Faeser nennt Kriminalstatistik „erschütternd“ und „durch nichts zu rechtfertigen“
VonStephanie Munk
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Innenministerin Nancy Faeser hat die Kriminalstatistik 2023 vorgestellt. Raub, Diebstahl, Einbrüche, Gewalt: In allen Bereichen stiegen die Zahlen.
Update vom 9. April, 13.15 Uhr: Zum Abschluss noch einige Zahlen aus der Kriminalstatistik 2023:
Im Jahr 2023 wurden bundesweit rund 5,94 Millionen Straftaten statistisch erfasst. Das sind 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch wenn man ausländerrechtliche Verstöße nicht berücksichtigt, liegt der Anstieg immerhin noch bei 4,4 Prozent.
Die Gewaltkriminalität nahm 2023 laut Statistik um 8,6 Prozent auf knapp 214 100 Fälle zu. Sie erreichte damit den höchsten Stand seit 2007.
Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg um rund 18 Prozent im Vergleich zu 2022. Das BKA betont aber, dass damit das Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 nicht erreicht ist.
Bei den Gewalttaten war der Anstieg bei Raubdelikten mit 17,4 Prozent am größten. Die Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexueller Übergriffe im besonders schweren Fall nahmen um 2,4 Prozent zu, Körperverletzungsdelikte um rund sieben Prozent.
Kriminalstatistik: Ausländer auch oft Opfer von Straftaten
Update vom 9. April, 13.08 Uhr: Die Kriminalitätszahlen unter der ausländischen Bevölkerung in Deutschland ist laut der aktuellen Kriminalstatistik stark angestiegen. BKA-Präsident Holger Münch hat deshalb die Wichtigkeit von Integrationsmaßnahmen betont. Wenn Integration gelängen, müsse ein hoher Ausländeranteil nicht zwangsläufig zu mehr Straftaten führen. Dass Menschen aus anderen Ländern „prinzipiell krimineller“ seien – „das stimmt so nicht“, betonte Münch.
Update vom 9. April, 12.08 Uhr: Laut BKA-Präsident Münch sind nicht nur auf der Täter-, sondern auch auf der Opferseite der Kriminalstatistik viele ausländische Personen: „Viel der Kriminalität spielt sich zwischen den Zuwanderern ab.“ Allerdings sehe man an den aktuellen Zahlen auch, dass die Kriminalitätszahlen steigen, wenn man im Bereich der Zuwanderung „an die Grenzen des Machbaren“ komme. Faeser betonte, man wolle mit den aktuellen Zahlen keine „Ressentiments“ gegenüber ausländischen Mitbürgern schüren. „Es gibt keine einfachen Antworten.“
Update vom 9. April, 11.46 Uhr: Zur aktuellen Kriminalstatistik äußerte sich bei der Pressekonferenz auch BKA-Präsident Holger Münch. Unter den Zuwanderungsgruppen seien die Kriminalitätszahlen unter Georgiern und Migranten aus den Maghreb-Staaten besonders auffällig, bei letzteren gebe es auch oft Mehrfach-Täter. Teils seien die Verdächtigen gezielt nach Deutschland gelockt worden, um dort Straftaten zu begehen. Unauffällig seien dagegen die Zuwanderungsgruppen aus Afghanistan und Syrien. Bei diesen Gruppen sei der Anstieg allein auf die insgesamt gestiegene Zuwanderung aus diesen Ländern zurückzuführen.
Kriminalstatistik: Straftaten im Drogenbereich sprunghaft angestiegen
Update vom 9. April, 11.33 Uhr: Faeser geht auch speziell auf die Drogenkriminalität in Deutschland ein. Bei Straftaten im Zusammenhang mit Kokain und Crack habe es einen Anstieg von 30 Prozent gegeben, warnt sie. Es gebe eine regelrechte Kokain-Schwemme von Südamerika nach Europa. Durch die involvierten Drogenkartelle gebe es eine „brutale Gewaltspirale“, wie man sie in Ländern wie Belgien und den Niederlanden bereits sehen könne. Dies wolle sie für Deutschland auf jeden Fall vermeiden.
Update vom 9. April, 11.22 Uhr: Faeser geht auf den starken Anstieg bei den nicht-deutschen Tatverdächtigen von 14,5 Prozent ein. Dies gelte es „ohne Scheu und Ressentiments“ zu diskutieren. „Auch hier gilt der Grundsatz null Toleranz: Wer sich nicht an die Regeln hält, muss gehen.“ Die Täter müssten Deutschland deutlich schneller verlassen als bisher, die neuen restriktiven Abschieberegeln würden bereits gelten, jetzt liege es an den Bundesländern, sie umzusetzen. Zudem sei Prävention nötig. Man erwarte von jedem in der Gesellschaft „Respekt statt Gewalt“.
Faeser stellt Statistik zu Straftaten vor: Täglich 300 Angriffe auf Polizisten
Update vom 9. April, 11.13 Uhr: 2023 habe es täglich fast 300 Angriffe auf Polizeibeamte gegeben, so Faeser – ein Anstieg von 10 Prozent. Das sei „erschütternd“ und „durch nichts zu rechtfertigen“, so die Innenministerin. Als Folge der Corona-Pandemie wertet Faeser die „deutlich gestiegene Jugendkriminalität“. Sie führt dies unter anderem auf die psychischen Belastungen und soziale Verwerfungen während der Pandemie zurück. 2023 wurden gut 104.000 verdächtige Kinder unter 14 Jahren ermittelt – ein Zuwachs von 43 Prozent gegenüber 2019.
