Grüne Pläne

Werbeverbot für Schoko-Osterhasen? Söder-Reaktion sorgt für Wirbel: „Sie haben es nicht verstanden“

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Wird Werbung für Schoko-Hasen bald verboten? Eine Reaktion von Markus Söder auf diesen Grünen-Vorstoß löst Diskussionen aus. (Collage mit Symbolbildern)
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Grünen-Minister Cem Özdemir will an Kinder gerichtete Werbung für Süßigkeiten verbieten. Markus Söder protestiert via Twitter. Und sorgt damit für Diskussionen.

München – Schoko-Hase oder nicht – das ist hier die Frage. Zumindest, wenn es nach Markus Söder geht. Der bayerische Ministerpräsident hat via Twitter auf Pläne von Grünen-Minister Cem Özdemir reagiert und damit Diskussionen ausgelöst.

Der Hintergrund: Süßigkeiten-Spots zwischen Trickfilmen, Chips-Reklame im Internet und beim TV-Länderspiel. An Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit zu viel Zucker, Fett und Salz soll nach Plänen von Bundesernährungsminister Cem Özdemir per Gesetz eingedämmt werden. Mit Blick auf Unter-14-Jährige sollen dafür Werbeverbote in „allen für Kinder relevanten Medien“ kommen – und zwar nicht nur für reine Kindersendungen, sondern von 6.00 Uhr bis in den späten Abend um 23.00 Uhr.

Grüne planen Werbeverbote für ungesunde Kinder-Lebensmittel

Das Ziel sei, dass Kinder gesünder aufwachsen. Özdemir sagte, bisherige freiwillige Selbstverpflichtungen hätten versagt. „Warum lassen wir es zu, dass Kinder im Schnitt täglich 15 Werbespots für Zuckerbomben, für salzige und fettige Snacks sehen?“ Kinder seien besonders empfänglich für Werbung, die sie oft auch nicht als solche erkennen könnten. Dabei seien 15 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen hierzulande übergewichtig, woraus ein erhöhtes Risiko für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen folgen könne. Und in der Kindheit festigten sich Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten. Gesundheits- und Verbraucherexperten begrüßten die Pläne. Aus der Wirtschaft, von der Opposition und auch von der mitregierenden FDP kam Kritik.

Diese Kritik griff jetzt die Bild-Zeitung in einem Artikel auf und stellte dabei ein mögliches Werbeverbot für Schoko-Osterhasen in den Fokus. In dem Artikel mahnt die Chefin des Werbewirtschafts-Verbands, Katja Heintschel von Heinegg: „Für viele Menschen gehören allerdings Süßigkeiten zu den Feiertagen“. Ohne die Werbung würde es „so gut wie keine neuen Produkte geben, die Vielfalt wird leiden“.

Der Kritik schloss sich nun am Karfreitag auch Markus Söder an.

Söder protestiert gegen Werbeverbot – und löst damit Welle der Gegenreaktionen aus

„Haben die Grünen keine anderen Sorgen?“, fragte er via Twitter und verlinkte besagten Bild-Artikel. „Ob Kinder Süßigkeiten bekommen, sollten die Eltern und nicht ein Grüner Minister entscheiden“, erklärte Söder weiter und schloss mit den Worten: „Ein Osterhase aus Schokolade ist halt besonders lecker“.

Mit seinem Beitrag löste Söder in der Twitter-Bubble große Diskussionen aus.

„Sie haben es nicht verstanden: Werbung entscheidet nicht übers ‚Bekommen‘, sondern übers ‚Wollen‘“ lautet etwa ein Kommentar. „Es wird doch nicht der Verkauf, sondern nur die Werbung verboten“, stellt ein anderer klar und meint: „Die Eltern können das dann viel besser entscheiden, wenn nicht ständig im Kinderfernsehen irgendeine Werbung läuft.“

Etliche Nutzer schlagen in ihren Reaktionen in dieselbe Kerbe: „Niemand verbietet Süßigkeiten. Es geht um Werbung, die an Kinder adressiert ist. Die Eltern können so frei entscheiden, wie bisher. Vielleicht freier, weil sie weniger von Kindern bedrängt werden.“

Eine Mutter erklärt diesbezüglich etwa: „Ein Verbot von Süßigkeiten-Werbung wäre ein Segen! Unser Sohn wird jetzt drei und wird ringsum mit Zucker-Werbung bombardiert. Brokkoli-Werbung ist vergleichsweise selten. Jetzt gehen Sie mal bitte mit ihm einkaufen“.

Sehr kritisch resümiert ein anderer Nutzer: „So wird aus einem Werbeverbot gleich mal ein Süßigkeitenverbot. Nach der Logik haben wir in unserem Land ja auch ein Tabakverbot.“

Werbeverbote für ungesunde Kinder-Lebensmittel: Teufel liegt wohl im Detail

Verbraucher- und Medizinverbände dringen schon seit längerem zum Handeln beim Marketing für Kinderprodukte. SPD, FDP und Grüne haben solche Werbebeschränkungen auch grundsätzlich im Koalitionsvertrag vereinbart. Nun legte Özdemir Punkte für einen Gesetzentwurf dazu vor, die zunächst in der Bundesregierung weiter abgestimmt werden sollen – und Tücken dürften dabei noch in einigen Details liegen.

Als Messlatte, ab wann Produkte „zu viel“ Salz, Fett und Zucker enthalten, sollen Nährwertprofile der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dienen, die auf Regulierungen für Kinder zielen. Dabei handelt es sich um Höchstwerte für mehrere Kategorien, die beispielsweise bei Frühstückscerealien wie Müslis nicht mehr als 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm vorsehen. Überschreiten Produkte die empfohlenen Profile, dürfen sie also nicht mehr für Kinder angepriesen werden. Nicht tabu sein soll laut Ministerium Werbung für Milch und normale Obstsäfte.

Die Werbeverbote sollen dann auf breiter Front greifen: In Presse, Radio und Fernsehen, im Internet samt Streaming, sozialen Netzwerken, für Influencerinnen und Influencer. Dass eine Werbung an Kinder gerichtet ist, lässt sich laut Ministerium etwa an Kindern als Darstellern und Produkten mit Farben und Kindermotiven festmachen. Im Fernsehen sind mit der langen Zeitspanne von 6.00 bis 23.00 Uhr auch Familienfilme oder Fußballspiele im Abendprogramm eingeschlossen. Vom Verbot umfasst sein sollen Spots für Salziges und Fettiges in der Halbzeit dann auch, wenn sie nicht mit Kinderoptik gestaltet sind.

In der Koalition gab es ein geteiltes Echo. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) unterstützte Özdemir. Oft beginne eine chronische Krankheit in der Kindheit, ungesunde Ernährung sei häufig der Anfang. SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch begrüßte den Gesetzesvorschlag. „Wir wollen Kinder besser vor Werbung schützen, damit ungesunde Lebensweisen gar nicht erst normalisiert werden.“ Grünen-Expertin Renate Künast wies auf hohe gesellschaftliche Kosten von Krankheiten hin. Die FDP meldete dagegen erhebliche Einwände an. Fachpolitiker Gero Hocker mahnte, ein Werbeverbot dürfe sich „nicht an willkürlich festgelegten Uhrzeiten orientieren, sondern muss am tatsächlichen Zuschaueranteil von Kindern festgemacht werden“. (rjs/dpa)

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