SPD erhöht Druck bei Schuldenbremse – Merz muss Sperrminorität fürchten
VonJan-Frederik Wendt
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Braucht Deutschland eine Reform der Schuldenbremse? Die SPD erhöht vor einer möglichen Koalition den Druck. Merz scheint schon einen Plan zu haben.
Mainz – Sie war der Knackpunkt der gescheiterten Ampel-Koalition unter Noch-Kanzler Olaf Scholz (SPD): die Schuldenbremse. Als der ehemalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) keine weiteren Schulden für die Ukraine aufnehmen wollte, entließ Scholz seinen Minister. Das bedeutete den Bruch der Regierung.
Auch in einer möglichen Koalition nach der Bundestagswahl zwischen Union und SPD könnte sich die Schuldenbremse zu einem Stolperstein entwickeln. Im Wahlkampf hatte sich der Union-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) nicht eindeutig über eine Reform der Schuldenbremse ausgesprochen. Das hat nun aber der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), getan.
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„Als eine der letzten Volkswirtschaften in Europa und der Welt halten wir uns an starre Schuldenregeln. Von diesem Mühlstein für unsere Volkswirtschaft müssen wir uns befreien“, sagte Schweitzer in einem Tagesspiegel-Interview und fügte hinzu: „Wie notwendig eine Reform der Schuldenbremse ist, zeigt ein Blick in andere Länder, die gerade wirtschaftlich erfolgreicher sind.“
Schweitzer fordert von Merz „Verantwortungsgefühl“. Der CDU-Chef solle sich „am Appell der CDU-Ministerpräsidenten orientieren, die die Schuldenbremse schon lange lockern wollen.“ Die Aufnahme höherer Schulden sei wichtig für die Verteidigung Deutschlands und für die Infrastruktur. „Da braucht es einen großen Wurf. Hier muss die Union ihren Dogmatismus beenden“, sagte der Sozialdemokrat.
Für eine reformierte Schuldenbremse hat bereits mehrfach Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) plädiert. Für eine auskömmliche Ausstattung der Bundeswehr sei die Ausnahme von der Schuldenbremse unumgänglich. Die Finanzmittel – auch um vereinbarte und möglicherweise noch höhere Nato-Ziele zu erreichen – könnten nicht in anderen Haushaltsbereichen gespart werden. Dafür sei die notwendige Investitionssumme zu hoch. Dafür hatte sich auch der EU-Abgeordnete und Sicherheitsexperte Tobias Cremer (SPD) ausgesprochen.
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CDU-Politiker und Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens Hendrik Wüst drückte dagegen bei einer möglichen Reform der Schuldenbremse auf die Bremse. Zunächst müsse eine künftige Regierung alle Einsparpotenziale ausreizen. „Die Schuldenbremse sorgt für finanzpolitische Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Der wichtigste Beitrag zur besseren Finanzierung der staatlichen Aufgaben ist Wirtschaftswachstum“, sagte Wüst der Rheinischen Post.
Für wichtige Gesetzesvorhaben – wie beispielsweise die Reform der Schuldenbremse – braucht es im Deutschen Bundestag eine Zweidrittelmehrheit. Weil die kommende Regierung auf Stimmen der AfD und Linken angewiesen wäre, haben die Grünen eine Reform mit den Stimmen des bestehenden Bundestags gefordert. Nun will Merz die Gespräche darüber mit den Grünen, der SPD und der FDP aufnehmen, berichtete der MDR.