Informationskrieg

Gerüchte über Putins Tod aus dem Kreml? Ukraine-Geheimdienst erklärt Russlands „Spielbuch“

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Von Russland inszeniert? Ein ukrainischer Geheimdienstler behauptet, russische Beamten hätten Gerüchte über Putins Tod verbreitet.

Kiew – Der Ukraine-Krieg geht weiter – und somit auch der Informationskrieg zwischen Russland und der Ukraine. Nun beschuldigt ein Vertreter des ukrainischen Geheimdienstes Kreml-Beamte, ein Gerücht von Putins Tod in Umlauf gebracht zu haben. Grund seien Beobachtungszwecke zur Strategieentwicklung gewesen.

„Schwindel“: Kreml verneint Gerüchte zu Putins Tod

Ist der Kreml-Chef tot? Mit der Frage beschäftigten sich mehrere Telegram-Kanäle in der letzten Woche. Fälschlicherweise wurden Nachrichten verbreitet, der russische Präsident Wladimir Putin sei verstorben und die Regierung arbeite an einem Nachfolgeplan. Kyiv Post berichtete, dass sich das Gerücht schnell über verschiedene soziale Netzwerke verbreitete. Die Russland-Regierung reagierte und tat das Gerücht als „Schwindel“ ab – Putin trat seitdem schon öffentlich auf.

Russlands „Spielbuch“: Gerücht soll von russischen Beamten stammen

Moskauer Beamte sollen das Gerücht in Umlauf gebracht haben, sagte nun Andriy Yusov gegenüber NV Radio. Der Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR) erklärte, dass Putins Tod zwar eine „gute Nachricht“ für die Ukraine wäre, das Gerücht aber tatsächlich Teil von Russlands Desinformations-„Spielbuch“ sei. „Das ist süße Musik für ukrainische Zuhörer, und es hätte eine gute Nachricht sein sollen“, sagte Yusov dem Radiosender laut Ukrainska Pravda. „Dies ist eine interne Ausgabe, die für das heimische Publikum in Russland gedacht ist.“

Laut Geheimdienstler sollen russische Beamte das Gerücht über Putins Tod verbreitet haben.

„Teil eines bestimmten Plans“: Gerüchte sollen zur Strategieplanung dienen

Demnach dienen solche Gerüchte zur Bobachtung: „Der grundlegende Zweck von Fake News besteht darin, zu untersuchen, wie die Gesellschaft zahlenmäßig und dynamisch reagiert – ob sie es geglaubt hat, wie sie reagiert hat, wozu sie bereit ist – und sich die Reaktionen von Einzelpersonen, der Elite und den Medien anzusehen (sogar Propagandakanäle)“, sagte Yusov.

„Auf diese Weise lernt das Imperium, das um seinen Sicherheitsapparat herum aufgebaut ist, wie man die Dinge weiter verwaltet“, sagte er und wies darauf hin, dass Kreml-Sprecher Dmitri Peskow regelmäßig gebeten wird, öffentlich auf die Gerüchte zu reagieren. „Es ist offensichtlich, dass dies Teil eines bestimmten Plans ist.“

Desinformationen: Angeblicher Kreml-Insider verbreitet Gerücht

Im Laufe des Konfliktes wurde das gezielte Streuen von Desinformationen als Kriegsstrategie eingesetzt. Entweder über den Gegner, aber auch über das eigene System. So tauchten immer wieder Gerüchte auf, dass Putin Doppelgänger habe und selbst nicht mehr an die Öffentlichkeit gehe. Bei diesem neusten Gerücht soll Putin einen Herzinfarkt erlitten haben.

Nach Angaben der russischen Ermittlungsseite Agentstvo reagierten zahlreiche Menschen auf die Meldung. Auf Russlands beliebtester Suchmaschine Yandex soll es etwa eine halbe Million Suchanfragen wie „Putin tot“ gegeben haben. (hk)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Gavriil Grigorov

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