Werner-Holzer-Preis 2025 an vier Auslands-Journalistinnen – Pistorius mahnt: „Das macht es so wichtig“
VonFlorian Naumann
schließen
Vier Journalistinnen erhalten in diesem Jahr den Werner-Holzer-Preis. Bei der Verleihung warnen Boris Pistorius und Michel Friedman eindringlich vor Gefahren.
Frankfurt – Der Werner-Holz-Preis für herausragende Leistungen im Auslandsjournalismus ist in diesem Jahr an vier Journalistinnen vergeben worden: Den ersten Preis erhielt am Freitagabend im Frankfurter Römer Juliane Schäuble, USA-Korrespondentin der Zeit. Der Preis trägt den Namen des früheren Frankfurter Rundschau-Chefredakteurs und langjährigen Auslandskorrespondenten Werner Holzer, er ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. Ippen.Media ist Medienpartner des Preises.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) beklagte in seiner Festrede zu viel „Schwarz-Weiß“ in der öffentlichen Debatte, „Grautöne, Zwischentöne, haben keine Konjunktur“, sagte er. Das habe auch Auswirkungen auf die Demokratie. Der Werner-Holzer-Preis erinnere daran, „dass Auslandsjournalismus mehr ist, als das Sammeln von Nachrichten in der Ferne. Er ist ein Fenster zur Welt.“ Die große Gefahr sei, desinteressiert und unempathisch auf diese Welt zu schauen – das erlebe man gerade „bei einem der großen Alliierten jenseits des Atlantiks“. Guter Journalismus schütze die Wahrheit vor der Macht: „Das macht ihn so wichtig.“
Werner-Holzer-Preis 2025: Pistorius und Friedman warnen vor Gefahren für Demokratie
Mit dem ersten Preis zeichnete die Jury des Werner-Holzer-Instituts Juliane Schäuble, USA-Korrespondentin der Zeit, aus. Einen gleichberechtigten zweiten Preis erhielten Susanne Koelbl, die für den Spiegel seit Langem aus Kriegs- und Krisengebieten und berichtet und Katharina Willinger, die für die ARD unter anderem in der Türkei und dem Iran arbeitet. Zudem ging ein Sonderpreis posthum an die Anfang 2025 verstorbene Welt-Korrespondentin Christine Kensche. Sie war Reporterin in Israel, befasste sich mit der Hamas und berichtete nach dem 7. Oktober über die Massaker an israelischen Zivilisten. Die Auszeichnung nahmen ihre Eltern entgegen.
Werner-Holzer-Preis 2025 – die Fotos von der Preisverleihung in Frankfurt
Michel Friedman, prominenter Publizist und Vorstandsvorsitzender des Werner-Holzer-Instituts, betonte in seinem Grußwort: „In einer Zeit, in der die Demokratie so angegriffen wird, brauchen wir internationale und nationale Informationen von hochprofessionell arbeitenden Journalisten und Journalistinnen.“ Friedman warnte, „die nächsten Jahre sind entscheidend“; die Demokratie stehe etwa durch Informations-Manipulationen und Erziehung zur Unmündigkeit durch Autokraten unter Druck. „Hilflos sind wir aber nicht“: „Ich will eine freie Presse, ich will informiert werden, ich will, dass meine Kinder das haben“, sagte er. „All das wollen wir und all das können wir nur, wenn Sie uns die Berichte geben.“
Der Werner-Holzer-Preis wurde 2022 von der Familie des verstorbenen Journalisten Werner Holzer (1926-2016) ins Leben gerufen. Werner Holzer war von 1973 bis 1991 Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und zuvor langjähriger Auslandskorrespondent. Der Werner-Holzer-Preis ehrt außergewöhnliche Leistungen im Auslandsjournalismus. Die Jury unter dem Vorsitz von Thomas Kaspar besteht aus den Journalistinnen Dr. Melanie Amann, Antje Pieper und Jennifer Wilton. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Werner-Holzer-Instituts. (fn)