Gemeinsam mit Ricarda Lang

So tickt Omid Nouripour, Politiker von Bündnis 90/Die Grünen

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Omid Nouripour

Im Alter von 13 Jahren brachten Nouripours Eltern ihn aus dem Iran nach Deutschland, um dem Golfkrieg zu entgehen. Heute ist er erfolgreicher Politiker.

Frankfurt – Als seine Eltern im Jahr 1988 aus dem Iran nach Frankfurt zogen, um ihren Sohn Omid vor einem Einsatz im schwelenden Golfkrieg zu schützen, hatten sie wohl nicht damit gerechnet, dass er viele Jahre später der Bundesvorsitzende einer der größten deutschen Parteien werden sollte. Gemeinsam mit Ricarda Lang war er 2022 an die Spitze von Bündnis 90/Die Grünen gewählt worden. Im September 2024 kündigte der gesamte Parteivorstand, einschließlich Nouripour, seinen Rücktritt an.

NameOmid Nouripour
Geboren18. Juni 1975
GeburtsortTeheran
ParteiBündnis 90/Die Grünen
AmtMitglied des Deutschen Bundestages seit 2021

Omid Nouripour: Herkunft, Jugend und Privatleben

Der Sohn iranischer Einwanderer wurde im Jahr 1975 in Teheran geboren. Er wuchs im Iran auf und besuchte die Schule bis ins Jugendalter. Damals schwelte in der Region der Erste Golfkrieg und Nouripours Eltern musste eine schwere Entscheidung treffen. Die Regelung im Land besagt damals, dass Kinder über 14 Jahren nicht mehr ausreisen durften, da sie für den Dienst in der Armee in Frage kommen würden. Zudem war die Familie bereits im Visier des damaligen Regimes. Sein Onkel war hingerichtet und seine Schwester verhaftet worden.

Seine Eltern waren gut ausgebildete Fachkräfte und hatten bereits viele Jahre vorher eine Wohnung in Frankfurt erworben. Im Jahr 1988, Omid Nouripour war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt, setzten die Eltern ihren Plan um und reisten nach Deutschland, um ihren Sohn vor einem Einsatz im Golfkrieg zu schützen. In Frankfurt besuchte Nouripour das Gymnasium. Er hatte bereits im Iran damit begonnen Deutsch zu lernen, sodass es ihm gelang im Jahr 1996 sein Abitur abzulegen. Nach bestandenem Schulabschluss strebte er ein Studium im Fachbereich Deutsche Philologie an. Im Nebenfach studierte er Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft. Ein Jahr später ergänzte er diese Fächer um Soziologie, Philosophie und Volkswirtschaftslehre. Nach 6 Jahren im Studium brach er alle Studiengänge ab, um sich in Vollzeit politisch zu engagieren. Es folgte eine Karriere in der Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Heute lebt Omid Nouripour mit seiner Familie in Frankfurt und hat einen Sohn. Er ist Anhänger des Fußballvereines Eintracht Frankfurt und hat mit weiteren Abgeordneten und Mitarbeitern sogar einen Fanclub im Bundestag gegründet. Er hat eine doppelte Staatsbürgerschaft im Iran und Deutschland.

Nouripours Karriere bei den Grünen

Sein Parteibeitritt erfolgte im gleichen Jahr wie sein Studienbeginn. Im Jahr 1996 trat er in Frankfurt der Partei bei. Zuvor wäre für ihn auch ein Beitritt bei der sozialdemokratischen SPD in Frage gekommen, jedoch fühlte er sich bei Bündnis 90/Die Grünen besser aufgehoben und willkommen. Sein wachsendes innerparteiliches Engagement war sicher auch ein Grund für den Abbruch seines Studiums. Von 1999 bis 2003 war er Vorsitzender des hessischen Landesverbands der Jugendorganisation der Grünen – Grüne Jugend. Außerdem war er im Landesvorstand der Partei aktiv. Von Beginn an engagierte er sich in Arbeitsgruppen und Vereinen für Migranten.

Mit seiner ersten Rolle im Bundesvorstand wurde Nouripour im Jahr 2002 betraut. In diesem Jahr wurde er von der Bundesdelegiertenkonferenz erstmals als Beisitzer gewählt. Bis zu seinem Einzug in den Deutschen Bundestag im Jahr 2006 übte er dieses Amt aus. Seine erste Kandidatur für den Bundestag war auf Anhieb erfolgreich, sodass er über die Landesliste seines Bundeslands Hessen in das höchste deutsche Parlament einziehen konnte. Seitdem konnte er seinen Wahlerfolg bei jeder folgenden Wahl wiederholen, sodass er sich mittlerweile in seiner fünften Wahlperiode befindet. Bei der letzten Wahl konnte er gar das Direktmandat in seinem Wahlkreis Frankfurt II erringen.

