch einmal für einen gemeinsamen Beitritt Finnlands und Schwedens zu plädieren. „Ich arbeite hart daran, dass wir beide gemeinsam beitreten“, sagte der konservative Regierungschef. „Finnland hat ja eine extrem lange Grenze zu Russland. Einander zu helfen und einander zu verteidigen würde besser funktionieren, wenn wir beide in der Nato wären.“

Schweden verliert im Nato-Ringen langsam die Geduld: „Grundlegender Fehler“ mit Erdogan

Zuletzt war in Schweden auch Kritik an Kristerssons Strategie laut geworden. Die Boulevardzeitung Aftonbladet etwa unterstellte ihm einen „grundlegenden Fehler“. Kristersson betonte ständig die Bedeutung der Türkei und ihres Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Das nütze aber einzig und allein Erdogan. Stattdessen solle der Minsterpräsident „eiskalt“ Vorfreude auf ein positives Votum des türkischen Parlaments nach der Wahl äußern, hieß es in einem Kommentar der Journalistin Lena Mellin.

Auf der Webseite des TV-Kanals Euronews forderte eine Expertin unterdessen, Finnland solle sich besser auf einen Solo-Beitritt vorbereiten - das Land sei aufgrund seiner langen Grenze mit Wladimir Putins Russland „verletzlicher“. Zugleich scheine ein Einlenken der Türkei vor den Präsidentschaftswahlen äußerst unwahrscheinlich. Im Falle eines Wahlsiegs Erdogans sei sogar ein schnelles Vorankommen nach dem Wahltermin im Mai oder Juni kaum zu erwarten.

Nato-Beitritt auf Eis: Schweden setzt weiter auch auf schnelles Go von Orban

Schweden hatte die Mitgliedschaft in dem westlichen Verteidigungsbündnis im vergangenen Mai unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gemeinsam mit Finnland beantragt. Den Beitritt müssen alle 30 Nato-Länder ratifizieren. Die Türkei blockiert das Verfahren seit langem. Sie wirft Schweden unter anderem vor, nicht konsequent genug gegen Menschen und Organisationen vorzugehen, die Ankara als terroristisch einstuft.

Der Stillstand bei den Verhandlungen hatte Spekulationen darüber befeuert, ob Finnland der Nato womöglich zunächst allein beitreten könnte. Allerdings steht auch das „Go“ aus Ungarn für die Aufnahme der beiden Länder aus. Kristersson zeigte sich diesbezüglich nun optimistisch: Budapest werde noch im März die Zustimmung erteilen, sagte er SVT. (fn/dpa)

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