Urlaub für den Bundestag

Sommerpause für die Merz-Regierung – Wichtige Probleme bleiben liegen

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Der Bundestag geht am Freitag in die Sommerpause. Die Regierung muss sich nach dem Urlaub großen Herausforderungen stellen. Eine Bilanz.

Berlin – Es ächzt und kracht im Bundestag. Kurz vor der Sommerpause steht die Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU) vor einem Berg ungelöster Probleme. Trotzdem zeigt sich der Kanzler zuversichtlich, gemeinsam mit der SPD die Stimmung im Land wieder zu verbessern. Der Optimismus sei nahezu spürbar und die Stimmung im Land werde besser.

Verpatzte Richterwahl treibt SPD und CDU auseinander – Merz und Spahn kommen in Bedrängnis

Dabei scheint nicht einmal die Stimmung in der eigenen Koalition den Erwartungen zu entsprechen. Eigentlich wollten die Regierungsparteien zuletzt drei neue Verfassungsrichter ernennen, doch eine SPD-Kandidatin sorgte dann für den Eklat. Eine wohl von der politischen Rechten vorangetrieben Kampagne gegen die politischen Ansichten der Juristin – vor allem in Bezug auf die angebliche Befürwortung von Schwangerschaftsabbrüchen bis zum Zeitpunkt der Geburt und mittlerweile zurückgezogener Plagiatsvorwürfe – erreichte wohl auch Verantwortliche in der Union. Und so wurde die vormals bereits zugesicherte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf von CDU und CSU gekippt.

Der Koalitionspartner ist sauer, soviel steht fest. Nicht nur auf Merz, sondern auch auf seinen Fraktionschef Jens Spahn, der sich den Vorwurf gefallen lassen muss, seine Fraktion im Bundestag nicht beisammen halten zu können. Für den Kanzler bedeutet das nun, dass er den Streit mit den Sozialdemokraten beilegen und auf Personalvorschläge für die Besetzung der Verfassungsrichter abstimmen muss.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Merz muss nach der Sommerpause wieder ran – Nachholbedarf bei Sozialreformen und Sicherheitspolitik

Eine weitere Herkulesaufgabe wird die Reform der großen Sozialsysteme sein. Vor und nach der Bundestagswahl haben die Unionsparteien immer wieder vom Ende des Bürgergelds gesprochen. Die Leistungen für Bezieher sollen gekürzt, die Regeln verschärft werden. Auch ein neuer Name soll her: Die „Neue Grundsicherung“ soll laut Merz einen zweistelligen Milliardenbetrag einsparen.

Aber nicht nur beim Bürgergeld gibt es Nachholbedarf. Die Koalition will auch bei Gesundheit und Rente nachschärfen. Bei einem Renten-Vorhaben der rot-schwarzen Regierung warnen Experten aber jetzt schon vor einem Bürokratie-Monster.

Zu alledem gesellt sich noch das Vorhaben, Deutschlands Verteidigungsfähigkeit zu verbessern. Mehrfach hatte Merz verkündet, die Bundeswehr zur größten und besten Armee Europas heranzüchten zu wollen. Verteidigungsminister Boris Pistorius plant dazu eine Ausweitung der Truppengröße auf 260.000 aktive Soldaten. Zum Vergleich: Aktuell gibt die Bundeswehr 182.000 Personen in Uniform an. Die Frage bleibt, ob die Ausweitung über die zunächst geplante Freiwilligkeit erreicht werden kann. Sollte dem nicht so sein, steht die Union-SPD-Koalition vor der nächsten Grundsatzentscheidung. Nämlich, ob die Wehrpflicht in alter Form reaktiviert werden muss. Die Union ist dafür – die SPD hat sich auf ihrem Parteitag mehrheitlich dagegen ausgesprochen.

Zwischenbilanz nach zwei Monaten Merz-Regierung: Gute Stimmung? Eher nicht!

Vor seiner Wahl zum Bundeskanzler im zweiten Wahlgang, hatte Friedrich Merz noch erklärt, dass es wichtig sei, die Stimmung in Deutschland „bis zum Sommer“ zu verbessern. Gelungen ist ihm das nicht. Eine YouGov-Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergab, dass lediglich 22 Prozent der 2.200 Befragten einen Wandel zum Besseren beobachten würden, seit die neue Koalition die Geschäfte übernommen hat. 32 Prozent sehen Deutschland dagegen auf dem absteigenden Ast – und für 37 Prozent hat sich an der Situation in der Bundesrepublik nichts verändert.

Merz entlässt den Bundestag am Freitag in die Sommerpause. Die Stimmung im Land konnte er bislang noch nicht verbessern. (Archivbild)

Eine weitere Erhebung des Instituts Forsa im Auftrag von RTL und ntv bestätigt die mäßige Begeisterung für das schwarz-rote Regierungsbündnis. In Schulnoten ausgedrückt geben die Befragten der Merz-Regierung eine glatte 4,0. Und damit ist die Nachfolge-Regierung nur geringfügig besser, als die gescheiterte Ampel-Koalition unter Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Die sei damals auf die Note 4,2 gekommen.

CDU und SPD stehen nach der Sommerpause vor großen Herausforderungen

Wie also umgehen mit der Situation in Deutschland? Meinungsforscher Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen schlägt vor, dass „glaubwürdige Ankündigungen von Maßnahmen“ schon reichen könnten, die Stimmung zu verbessern. „Grundsätzlich können sich Stimmungen sehr schnell verbessern - oder auch verschlechtern“, so Jung.

Dazu müsse die Koalition aber eine funktionierende Zusammenarbeit demonstrieren. „Wenn die Regierung es nicht schafft, sich zusammenzuraufen, kooperierend, an der Sache orientiert, dann wird sie keine Stimmungsverbesserung herbeiführen können.“ Weil vor allem das Thema Wirtschaft weiter als Top-Thema in der Bevölkerung gehandelt werde, könne gerade die Union punkten.

Der Kanzler zeigt sich auch trotz der kränkelnden Zustimmung optimistisch. „Die Probleme in unserem Land lassen sich nur miteinander lösen – Bund und Länder gemeinsam“, beschwor er in einem Beitrag auf X die Einigkeit im Land. Alle Vorhaben des ersten Halbjahres – „Investition, Migration, Forschungsförderung, Steuerrecht“ – seien umgesetzt worden. Als Regierung habe man gezeigt, wie man Herausforderungen in Deutschland angehen müsse. (nhi mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

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