Als Abgeordneter war Omid Nouripour hauptsächlich Mitglied in Ausschüssen zur Außen- und Verteidigungspolitik. Für die Fraktion der Grünen im Bundestag ist er außenpolitischer Sprecher. In den Jahren 2011 bis 2015 war er Vorsitzender des Kreisverbands Frankfurt/Main der Grünen. Seit Februar 2022 war er einer der beiden Bundesvorsitzenden seiner Partei. Gemeinsam mit Ricarda Lang leitete er die Geschäfte der Partei auf Bundesebene. Im September 2024 gab der Bundesvorstand der Grünen seinen Rücktritt bekannt.

Politische Positionen

Die Interessen von Omid Nouripour gelten als außenpolitischer Sprecher vor allem der Außenpolitik. Dementsprechend gibt es in diesem Ressort die meisten öffentlichen Positionen von ihm. Die wichtigsten sind:

Position zu Israel: Nouripour war lange Mitglied der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft. Diese setzt sich aktiv für einen Staat Palästina ein und unterstützt die Aktionen der Kampagne ‚Boycott, Divestment and Sanctions‘. In der Vergangenheit setzte sich Nouripour unter anderem dafür ein, dass es für Konsumenten ersichtlich sein solle, ob ein Produkt aus Israel, oder der palästinischen Westbank stammt. Dafür reichte er im Bundestag eine sogenannte kleine Anfrage ein. Von den Aktionen der ‚BDS‘-Kampagne distanzierte er sich jedoch im Jahr 2019, da diese „nichts mehr mit Kritik an der israelischen Politik zu tun haben“.

Position zum Iran: Er gab an, dass er seine iranische Staatsbürgerschaft aufgeben würde, wenn dies möglich wäre. Im Falle des Irans sei dies jedoch de-facto nicht umsetzbar. Nouripour beschäftigt sich noch immer mit der Politik seines Geburtslandes und lud beispielsweise im Jahr 2020 den „Rat zur Regulierung des Übergangs“ in den Bundestag ein. Deren Ziel ist ein Übergang des Irans in eine echte Demokratie und wird geleitet von Oppositionellen aus dem Ausland.

Position zu Ukraine: Bereits 2014 im Zuge der Annexion der Krim durch Russland plädierte Omid Nouripour für härtere Sanktionen gegen Russland und einen EU-Beitritt der Ukraine. Er sitzt der Deutsch-Ukrainischen Parlamentariergruppe vor und kritisierte die Russland-Politik der SPD.

Sonstige bekannte Positionen:

  • Zu den Hartz-IV Gesetzen sagte er, dass die „Absicht an sich nicht falsch“ war, es jedoch an der falschen Umsetzung gescheitert sei.
  • Nouripour sprach sich für Luftschläge gegen den Islamischen Staat aus.

Omid Nouripour: Autorentätigkeit

Neben seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter hat Nouripour ebenfalls mehrere Bücher veröffentlicht, die sich mit Migration und radikalem Islam beschäftigen.

In seinem Buch ‚Kleines Lexikon für MiMiMis und Bio-Deutsche‘ beschäftigt er sich mit kuriosen Begriffen, die im Dunstkreis von Einwanderungspolitik und Migration auftreten. Er beleuchtet, wie irreführend einige Begriffe sind und wie rechte Gruppen abstrakte Begriffe nutzen, um Migranten zu diskreditieren. So erklärt er im Buch Beispielsweise, dass das Wort „Pass-Deutsche“ keinesfalls etwas mit Fußball zu tun hat, sondern von der NPD genutzt wird um eingebürgerte Migranten wie ihn selbst nach dem „Blutsprinzip“ zu unterscheiden. Es geht dabei darum Menschen mit Migrationshintergrund abzuwerten und ihnen eine Zugehörigkeit zur Gesellschaft abzusprechen.

Nouripour hat 2 weitere Bücher veröffentlicht. Seine Einnahmen aus den Buchveröffentlichungen sind öffentlich einsehbar und belaufen sich auf jeweils zwischen 3500€ und 7000€.

Nouripours Vereine

Omid Nouripour ist Mitglied und Vorsitzender bei mehreren Vereinen. Einige davon mit politischem Hintergrund und einer ganz bewusst ohne. Mit einigen weiteren Bundestagsabgeordneten gründete Nouripour im Jahr 2012 den EFC bundesAdler. Der Verein ist ein Fanclub für den Fußballverein Eintracht Frankfurt. Mittlerweile gehören über

60 Mitglieder dem Verein an, der sich ausschließlich an Angehörige des politischen Umfeldes in Berlin richtet. Sowohl Mitarbeiter als auch Abgeordnete verschiedener Parteien sollen im Verein Parteipolitik vergessen und sich für die gemeinsame Liebe zum Kultverein aus Frankfurt zusammentun. Mehrmals im Jahr kommen die Mitglieder zusammen, um gemeinsam Spiele im Stadion oder im Fernsehen anzusehen. Nicht ohne Grund heißt es auf der Homepage von Omid Nouripour zuallererst „Für Frieden und Eintracht international“.

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