Münchner-Merkur-Gespräch

„So kann es nicht sein“: Estlands Verteidigungsminister nennt Voraussetzung für Ukraine-Friedensgespräche

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Die USA hatten den Druck im Ukraine-Krieg erhöht – auf Kiew, nicht auf Russland. Estlands Verteidigungsminister erklärt uns seine Sicht der Dinge.

Vilnius – Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur sieht die Ukraine und Europa angesichts der Debatte über einen US-„Friedensplan“ im Ukraine-Krieg in einer „sehr entscheidenden Woche“. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media betonte der Amtskollege von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zugleich: „Das ist kein ‚Friedensplan’ – da sollten wir sehr klar sein. Das ist nur ein Vorschlag für Verhandlungen.“ Pevkur nannte mehrere aus seiner Sicht entscheidende Punkte für ernstzunehmende Friedens-Verhandlungen.

Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur (Archivbild).

Der Este forderte am Rande der German-Baltic Defence Industry Conference in Litauens Hauptstadt Vilnius unter anderem eine „ausgeglichene Ausgangsposition“ für mögliche Friedensgespräche. „Im ursprünglichen Vorschlag lag die ganze Last auf den Schultern der Ukraine, und Russland hatte praktisch kein Entgegenkommen zu leisten“, rügte Pevkur. „So kann es nicht sein.“ Europa habe der Ukraine nun geholfen, den „Vorschlag“ aus Donald Trumps USA umzuformen. Nötig sei aber auch ein „sehr klarer Plan“ für tatsächliche Friedensgespräche.

Trumps „Friedensplan” für die Ukraine: „Diese Woche ist sehr, sehr entscheidend“

So müsse man wissen, „wer eine Einigung am Ende unterzeichnen wird“ – etwa, ob das auch die USA und die EU sein werden. „Die Entscheidungen der EU müssen der EU obliegen und die Entscheidungen der NATO der NATO“, betonte Pevkur mit Blick auf den im ursprünglichen Papier enthaltenen Ausschluss einer NATO-Beitrittsperspektive für die Ukraine. 

Pevkur forderte, Europa müsse deutlich machen, dass der Startpunkt für Friedensverhandlungen ein Waffenstillstand sei – gegebenenfalls auch ein „vorläufiger Waffenstillstand in Bezug auf die Energieinfrastruktur“. 

