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Sonja Thomaser
Felix Busjaeger
Jens Kiffmeier
Bei einer SPD-Vorstandsklausur zurren die Sozialdemokraten vor der Bundestagswahl ihre Strategie fest. Es geht um klassische sozialdemokratische Themen gehen.
Update vom 15. Oktober, 10 Uhr: Die SPD im Bundestag will nicht nur mit einer Steuerreform sehr reicher Menschen stärker besteuern, sondern auch deren Vermögen. Angestrebt werde eine höhere Einkommensteuer für allerhöchste Einkünfte, ebenso aber „eine gerechte Erbschaftssteuer, eine neue Vermögenssteuer und eine grundlegende Reform der Schuldenregel“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Achim Post dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Ziel der SPD sei, dass am Ende etwa 95 Prozent der Steuerzahler durch eine Einkommenssteuersenkung mehr Geld in der Tasche haben. „Da geht es um die arbeitende Mitte, um die arbeitenden Familien in diesem Land.“ Finanzminister Christian Lindner (FDP) hat indes einen anderen Steuer-Plan. Scharfe Kritik an den SPD-Plänen und der Steuerreform gab es derweil von Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU).
Update vom 14. Oktober, 16.06 Uhr: SPD-Co-Chefin Saskia Esken hat bekräftigt, dass die von der Partei gewünschte Entlastung von 95 Prozent der Steuerzahlenden durch erhöhte Steuern für Topverdiener gegenfinanziert werden soll. Sie reagierte damit auf die Kritik von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Christian Lindner (FDP). „Die von ihm vorgeschlagene Gegenfinanzierung über das Bürgergeld lehnen wir ab“, betonte Esken am Montag zum Ende der zweitägigen Klausurtagung des SPD-Bundesvorstandes. Der Vorstand hatte ein Papier beschlossen, das der Aufstellung für den Bundestagswahlkampf dient. Darin sind Steuererleichterungen für Firmen, die in Deutschland investieren, genannt sowie als Ziel eine Entlastung niedriger und mittlerer Einkommen.
„Das heißt also, die höheren Einnahmen bei dem einen Prozent sollen die Senkung für die 95 Prozent finanzieren und deswegen muss das gegeneinander gerechnet werden“, sagte Esken. Auf die Frage nach genauen Zahlen verwies sie auf das SPD-Regierungsprogramm. „Ich will es nochmal sehr deutlich sagen: Derzeit bezahlt jemand, der 67.000 Euro im Jahr zu versteuern hat, in der Spitze den gleichen Satz wie jemand, der 250.000 Euro verdient. Und das ist ungerecht.“ Der sogenannte Reichensteuersatz für hohe Vermögen solle ähnlich wie der Spitzensteuersatz angehoben werden, fügte sie hinzu. Die SPD wolle auch Veränderungen bei der Erbschaftssteuer.
Finanzminister Lindner hatte gesagt, dass er die Entlastung von 95 Prozent der Steuerzahlenden gut finde, aber dies durch Kürzungen etwa am Bürgergeld finanzieren würde. Merz wiederum hatte kritisiert, dass für eine Gegenfinanzierung durch das oberste Ein-Prozent der Verdiener deren Steuersatz auf 60 Prozent hochschnellen müsse. Sonst gehe die Rechnung nicht auf.
SPD plant erneute Steuerreform – Ökonomen begrüßen Pläne
Update vom 14. Oktober, 8.58 Uhr: Die SPD hat ihre Strategie für die kommende Bundestagswahl festgezurrt. Führende Ökonomen begrüßen die Pläne der SPD für neue Investitionsanreize in der Wirtschaft. Zugleich kritisieren die Chefs des ifo-Instituts und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Clemens Fuest und Michael Hüther, dass die SPD eine Mindestlohn-Anhebung auf 15 Euro zum Ziel erklärt und damit abermals in die Arbeit der unabhängigen Mindestlohn-Kommission quasi eingreift.
