Signal-Gate: Trump-Team streut Falschbehauptungen zur Ablenkung
VonGregor-José Moser
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US-Präsident Trump und sein Team verbreiten in der Signal-Affäre eine Verschwörungserzählung. Damit versuchen sie, vom eigenen Versagen abzulenken.
Washington, D.C. – Nach Bekanntwerden einer Sicherheitspanne in der Kommunikation des Weißen Hauses ist die Strategie der Regierung von US-Präsident Donald Trump klar: keine Fehler eingestehen, sondern zum Gegenangriff übergehen. Auf der Plattform X, von Trump-Freund- und Berater Elon Musk, hat der Präsident eine Behauptung eines Nutzers über einen angeblichen „Signal-Skandal“ geteilt.
„Katherine Maher, die linke CEO von National Public Radio, ist derzeit Vorstandsvorsitzende von Signal!“, schrieb ein Account namens Publius. Und weiter in Großbuchstaben: „WIE STEHEN DIE WAHRSCHEINLICHKEITEN?“ Trump kommentierte den Beitrag, den er teilte, nicht weiter. Was der Präsident damit andeuten möchte, ist jedoch ziemlich offensichtlich – zumal die Trump-Regierung ihre Kritiker immer wieder als „radikale Linke“ zu verunglimpfen versucht. Auch, um vom eigenen Versagen abzulenken.
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Trump und Waltz diffamieren Managerin Maher und den Journalisten Goldberg
Eine größer angelegte Verschwörungserzählung gibt es bislang nicht. Die Trump-Regierung beschränkt sich darauf, auf Mahers Vorsitz im Aufsichtsrat des Messengerdienstes Signal hinzuweisen. Maher, so der angedeutete Vorwurf, könnte etwas damit zu tun haben, dass der TheAtlantic-Chefredakteur Jeffrey Goldberg in eine Signal-Gruppe von US-Regierungsvertretern eingeladen wurde. Das ist völlig an den Haaren herbeigezogen – und es ist fraglich, ob dieses Vorgehen dazu beiträgt, die Signal-Affäre abzumildern.
Es war Trumps nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz, der Goldberg in die Gruppe eingeladen hatte. Waltz gab in einem Interview mit Fox News an, Goldberg mit jemanden verwechselt zu haben – mutmaßlich mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer, der ebenfalls die Initialen J. G. trägt. Waltz behauptete zudem, dass sich Goldberg als jemand anderes ausgegeben haben könnte, wofür es jedoch keinerlei Belege gibt.
J.D. Vance (Mitte) und Michael Waltz (rechts) lachen, als US-Präsident Donald Trump am 13. März 2025 im Oval Office des Weißen Hauses in Washington, DC, spricht.
Pentagon warnte vor Signal – Fehler liegt jedoch bei Trumps Regierungsvertretern
Am Wochenende hatte Trump gegenüber NBC zugegeben, „keine Ahnung“ von dem Messenger Signal zu haben. Und es sei ihm auch egal. Die Signal-Affäre bezeichnete er als Hexenjagd und verleumdete zum wiederholten Male die Presse.
Wenige Tage nach Aufnahme Goldbergs in den Signal-Chat gab das Pentagon eine Warnung davor heraus, Signal für die Diskussion nicht-öffentlicher Informationen zu nutzen – was geheime Angriffspläne auf die Huthi-Miliz, die Vizepräsident J. D. Vance und Sicherheitsberater Waltz in der Gruppe besprochen hatten – zweifellos einschließt. Zudem hatte das Pentagon bereits 2023 eine ähnliche Warnung herausgegeben, wie das Nachrichtenportal Daily Beast schreibt.
Die Messenger-App Signal hat mittlerweile klargestellt, dass die vom Pentagon erwähnten „Schwachstellen“ nicht in der App selbst, sondern in Phishing-Angriffen auf die Nutzer liegen. Klar ist jedoch, dass die Sicherheitspanne auf das menschliche Versagen von Waltz zurückzuführen ist und nicht auf einen Fehler des Messengerdienstes, der Managerin Maher oder des Journalisten Goldberg. Zudem darf angezweifelt werden, ob eine private Messenger-App der richtige Ort für geheime Angriffspläne ist. (grmo)