Ukraine-Verhandlungen in Washington: Trump-Gipfel mit Merz und Co. in Bildern

Wolodymyr Selenskyj ist zurück im Weißen Haus.
Wolodymyr Selenskyj ist zurück im Weißen Haus. Auf Einladung Donald Trumps verhandelt der ukrainische Präsident dort über einen möglichen Frieden im Krieg mit Russland. © afp
Gipfel im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg
Der Gipfel im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg wurde in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Noch vor wenigen Tagen war nichts über ein Treffen Trumps mit Selenskyj bekannt gewesen. © imago
Trump und Putin in Alaska
Dem Treffen Trumps mit Selenskyj ging der historische Gipfel des US-Präsidenten mit Russlands Machthaber Wladimir Putin in Alaska zuvor. Die beiden Staatsoberhäupter berieten im nördlichsten US-Bundesstaat über den Ukraine-Krieg und einen möglichen Frieden. © afp
Ukraine Gipfel in Washington
Die Erwartungen an den Ukraine-Gipfel sind so hoch wie die Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wird. Ursache sind unter anderem Selenskyjs letzter Besuch im Weißen Haus und die Dynamik, die seit Trumps Treffen mit Putin in die Ukraine-Verhandlungen gekommen zu sein scheint. © dpa
Selenskyj bei Trump
Im Gegensatz zum letzten Treffen Trumps mit Selenskyj im Weißen Haus war die Atmosphäre diesmal deutlich besser. Endete der letzte Auftritt noch im hitzigen Wortgefecht und im diplomatischen Debakel, waren beide diesmal um eine freundliche Beziehung bemüht. © afp
Selensky und Trump im Oval Office
Brian Glenn, Journalist beim rechtsextremen Sender Real America, hatte Wolodymyr Selenskyj beim letzten Besuch noch für seine Kleidung kritisiert. Der ukrainische Präsident erschien damals in einem Millitär-Pullover. Diesmal trug Selenskyj Anzug und Hemd. „Sie sehen in diesem Anzug fantastisch aus“, kommentierte Glenn Selenskyjs Outfit. Mit seiner Antwort hatte der ukrainische Präsident die Lacher auf seiner Seite. „Sie tragen denselben Anzug. Ich habe mich umgezogen, Sie offenbar nicht“, so Selenskyj. © afp
Vance im Oval Office
Am Treffen mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office nahmen neben Trump US-Außenminister Marco Rubio (r.) und Vizepräsident JD Vance teil. Der hatte den ukrainischen Präsidenten beim letzten Besuch im Weißen Haus noch attackiert und ihm Undankbarkeit vorgeworfen. © afp
Pete Hegseth
Ein weiterer Vertreter der Regierung Trumps beim Besuch Wolodymyr Selenskyjs: Verteidigungsminister Pete Hegseth. © imago
Limousine von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Weißen Haus
Nicht nur Wolodymyr Selenskyj reiste spontan nach Washington, DC. Unterstützung erhielt er beim Treffen mit Donald Trump von einer großen Delegation aus Europa. Hier kommt die Limousine von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Weißen Haus an. © imago
Meloni bei Trump
Meloni gilt als politische Verbündete Donald Trumps. Wie der Rechtspopulist in den USA setzt Italiens Ministerpräsidentin und Chefin der rechtsextremen Partei „Fratelli d‘Italia“ auf harte Abschiebepolitik und geschlossene Grenzen. In Sachen Ukraine-Krieg steht Meloni aber fest an der Seite Selenskyjs und ihrer europäischen Begleiter. © afp
Emmanuel Macron in Washington
Donald Trumps Protokollchefin Monica Crowley begrüßt Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron an der Tür des Weißen Hauses. Diese Rolle hat in der Vergangenheit bei solchen Besuchen Melania Trump übernommen. Von der First Lady war beim heutigen Ukraine-Gipfel aber zunächst nichts zu sehen. © afp
Ukraine-Treffen in Washington
Hier begrüßt Crowley Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Weißen Haus. © dpa
Alexander Stubb in Washington
Der wohl überraschendste Name auf der Liste der europäischen Delegation bei Trumps Gipfel gehört wohl Alexander Stubb. Finnlands Präsident dürfte aber eine Schlüsselrolle beim Versuch zukommen, Trump von Europas Position im Ukraine-Krieg zu überzeugen. Sein Land teilt sich mehr als 1.300 Kilometer Landgrenze mit Russland. Stubb dürfte die Aufgabe zukommen, Trump davon zu überzeugen, dass bei den Verhandlungen mit Russland nicht nur die Zukunft der Ukraine, sondern die Sicherheit Europas auf dem Spiel steht. © afp
Merz bei Trump
Mit von der Partie in Washington, DC ist Friedrich Merz. Dem Bundeskanzler wurde nach seinem letzten Besuch bei Donald Trump ein guter Auftritt attestiert. Diesmal will der CDU-Chef Wolodymyr Selenskyj bei seinen Verhandlungen über Frieden im Ukrainekrieg unterstützen. © afp
Merz bei Trump in Washington
Gegenüber der ARD bezeichnete Merz, hier bei der Ankunft am Weißen Haus, die Entwicklungen nach dem Treffen Trumps und Putins als „Licht und Schatten“. Der Bundeskanzler übte geschickt verpackte Kritik am US-Präsidenten. „Die Presse in Russland jubelt. Ein bisschen weniger wäre auch gut gewesen“, so der CDU-Chef in der Tagesschau. © afp
Ukraine Trump
In ähnlicher Besetzung hatte eine Delegation aus Europa in Sachen Ukraine-Krieg schon einmal Kontakt zu Donald Trump aufgenommen. Damals waren Keir Starmer, Emmanuel Macron, Polens Ministerpräsident Donald Tusk und Friedrich Merz in die Ukraine gefahren. Gemeinsam mit Wolodymyr Selenskyj berieten sie telefonisch mit Trump © imago
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer scheint frohen Mutes, als er zum Ukraine-Gipfel bei Donald Trump eintrifft. © dpa
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg
Die Europäische Union (EU) vertritt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg in Washington, DC. Von der Leyens letzter Besuch bei Trump endete mit einem Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. © dpa
Von der Leyen und Selenskyj
Kurz vor dem Ukraine-Gipfel mit Trump in Washington, DC empfing Ursula von der Leyen Wolodymyr Selenskyj in Brüssel. Dort beriet die EU-Kommissionspräsidentin sicherlich auch das gemeinsame Vorgehen mit dem Präsidenten der Ukraine. © imago
Ukraine Gipfel in Washigton
Die große Runde in Washington, DC zum Ukraine-Gipfel versammelt: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der britische Premier Keir Starmer, die Präsidenten Alexander Stubb (Finnland), Wolodymyr Selenskyj (Ukraine), Donald Trump (USA), Emmanuel Macron (Frankreich) stellen sich mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz und Nato-Generalsekretär Mark Rutte (v.l.n.r.) zum Gruppenbild auf. © afp
Macron und Trump in Washington
Bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz verteilte Donald Trump Komplimente in alle Richtungen. Sein Treffen mit Wolodymyr Selenskyj sei wunderbar gewesen. Friedrich Merz als Freund zu haben, sei eine „große Ehre“ für ihn, so der US-Präsident. Über Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (im Bild) sagte Trump: „Ich mag ihn seit dem ersten Tag. Und ich mag ihn immer noch. Das ist ungewöhnlich.“ © afp
Meloni bei Trump in Washington
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte Donald Trump „eine großartige Führungspersönlichkeit, die viele inspiriert“. Sie habe „trotz ihres jungen Alters schon viel erreicht“, so Trump über die Rechtspopulistin. „Sie regiert auch schon eine ganze Zeit lang. Andere haben nicht so lange durchgehalten wie sie“, scherzte der US-Präsident über seine Kollegin aus Italien, das berühmt ist für seine häufigen Regierungswechsel. © afp
Vance und Starmer
JD Vance im Gespräch mit dem britischen Premier Keir Starmer. Der Vizepräsident war erst vor kurzem zum Urlaub auf den britischen Inseln. Sein Besuch im südenglischen Cotswolds löste Protest der heimischen Bevölkerung aus. © afp
Merz nach Treffen mit Trump
Nach dem ersten Gespräch mit Donald Trump beim spontanen Ukraine-Gipfel im Weißen Haus zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz sich optimistisch. Der Weg sei „offen für komplizierte Verhandlungen“. Vom US-Präsidenten forderte Merz, den Druck auf Wladimir Putin zu erhöhen. Der Kanzler wiederholte außerdem die Forderung der europäischen Vertreter nach einer Waffenruhe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein weiteres Treffen ohne eine Waffenruhe stattfinden kann“, stellte Merz klar. © dpa
Selenskyj und Trump nach Treffen im Weißen Haus
Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den vorangegangenen Austausch mit Donald Trump als „sehr gute Unterhaltung“. Man habe über „viele sensible Dinge“ gesprochen, so der ukrainische Präsident. Trump wiederum kündigte bereits ein Dreiertreffen zwischen ihm, Selenskyj und Russlands Präsidenten Wladimir Putin an. Die Frage sei „nicht, ob, sondern wann“ ein solcher Gipfel stattfinden würde. © afp

