Wende vor der Wahl?

Özdemir lässt vor BW-Wahl mit Migrations-Ansage aufhorchen – und stellt eigene Partei in Frage

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Die Landtagswahl in Baden-Württemberg wird spannend. Özdemirs Grüne rücken an die CDU ran. Nun macht der Spitzenkandidat eine Migrations-Ansage.

Und plötzlich ist das Rennen wieder offen. Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg wird es nochmal richtig eng. Neue Umfragen zeigen: die Grünen um Spitzenkandidat Cem Özdemir rücken der CDU um Manuel Hagel gefährlich nahe. Besonders Özdemir scheint seine Chance zu wittern.

Cem Özdemir wird im Wahlkampf vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg deutlich.

Der ehemalige Minister aus der Ampel-Koalition verschärft seine Rhetorik. Im TV-Triell wirkten Özdemir und Hagel noch harmonisch miteinander. Bei der SWR-Wahlarena sah das dann schon anders aus, ein regelrechter Streit entbrannte sogar beim Thema Wirtschaftspolitik. Und auch thematisch geht Özdemir nun auf Stimmenfang bei der konservativen Konkurrenz.

Özdemir vor BW-Landtagswahl: Deutliche Worte zur Einwanderung

Im Gespräch mit der Welt am Sonntag sprach der Grüne Spitzenkandidat sich für eine stärkere Steuerung der Einwanderung nach Deutschland aus – eigentlich ein Themenfeld, das besonders die parteiliche Konkurrenz um AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier und eben CDU-Mann Hagel beackert. Nun fand auch Özdemir deutliche Worte.

„Wir sind auf Weltoffenheit angewiesen. Aber Einwanderung muss viel stärker gesteuert werden. Das bedeutet eben auch, die Frage der irregulären Migration und ihrer Begrenzung ernst zu nehmen“, sagte Özdemir der Welt am Sonntag. „Wir Grüne müssen uns fragen, ob wir etwa in der Migrationspolitik immer das Ganze im Blick hatten“, erklärte er. „Wer Humanität will, darf über Ordnung und Steuerung nicht schweigen.“ Zugleich betonte er, dass Deutschland auch künftig auf Zuwanderung angewiesen sein werde - etwa in der Pflege. Und schon heute funktioniere kaum ein Krankenhaus in Deutschland ohne Ärzte und Personal mit Migrationshintergrund, sagte Özdemir. 

Landtagswahl in BW: Özdemir stellt Haltung eigener Partei in Frage

Damit allerdings noch nicht genug. Der 60-Jährige stellte dabei gewissermaßen sogar die Haltung seiner eigenen Partei in Frage. Über die Grünen sagte er: „Manchmal denke ich: Warum machen wir uns unnötig das Leben schwer?“ Es gebe viel mehr Menschen, die den Grünen nahestünden, als sie derzeit oft erreiche. „Man muss sich fragen: Konzentrieren wir uns auf die Themen, die den meisten auf den Nägeln brennen? Oder erwecken wir den Eindruck, dass uns Themen besonders wichtig sind, die für die Mehrheit nicht zentral sind?“ Das heiße nicht, dass Minderheitenrechte unwichtig wären, sagte Özdemir. „Aber die kann ich in der Demokratie eben nur dann stärken, wenn ich Mehrheiten für meine Positionen gewinne.“

Die Kritik an der eigenen Partei kommt überraschend, passt aber auch ins Bild. Der bisher amtierende grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann gilt weithin als Vertreter des besonders pragmatischen, konservativen Flügels seiner Partei. In diese Fußstapfen will nun auch Özdemir treten. Gewählt wird in Baden-Württemberg am 8. März. (Quellen: Welt, dpa) (han)

Rubriklistenbild: © Silas Stein / dpa

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