VonPatrick Mayerschließen
Auf der Krim soll es wieder zu großen Explosionen gekommen sein. Die Ukraine greift wohl gezielt die Infrastruktur der russischen Besatzer an.
Krim - Im Ukraine-Krieg gab es am Sonntag (17. September) offenbar den nächsten Angriff auf die durch Russland besetzte Krim. Wie das unabhängige osteuropäische Nachrichtenportal Nexta berichtet, kam es zu mehreren Explosionen in der Hafenstadt Sewastopol.
Ukraine-Offensive: „Lebensadern des Feindes“ auf der Krim im Visier
Die Ukraine hat demnach angeblich wieder den Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte angegriffen. Was genau getroffen worden sein soll, wurde nicht erklärt. Am Sonntagabend wurden in Sewastopol zunächst drei große und danach mehrere leisere Explosionen registriert, berichtete die Nachrichtenagentur Suspilne. Demnach soll es sich bei dem Angriff um eine gemeinsame Aktion des ukrainischen Geheimdienstes und der ukrainischen Marine gehandelt haben.
Auffällig ist: Die Ukraine greift die völkerrechtswidrig besetzte Schwarzmeer-Halbinsel mittlerweile beinahe täglich an. Dass die Krim isoliert werden soll, um sie für die russische Armee unhaltbar zu machen, erklären hochrangige ukrainische Vertreter wie Präsident Wolodymyr Selenskyj schon lange. Laut eines Experten zielen die Angriffe deshalb nun auf die „Lebensadern des Feindes“ ab, die Infrastruktur auf der Krim.
A fire started in the center of #Sevastopol - local media.
— NEXTA (@nexta_tv) September 17, 2023
Earlier it was reported about explosions in the city. pic.twitter.com/ZRw54yFnKJ
Moskau tue genau dasselbe mit seinen Angriffen auf die kritische Infrastruktur der Ukraine, erklärte der österreichische Oberst Markus Reisner dem Nachrichtenportal t-online. Reisner, der Soldat beim österreichischen Bundesheer ist, erwartet weitere Attacken beider Seiten mit Drohnen. Und zwar noch mehr als bisher. Denn: Bald beginnt die als „Rasputiza“ bekannte Schlammperiode. Wegen starker Regenfälle werden Straßen und Gelände abseits der Regionalstraßen dann kaum noch befahrbar sein.
Ukraine-Offensive: Viele Drohnen-Angriffe auf die durch Russland annektierte Krim
Das dürfte die ukrainische Offensive verlangsamen, die derzeit bei Robotyne im Süden Schritt für Schritt vorankommt. Ziel ist, zum etwa 100 Kilometer entfernten Asowschen Meer vorzustoßen und damit die Landverbindung zur Krim abzuschneiden oder zumindest so weit vorzurücken, dass die Halbinsel in Reichweite der ukrainischen Artillerie gerät. Aber: Schwere Panzer drohen ab Herbst schlichtweg, im Schlamm stecken zu bleiben. Entsprechend steigt die Bedeutung der Drohnen und der Marschflugkörper noch mehr. Gerade im Kampf um die symbolisch so bedeutsame Krim, die Kreml-Machthaber Wladimir Putin 2014 völkerrechtswidrig annektieren ließ, nachdem sie seit Ende der 1950er Jahre unter ukrainischer Verwaltung gestanden hatte.
Erst kürzlich wurde eine in Sewastopol liegende Werft attackiert. Dabei wurden angeblich zwei Kriegsschiffe getroffen. Wie das russische Verteidigungsministerium erklärte, hätten „zwei sich in Reparatur befindliche Schiffe von gegnerischen Marschflugkörpern Schaden erlitten“. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll es sich bei den beschädigten Schiffen um ein U-Boot sowie ein großes Ladungsschiff gehandelt haben. Nach dem Angriff soll ein großes Feuer in der Werft ausgebrochen sein. Michail Raswoschajew, der von Russland eingesetzte Gouverneur der Stadt, hatte dazu Bilder auf Telegram veröffentlicht.
Mitte August sollen die ukrainischen Streitkräfte die Truppen Moskaus auf der Halbinsel mit einer regelrechten Drohnen-Welle überzogen haben. So wurde wohl unter anderem erneut die Krim-Brücke von einer Rakete getroffen. Laut dem russischen Verteidigungsministerium handelte es sich um eine modifizierte S-200-Flugabwehrrakete, die abgeschossen worden sein soll. So die Version des Kreml. Auf Fotos war allerdings zu sehen, wie eine große Rauchsäule von der Krim-Brücke aufstieg. Immer wieder wird auch die Brücke bei Tschonhar angegriffen, um der russischen Armee einen möglichen Rückzug zu erschweren.
Ukraine-Offensive: Drohnen-Angriff trifft russisches S-400-Triumf-System
Die ukrainische Zeitung Kyiv Post hatte zudem am Freitag (15. September) unter Berufung auf den ukrainischen Geheimdienst (SBU) berichtet, dass bei einem Drohnen- und Raketenangriff am Donnerstagmorgen in der Nähe der Stadt Jewpatorija im Westen der annektierten Halbinsel ein russisches S-400-Triumf-System abgeschossen worden sei. (pm)
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