Dabei handelt es sich um eine wiederholt vorgebrachte Forderung von Ukraine und Europäern, die Russland allerdings stets ablehnte. Vor dem nahenden Winter hat Wladimir Putins Armee wieder die Energieinfrastruktur der Ukraine ins Visier genommen – die Folgen in Form von Kälte und Dunkelheit sind ein drastisches Problem für viele Menschen in der Ukraine.

„Diese Woche ist sehr, sehr entscheidend“, sagte Pevkur unserer Redaktion: „Uns ist allen klar, dass die Ukraine eine bessere und gleichberechtigtere Ausgangsposition für die Friedensgespräche braucht.“ Aktuell gehe es allerdings allein um „Vorbereitungen“, denn Friedensgespräche könnten nicht zwischen der Ukraine und den USA stattfinden, „sie müssen zwischen der Ukraine und Russland stattfinden“.

Estlands Verteidigungsminister zum US-Ukraine-Plan: „Wir brauchen die Amerikaner an Bord“

Die Vereinigten Staaten seien aber ein entscheidender Faktor, so Pevkur. Ohne sie werde ein Friede nicht möglich sein, urteilte er. „Wir brauchen die Amerikaner an Bord, auch für die Sicherheitsgarantien. Dann werden wir sehen, was am Ende herauskommt.“

Der estnische Verteidigungsminister forderte die Europäer zugleich auf, die Hilfen für die Ukraine unvermindert fortzusetzen. „Unabhängig vom Verlauf dieser Verhandlungen sind die Kämpfe immer noch sehr intensiv. Wir müssen den Ukrainern so viel wie möglich geben, damit sie standhalten können.“

Ein Lob für Deutschland in der aktuellen Debatte überbrachte Litauens Außenminister Kestutis Budrys. Deutschland habe rund um den Vorstoß aus Trumps USA eine „sehr starke Position“ gezeigt. Auch das verdeutliche, dass die Bundesrepublik über die letzten Jahre ihre Haltung verändert habe. „Wir begrüßen das!“, unterstrich Budrys in seiner Rede auf der Konferenz. Die German-Baltic Defence Industry Conference wird von der Deutsch-Baltischen Handelskammer unter anderem mit Unterstützung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung veranstaltet. (Aus Vilnius berichtet Florian Naumann)

Rubriklistenbild: © Alexander Welscher/dpa/picture alliance

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