Früher als geplant steht die Spanien-Wahl an: Am 23. Juli 2023 wählt das Land ein neues Parlament. Aber worum geht es? Ausgangslage, Ablauf und Folgen im Überblick.
Madrid – Die Spanien-Wahl wird vorgezogen. Nach der Niederlage bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai kündigte Ministerpräsident Pedro Sánchez von der Sozialistischen Partei PSOE die Auflösung des Parlaments und vorgezogene Neuwahlen an. Mehr als 37 Millionen Spanier:innen können damit bereits am 23. Juli 2023 über die beiden Parlamentskammern, das Abgeordnetenhaus (Congreso de los Diputados) und den Senat (Senado), abstimmen. Damit entscheiden sie auch maßgeblich, wer in den nächsten vier Jahren das Land auf der Iberischen Halbinsel regiert. Spanien ist, wie Deutschland auch, eine parlamentarische Demokratie. Das Parlament wählt also die Regierung, die damit vom Parlament abhängig ist.
Abstimmung
Parlamentswahl in Spanien
Datum
23. Juli 2023
Was wird gewählt?
Abgeordnetenhaus und Senat
Wahlsystem
Regionalisierte Verhältniswahl, Mehrheitswahl
Legislaturperiode
Vier Jahre
Wahlberechtigte
Ca. 37 Millionen
Wie läuft die Spanien-Wahl ab?
Bei der Parlamentswahl entscheiden alle Spanier:innen, die mindestens 18 Jahre alt sind und ihre politischen Rechte besitzen, über die 300 bis 400 Mitglieder des Abgeordnetenhauses sowie 208 der 265 Abgeordneten des Senats. Beide Wahlen finden alle vier Jahre statt.
Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus haben die Wahlberechtigten eine Stimme, die sie für eine Partei oder ein Bündnis abgeben. Bei der Abstimmung handelt es sich um eine regionalisierte Verhältniswahl. Nicht das landesweite Ergebnis der Spanien-Wahl entscheidet dabei über die Sitzverteilung, wie es etwa bei der deutschen Bundestagswahl der Fall ist. Stattdessen gibt es 52 Wahlkreise, in denen mindestens zwei und höchstens 38 Mandate zu vergeben sind. Diese werden entsprechend dem Stimmenanteil auf die Parteien verteilt.
Spanisches Wahlsystem begünstigt große Parteien und Regionalparteien
Das spanische Wahlsystem begünstigt damit große Parteien wie die sozialdemokratische PSOE und die konservative PP, da in den meisten Wahlkreisen ein relativ großer Stimmenanteil nötig ist, um ein Mandat zu gewinnen. Andererseits haben auch Regionalparteien, die in den Wahlkreisen verwurzelt sind, gute Chancen, trotz landesweit schlechten Ergebnissen Mandate zu gewinnen.
Der Senat gilt dagegen als Repräsentation der Regionen, was sich auch bei der Wahl widerspiegelt. In 59 Wahlkreisen entscheiden die Bürger:innen per Mehrheitswahl über ihre Vertretung. Aus jeder Region auf dem Festland ziehen vier Abgeordnete in den Senat ein; bei den Inseln sind es entsprechend ihrer Größe weniger. Die Regionalparlamente der autonomen Regionen entsenden den übrigen Teil der Senator:innen.
Welche Parteien treten bei der spanischen Parlamentswahl an?
Die sozialdemokratische PSOE geht weiterhin mit Ministerpräsident Pedro Sánchez als Spitzenkandidaten in die Spanien-Wahl. Alberto Núñez Feijóo kandidiert für die konservative Partido Popular (PP). Neben den beiden großen Volksparteien treten weitere kleinere Parteien an.
Dabei ist vor allem die rechtsextreme Partei Vox im Fokus. Sie ist nötig, um Feijóo zum Regierungschef zu machen. Auf kommunaler Ebene sind Konservative und Rechtsaußen nach der Kommunal- und Regionalwahl Bündnisse eingegangen. Für Sánchez dagegen kommt es auf das Abschneiden der linken Podemos an. Sie ist derzeit Koalitionspartner der PSOE. Bei der Kommunalwahl hatten die Linken jedoch Stimmen verloren. Bei der spanischen Parlamentswahl tritt Podemos deshalb auf einer gemeinsamen Liste mit der linken Sammlungsbewegung Sumar an.