Update vom 14. Oktober, 7.32 Uhr: Für FDP-Chef Christian Lindner ist es der Abschied von der sozialen Marktwirtschaft, doch für die SPD ist es der Weg in die Zukunft: Der Vorstand der Sozialdemokraten hat bei seiner Klausurtagung in Berlin sein umstrittenes Strategiepapier zur Bekämpfung der Wirtschaftsflaute beschlossen – und damit erste Weichen für den Bundestagswahlkampf gestellt. In dem Beschluss setzt sich die Parteiführung für eine grundlegende Einkommenssteuerreform ein, die 95 Prozent der Steuerzahler entlastet. Dafür sollen die höchsten ein Prozent der Einkommen stärker besteuert werden. Nach Angaben von Parteichefin Saskia Esken geht es dabei um Spitzenverdienste von mehr als 15.000 Euro im Monat.
In dem sechsseitigen Papier mit dem Titel „Wir kämpfen für Deutschlands Zukunft: Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze sichern, Beschäftigte entlasten“ setzt sich die SPD auch für einen Mindestlohn von 15 Euro, mehrere Maßnahmen zur Förderung des Absatzes von E-Autos und eine Reform der Schuldenbremse ein. Für den Noch-Koalitionspartner ist der Kurs wahres Gift für die Konjunktur. So ließ FDP-Chef Lindner noch vor dem offiziellen Beschluss des Papiers kein gutes Haar an der Ausrichtung der SPD.
Steuerreform der SPD: Christian Lindner (FDP) kritisiert Pläne zur Bundestagswahl
Update vom 13. Oktober, 14.12 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner hat auf die SPD-Klausur und die Pläne der Sozialdemokraten reagiert. Auf X schrieb der Minister: „Die SPD will mittelständische Betriebe stärker besteuern. Dafür soll der Staat mit Schulden Subventionen für geplante Investitionen an die Wirtschaft zahlen. Es wird klar: Die nächste Wahl entscheidet über gelenkte Verwaltungswirtschaft oder Soziale Marktwirtschaft.“
Zudem erklärte der Politiker angesichts der SPD-Pläne zur Steuerreform: „Wenn die SPD 95 Prozent der Steuerzahler entlasten will, schlage ich ein. Aber nicht auf Kosten von Fachkräften und Mittelstand.“ Der Finanzminister gibt zugleich einen Lösungsansatz: „Wir können das finanzieren durch eine weitere Bürgergeldreform und die Unterbindung irregulärer Einwanderung in den Sozialstaat.“
SPD kurrt Wahlkampfstrategie für Bundestagswahl fest: SPD-Klausur in Berlin
Update vom 13. Oktober, 10.55 Uhr: Bereits am Samstag hat Parteichef Lars Klingbeil gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland deutlich gemacht, dass sich die SPD inzwischen auf den Wahlkampf vor der Bundestagswahl einstellen muss. „Die SPD braucht eine Körperhaltung des Siegeswillens“, sagte Klingbeil vor der SPD-Klausur. „Alle schauen gerade auf die Ampel, aber ich möchte, dass wir als SPD anfangen, gemeinsam zu marschieren.“
Am Samstag kamen zunächst 250 Unterbezirksvorsitzende der SPD in der Berliner Parteizentrale zu Beratungen zusammen, anschließend war eine Sitzung des Parteipräsidiums geplant.
SPD-Klausur für Wahlkampfstrategie vor der Bundestagswahl: Steuerreform und E-Auto-Prämie
Erstmeldung: Berlin – Nach einer Reihe von Wahlschlappen will die SPD nun die Marschrichtung für Bundeswahlkampf vorgeben. Der Plan ist es, trotz Umfragekeller, Rezession in Deutschland und allgemeiner Verunsicherung Zuversicht auszustrahlen. Im Wahlkampf zur Bundestagswahl wollen sich Sozialdemokraten für eine grundlegende Einkommenssteuerreform einsetzen, die 95 Prozent der Steuerzahler entlastet.
Zudem ist eine Anpassung des Mindestlohns auf 15 Euro und eine Reform der Schuldenregeln geplant. Das geht aus einer Beschlussvorlage für die SPD-Vorstandsklausur hervor, die am Sonntag verabschiedet werden soll. „Diese Reform wird den Menschen mehr finanziellen Spielraum geben und die Kaufkraft stärken. Damit kurbeln wir die Wirtschaft von unten und aus der Mitte der Gesellschaft an“, heißt es darin.