Update vom 9. April, 11.05 Uhr: Nancy Faeser hat mit der Vorstellung der Kriminalstatistik begonnen. Deutschland sei weiterhin eines der sichersten Länder der Welt, betont sie. Dennoch gebe es alarmierende Entwicklungen: Mehr Gewaltdelikte, mehr Jugendkriminalität und mehr Ausländerkriminalität. Vor allem der Anstieg der Gewaltkriminalität sei „nicht hinnehmbar“ so Faeser. Die Zunahme liege hier bei 8,4 Prozent gegenüber 2022 auf über 214.000 Straftaten. Sie fordert „null Toleranz“ gegenüber den Tätern. Schnelle Verfahren und spürbare Strafen seien notwendig. „Die Strafe muss möglichst auf den Fuß folgen.“
Faeser stellt Kriminalstatistik vor – schon davor entflammt Streit um Migration
Berlin – Innenministerin Nancy Faeser (SPD) hat am Dienstagvormittag (9. April) keine frohen Botschaften zu verkünden: Sie stellt um 11 Uhr die polizeiliche Kriminalstatistik vor. Zuvor wurde bereits bekannt, dass die Zahl der Straftaten in Deutschland angestiegen ist auf dem höchsten Stand seit 2016 ist. Die Gewaltkriminalität und der Deliktbereich „gefährliche und schwere Körperverletzung“ erreichten jeweils Rekordhöhen. Das ist eine Kehrtwende. In den Jahren zuvor war die Kriminalität in Deutschland meist gesunken.
Faeser stellt Kriminalstatistik vor – Zahl nicht-deutscher Verdächtiger steigt
Laut ARD haben die Behörden 2023 fast sechs Millionen Straftaten registriert – laut einem Bericht der ARD sind das 9,3 Prozent mehr als im Jahr 2019. Dazwischen herrschte durch die Corona-Pandemie eine Ausnahmesituation: Durch Homeoffice, Ausgangssperren und andere Beschränkungen gab es weniger Straftaten.
Auch die Zahl nicht-deutscher Tatverdächtiger hat laut neuer Statistik offenbar zugenommen. Nach Informationen der ARD hatten von den knapp 2,25 Millionen Verdächtigen rund 923.000 keinen deutschen Pass. Das ist ein Anstieg von 17,8 Prozent im Vergleich zu 2022.
Kriminalstatistik 2023: CDU fordert härtere Migrationspolitik - „Müssen wissen, wer kommt“
Das ruft die Union auf den Plan: CDU/CSU rufen die Ampel-Koalition angesichts der neuen Kriminalstatistik zum Handeln in der Migrationspolitik auf. „Wir haben da ein Problem – das hat auch mit Migration zu tun“, sagte Unionfraktionsvize Andrea Lindholz (CSU) am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Wir müssen Migration besser steuern, wir müssen wissen, wer in unser Land kommt“, fügte sie hinzu.
Deutschland stoße mit seiner „Integrationsfähigkeit“ an seine Grenzen, sagte Lindholz weiter. Integration und Prävention kosteten „immens viel Kapazitäten, die wir realistisch gesagt gar nicht haben.“
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Mehr Straftaten laut Kriminalstatistik – Grünen warnen vor Fokus auf Migranten
Die SPD im Bundestag sieht angesichts der neuen Statistik vor allem die Bundesländer in der Pflicht. „Die zunehmende Gewaltbereitschaft braucht eine doppelte Antwort: konsequente Strafverfolgung und umgehende Ahndung der Taten sowie mehr Prävention im Vorfeld“, sagte ihr innenpolitischer Sprecher Sebastian Hartmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Die für die polizeiliche Gefahrenabwehr zuständigen Länder müssen hier ihren Fokus setzen, um die beginnende Spirale zu durchbrechen.“
Auch die Grünen zeigten sich besorgt, warnten aber vor einem Fokus auf die Migration. „Wenig verantwortlich“ sei es, mit den Zahlen den Fokus auf die Migration zu lenken, sagte ihre Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic dem RND. „Das wird der Komplexität der Entwicklung von Kriminalitätsphänomen in keiner Weise gerecht.“ Dennoch müssten die Zahlen „jetzt sehr genau“ analysiert werden, um die richtigen Schlüsse zu ziehen, betonte Mihalic.
Kriminalstatistik wird vorgestellt: Polizei warnt vor Überforderung
Der neue Polizeibeauftragte des Bundes hat mit Blick auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2023 davor gewarnt, die Beamten in Uniform aus dem Blick zu verlieren. „Die PKS zeigt, wie herausfordernd der Polizeiberuf ist. Die steigenden Zahlen im Bereich der Gewalttaten sind nicht nur Zahlen in der Statistik“, sagte Uli Grötsch (SPD) dem Magazin Stern.
„Sie machen auch was mit den Menschen in den Uniformen. Deshalb ist ein Ausgleich zum harten Arbeitsalltag notwendig“, fuhr Grötsch fort. „Dabei denke ich etwa an mehr Raum für Supervision und modernere Arbeitsformen.“
Faeser präsentiert Kriminalstatistik gemeinsam mit BKA-Präsident
Die polizeiliche Kriminalstatistik präsentieren gemeinsam mit Faeser der Vorsitzende der Innenministerkonferenz Michael Stübgen (CDU) und Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA). Sie wird jährlich bundesweit auf Grundlage der von den 16 Landeskriminalämtern übermittelten Daten erhoben. Sie dient der Beobachtung der Kriminalität und einzelner Deliktsarten und gibt Auskunft zur Zahl der Tatverdächtigen und Opfer sowie zu Aufklärungsraten.
Die Zahl der von der Polizei registrierten Straftaten im vergangenen Jahr ist einem Bericht zufolge um 5,5 Prozent auf 5,94 Millionen gestiegen. Das geht demnach aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2023 hervor, die Faeser offiziell vorstellt und aus der die Welt am Sonntag vorab zitiert hatte. (dpa/AFP)