Die wichtigsten Parteien und Bündnisse in Spanien im Überblick
Partido Socialista Obrero Español (PSOE): Sozialdemokratisch
Partido Popular (PP): Konservativ
Vox: Rechtsextrem
Podemos/Sumar: Links, Klimaschutz
Esquerra Republicana de Catalunya (ERC): Linke katalanische Regionalpartei
Junts per Catalunya (JxC): Katalanische Regionalpartei
Euzko Alderdi Jeltzalea/Partido Nacionalista Vasco (PNV): Mitte-rechte Regionalpartei aus dem Baskenland
Euskal Herria Bildu (EH Bildu): Links baskisch-national
Wer lag in Umfragen vorne?
Nach dem Rechtsruck bei den Regional- und Kommunalwahlen kündigte Pedro Sánchez die vorgezogenen Parlamentswahlen an. Nach Umfragen vor der Spanien-Wahl war jedoch fraglich, ob sich dieser Schritt für den amtierenden Ministerpräsidenten lohnt. Tatsächlich prognostizierten die meisten Erhebungen einen Sieg der PP. Sollte es zur Koalition mit den Rechtsaußen von Vox kommen, heißt der nächste Regierungschef Alberto Núñez Feijóo.
Der Wahltrend vor der Parlamentswahl im Überblick:
Partei
Ergebnis in Prozent
PP
33,4
PSOE
26,4
Vox
14,1
Sumar/Podemos
13,1
ERC
2,6
JxC
2,2
EAJ-PNV
1,5
EH Bildu
1,4
Sonstige
5,3
PolitPro nutzt einen gewichteten Durchschnittswert aus Umfragen von 15 Meinungsforschungsinstituten im Zeitraum von 100 Tagen vor der Erhebung. Dabei seien mehr als 25.000 Befragte beteiligt.
Spanien-Wahl 2023: Sánchez setzt alles auf eine Karte - Rechtsruck droht
Übersicht: Wer hat die Spanien-Wahl 2023 gewonnen?
Partei
Stimmenateil Prozent
Sitze
PP
33,05
136
PSOE
31,7
122
Vox
12,39
33
Sumar
12,31
31
ERC
1,89
7
JxC
1,6
7
EH Bildu
1,36
6
PNV
1,12
5
BNG
0,62
1
CCa
0,46
1
UPN
0,21
1
Das Ergebnis der spanischen Parlamentswahl 2019
Bei der Spanien-Wahl 2019 lag die PSOE mit 28 Prozent noch etwas mehr als sieben Prozentpunkte vor der PP (20,8 Prozent). Drittstärkste Kraft wurde auch damals schon Vox. Die Rechtsextremen erhielten rund 15 Prozent. Den vierten Platz belegte Podemos. Die Ergebnisse und die Sitzverteilung bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 2019 im Überblick:
Partei
Ergebnis in Prozent
Sitze
PSOE
28
120
PP
20,81
89
Vox
15,08
52
Podemos
12,86
35
ERC
3,63
13
Cuidadanos
6,8
10
JxC
2,19
8
EAJ-PNV
1,57
6
EH Bidu
1,14
5
Más País
2,4
3
CUP
1,02
2
CC-NC
0,51
2
UPN
0,41
2
BNG
0,5
1
PRC
0,28
1
Teruel Existe!
0,08
1
In Spanien ist es üblich, dass Parteien bei der Wahl des Senats ähnlich abschneiden, da beide Abstimmungen zu einem ähnlichen Zeitpunkt erfolgen.
Wie geht es nach der Spanien-Wahl weiter?
Nach der spanischen Parlamentswahl am 23. Juli 2023 treten die gewählten Abgeordneten beider Kammern am 17. August 2023 zur ersten (konstituierenden) Sitzung zusammen. Die Regierung wird jedoch lediglich im Abgeordnetenhaus gewählt, das unter anderem deshalb als bedeutendere Kammer gilt.
Der König berät sich mit Vertreter:innen der Parlamentsfraktionen und schlägt eine Kandidatin bzw. einen Kandidaten für das Amt der Ministerpräsidentin bzw. des Ministerpräsidenten vor. In Spanien sind Koalitionen aus mehreren Parteien üblich, wie es in Deutschland auch der Fall ist. Wer im Abgeordnetenhaus zur Wahl steht, muss zunächst das geplante Regierungsprogramm vorstellen. Anschließend stellt die Kandidatin bzw. der Kandidat die Vertrauensfrage.
Im ersten Wahlgang ist eine absolute Mehrheit nötig. Sollte diese nicht erreicht werden, folgt 48 Stunden später die zweite Abstimmung, bei der 48 Stunden später eine einfache Mehrheit reicht. Kommt keine Mehrheit zustande, löst der König beide Parlamentskammern auf und Neuwahlen folgen. (ms)