Nur „freundliche Gespräche“?

Spahn setzt auf Beichtstuhlverfahren: Renten-Rebellen der JU beklagen Drohungen mit harten Konsequenzen

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Im Renten-Streit drängt die Zeit. Spahn soll den Druck erhöhen: Junge Abgeordnete sprechen von Einschüchterungsversuchen, die Fraktionsführung von „freundlichen Gesprächen“.

Berlin – Im Ringen um eine Einigung auf das Renten-Paket der Regierung soll Unions-Fraktionschef Jens Spahn den Druck auf die Junge Gruppe der Unionsfraktion deutlich erhöht haben. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge fühlen sich Abgeordnete der Gruppe bedroht. Mehrere Mitglieder der Jungen Gruppe schilderten der Zeitung, dass Jens Spahn versucht habe, Abgeordnete im Einzelgespräch einzuschüchtern.

Unionsfraktionschef Jens Spahn soll den Druck auf die Junge Gruppe im Renten-Streit erhöhen. (Symbolbild)

Spahn soll gegenüber jenen kritischen Abgeordneten der Jungen Gruppe erklärt haben, dass sie ihre Listenplätze bei der kommenden Bundestagswahl verlieren könnten, sollten sie im Bundestag nicht für das Rentenpaket stimmen. „Dies wurde von den jungen CDU-Politikern als eindeutige Drohung verstanden“, heißt es in dem Bericht.

Ringen um das Renten-Paket: Abgeordnete der Jungen Gruppe beklagen Druck durch Spahn

Auf eine Anfrage unserer Redaktion zu den Vorwürfen äußerten sich Abgeordnete der Jungen Gruppe bislang nicht. Ein Sprecher der Unions-Fraktionsspitze erklärt jedoch gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media: „Alle Gespräche finden freundlich und sachlich statt, dass auch über Verantwortung, Szenarien und Konsequenzen gesprochen wird, ist normal.“

In einem Post auf der Online-Plattform X berichtet auch Karina Mößbauer, Politik-Chefkorrespondentin von The Pioneer, mit Blick auf die Einzelgespräche: in der Jungen Gruppe würde beklagt, dass beim Renten-Paket nicht an einem Kompromiss gearbeitet würde und „stattdessen einseitig auf die Abweichler Druck ausgeübt wird“.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Vom Bundeskabinett ist das Renten-Paket bereits beschlossen. Und sowohl SPD als auch Merz haben klargemacht, dass sie keine Änderung wollen. Die 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe kritisieren jedoch, dass der Entwurf in einem Punkt gegen den Koalitionsvertrag verstößt, und drohen mit einer Blockade. Ohne ihre Stimmen ist eine eigene Mehrheit von Union und SPD im Bundestag nicht gesichert.

Renten-Streit: Beichtstuhl-Verfahren statt Gruppengespräch mit Spahn und Frei?

Ursprünglich waren Gespräche zwischen Spahn, Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) und den Abgeordneten der Jungen Gruppe für Freitagmorgen anberaumt – nach dem Koalitionsausschuss am Donnerstagabend und einem Fraktionstreffen von CDU und CSU am Freitag in der Früh. Der Termin zwischen Frei, Spahn und der Jungen Gruppe stehe nun jedoch infrage, wie Focus berichtet: „Der Druck ist maximal“, heißt es auch in diesem Bericht. In den Einzelgesprächen versuche die Fraktionsführung die jungen Abgeordneten zur Zustimmung zu bewegen: „Dabei versucht man offenbar, die ‚Junge Gruppe‘ zu spalten“, zitiert Focus ein Mitglied der Fraktion.

Nach deutlichen Ansprachen von Bundeskanzler Friedrich Merz und Kompromissvorschlägen aus der Union, scheint Spahn damit nun auf das sogenannte Beichtstuhlverfahren zu setzen: Einzelgespräche, um Blockaden aufzubrechen, und ein Scheitern zu verhindern. Denn: Eine Seite muss sich bewegen, sofern das Renten-Paket noch in diesem Jahr durch den Bundestag soll. Die SPD jedenfalls bleibt hart – die Junge Gruppe der Unionsfraktion bislang jedoch auch.

Kanzler Merz glaubt weiter an Lösung im Streit um das Renten-Paket

Der Kanzler jedenfalls zeigte sich am Donnerstag noch zuversichtlich, mit Blick auf eine Einigung: allerdings nicht schon am Abend in der Sitzung des Koalitionsausschusses. „Das muss sich ergeben dann in einer nachfolgenden Fraktionssitzung.“ Eine weitere Fraktionssitzung ist für nächsten Dienstag geplant. SPD und Union wollen in der kommenden Woche über das Rentenpaket abstimmen: Angesetzt ist das Votum allerdings noch nicht. (Quellen: Bild, Focus, Karina Mößbauer, dpa, eigene Recherche) (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Andreas Gora

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