„Sofort auf den Weg bringen“

„Angst vor der eigenen Courage“: Strack-Zimmermann fordert Taurus-Marschflugkörper für Ukraine

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Nach der jüngsten russischen Angriffswelle im Ukraine-Krieg werden in Deutschland Stimmen nach Lieferungen von Taurus-Marschflugkörpern lauter.

München – Zu Jahresbeginn hatte das russische Militär die Ukraine mit einer beispiellosen Angriffswelle überzogen. Ziele der Attacken waren die Hauptstadt Kiew sowie Charkiw im Osten. Behördenangaben zufolge starben fünf Menschen, Dutzende wurden verletzt. Die ukrainische Armee konnte eigenen Angaben zufolge 72 der fast 100 abgefeuerten Raketen abfangen, doch einige trafen ihr Ziel und offenbarten so auch ein Problem der Ukraine: Es fehlt an Waffen. In Deutschland mehren sich seit dem Angriff Forderungen nach einer Lieferung deutscher Taurus-Marschflugkörper.

In Deutschland werden Forderungen nach Taurus-Lieferungen an die Ukraine lauter.

Bislang zögerte die Ampel-Koalition, allen voran Bundeskanzler Olaf Scholz lehnte Taurus-Lieferungen an die Ukraine immer wieder ab. Doch die Worte des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba nach der neuesten russischen Angriffswelle im Ukraine-Krieg scheinen Wirkung zu zeigen. Er forderte eine „entschiedene Reaktion“ des Westens und die Lieferung „zusätzlicher Luftverteidigungssysteme und Kampfdrohnen aller Art“. Zudem benötige die ukrainische Armee laut Kuleba mehr „Raketen mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern“.

Taurus-Marschflugkörper für die Ukraine? Strack-Zimmermann wird deutlich

Der deutsche Taurus-Marschflugkörper schafft der Bundeswehr zufolge bis zu 500 Kilometer Reichweite. Forderungen nach einer Lieferung sind deutlicher denn je. Auch die CSU-Landesgruppe im Bundestag will nach Informationen der Augsburger Allgemeinen bei ihrer Winterklausur im Kloster Seeon „die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die ukrainische Armee“ fordern.

Fordert schon seit Längerem Taurus-Lieferungen an die Ukraine: die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Wer schon lange dafür ist, ist Mitglied einer Regierungspartei: die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie hat jetzt in einem Interview ihre Haltung bekräftigt. „Deutschland macht im Kreise der europäischen Staaten am meisten [für die Ukraine, Anm. d. Red.], aber richtig ist, dass die [russischen, d. Red.] Angriffe massiv sind und dass wir offensichtlich Angst vor unserer eigenen Courage haben, gemeinsam mit den Partnern noch deutlich mehr zu machen. Dazu gehört der Taurus-Marschflugkörper“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag am Dienstag (2. Januar) in der Sendung ZDFheute live.

Strack-Zimmermann: „Taurus muss sofort auf den Weg gebracht werden“

Strack-Zimmermann zufolge könnte das Land mit der Waffe den russischen Angriff „sehr wirkungsvoll zumindest unterbrechen.“ „Wir dürfen nicht nachlassen, die Ukraine zu unterstützen, mit allem, was wir tun können“, appellierte sie.

Ukraine-Krieg reicht jetzt bis nach Moskau: Fotos zeigen den Schaden durch Drohnen-Angriffe

Mehrere Wohngebäude werden geringfügig beschädigt, zwei Menschen leicht verletzt.
Am frühen Dienstagmorgen meldete die russische Hauptstadt verschiedene Drohnenangriffe. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück.
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock.
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock. © IMAGO/Aleksey Nikolskyi/SNA
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden. © Tass/IMAGO/Vitaly Smolnikov
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab.
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab. © IMAGO/Denis Bocharov
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen.
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen.
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder.
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause.
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über.
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass

Deutlicher wurde die FDP-Politikerin im Gespräch mit dem Nachrichtenportal t-online: „Die Ukraine benötigt mehr Munition, mehr Ersatzteile und der Taurus muss sofort auf den Weg gebracht werden, um endlich den russischen Nachschub zu erschweren.“ Bereits im vergangenen September hatte Strack-Zimmermann mit weiteren Parlamentariern Scholz in einem Brief zur Taurus-Lieferung gedrängt. (mt)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Bundeswehr | Andrea Bienert

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