Vorstandsklausur der SPD: Strategie für Bundestagswahl im Fokus
Geplant ist eine Klausurtagung der SPD am Sonntag und Montag in der Berliner Parteizentrale, bei dem der SPD-Vorstand erste inhaltliche und strategische Weichen für die Bundestagswahl stellen will. Die sechsseitige Beschlussvorlage mit dem Titel „Wir kämpfen für Deutschlands Zukunft: Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze sichern, Beschäftigte entlasten“ liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Bei der Bürgergeld-Prämie gibt es derweil ein bizarres Ampel-Theater.
Übergeordnetes Ziel ist demnach eine deutliche Stärkung der deutschen Wirtschaft. Hierfür soll unter anderem eine Kaufprämie für E-Autos geprüft werden. Außerdem will die SPD eine E-Auto-Quote für Leasinganbieter einführen und E-Dienstwagen steuerlich fördern. Um Investitionen in Deutschland zu fördern, will die Partei die Unternehmenssteuern zwar nicht senken. Stattdessen will sie aber „umfassende Superabschreibungen und Steuerprämien für Unternehmen an Investitionen in Zukunftsbranchen und gute Arbeitsplätze am Standort Deutschland knüpfen“, wie es in der Beschlussvorlage heißt.
Wahlkampfstrategie mit Fokus auf Steuerreform, Kaufprämien für E-Autos
Dass die SPD sich nach den Wahlergebnissen bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland allmählich auf die kommende Bundestagswahl einstellt, verwundert wenig. Erst vor wenigen Tagen mussten die Sozialdemokraten den Verlust ihres Generalsekretärs Kevin Kühnert kompensieren. Die kommissarische Leitung hat Matthias Miersch übernommen. Der SPD-Politiker machte bereits in seiner ersten Rede klar, dass er gegen Rechtsextremismus und Populismus kämpfen werde. Zudem betonte er die Bedeutung von Ökologie, Wirtschaft und sozialer Zusammenhalt.
Außerdem freute sich Miersch bereits auf die inhaltlichen Debatten mit CDU-Chef Friedrich Merz im Wahlkampf vor der Bundestagswahl. Dass sich die SPD bereits jetzt verstärkt zu den Positionen der Christdemokraten positioniert, geht auch aus den Plänen des Parteivorstands hervor. Die Wirtschaftspolitik der CDU unter Merz wird in dem SPD-Papier nämlich scharf kritisiert. „Wer die Beschäftigten in Deutschland als faul beschimpft und ihnen gute Löhne und sichere Renten verweigert, der hat den Respekt für die wahren Leistungsträger verloren, die unser Land mit ihrer harten Arbeit jeden Tag am Laufen halten“, heißt es. „Dazu gehören auch die vielen Millionen Beschäftigten mit Migrationsgeschichte und ihre Familien, die jeden Tag erleben müssen, von CDU und CSU als „Problem“ bezeichnet zu werden.“
Vor Bundestagswahl 2025: SPD will Steuersenkungen und Industrie-Jobs kämpfen
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stellt angesichts des Umfragenkellers für seine Partei die Weichen auf Bundestagswahl. Bei seiner Forderung nach Kooperation aller relevanten Akteure zur Modernisierung des Landes Rückendeckung von seinem Arbeitsminister. „Die aktuelle konjunkturelle und geopolitische Situation erfordert vor allem eine aktive Wirtschaftspolitik“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Es gilt jetzt vor allem, um Industriearbeitsplätze zu kämpfen.“
„Eine gute Arbeitsmarktpolitik wird Industriepolitik flankieren, kann sie aber nicht ersetzen. Der Kanzler hat deutlich gemacht, dass wir dafür ein Bündnis für Industrie brauchen, in dem Unternehmen, Gewerkschaften und Politik an einem Strang ziehen“, sagte Heil. Auf Bundesebene liegt die SPD in allen Umfragen weit abgeschlagen hinter CDU/CSU und entweder gleichauf oder knapp hinter der AfD bei 16 bis 17 Prozent. Bis zur Bundestagswahl 2005 hat die Partei noch knapp ein Jahr Zeit, um den Trend zu ändern. (fbu/dpa)
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