„Auf Zuwanderung angewiesen“

Streit um Syrien-Abschiebungen: Grüne-Ministerin unterstützt Wadephul – und nennt Dobrindt-Pläne „falsch“

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NRW-Ministerin Paul fordert Bleibeperspektiven für integrierte Geflüchtete aus Syrien. Derweil wächst die CDU-Kritik an Außenminister Wadephul.

Berlin/Düsseldorf – Elf Monate nach dem Sturz des Assad-Regimes ist die Sicherheitslage in Syrien immer noch teils angespannt. Manche Städte liegen in Trümmern, und Interimsregierungschef Ahmed al-Scharaa ist umstritten: Er war über Jahre Anführer der islamistischen HTS-Miliz, die in vielen Staaten als Terrororganisation gilt. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich Ende letzter Woche ein Bild vor Ort gemacht. „Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben“, sagte der Minister bei einem Besuch im vom Krieg schwer verwüsteten Harasta, unsere Redaktion hat ihn in Syrien begleitet.

NRW-Fluchtministerin Josefine Paul (Grüne) äußerte sich zu der Debatte um Syrien-Rückkehrer.

Er glaube nicht, dass viele Syrer rasch in ihre Heimat zurückkehren würden. Für die Aussage gab es Kritik aus der eigenen Partei, dort sprach man von einem „Scheinkonflikt“. Der syrische Bürgerkrieg sei vorbei und in weite Teile des Landes sei für die allermeisten ausgereisten Syrer eine Rückkehr zumutbar, sagte etwa der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unionsfraktion, Günter Krings, der Bild. Der Zerstörungsgrad eines Landes sei als Argument gegen eine „freiwillige oder pflichtgemäße Rückkehr“ ungeeignet, sagte Krings.

Anders sieht das Nordrhein-Westfalens Fluchtministerin Josefine Paul (Grüne). Sie stellte am Montag in Düsseldorf ein neuartiges Landesantidiskriminierungsgesetz vor, das Menschen besser vor Benachteiligungen durch Behörden schützen soll. Das Gesetz soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 inkrafttreten, NRW ist das erste Flächenland mit einer solchen Initiative, die es bislang nur im Stadtstaat Berlin gibt.

Wadephul und Debatte um Syrien-Rückkehrer: Dobrindt streicht „Erkundungsreisen“

Am Rande der Pressekonferenz äußerte sie sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media auch zur Syrien-Debatte. „Es gab in den vergangenen Wochen und Monaten viele Anzeichen, die an einer vollkommenen Sicherheit in dieser Region zweifeln lassen. Immer wieder flammen Konflikte in dem Land auf“, so Paul. Es obliege dem Auswärtigen Amt und dem Bundesinnenministerium, zu einer eindeutigen Einschätzung der Sicherheitslage zu kommen. „Es wäre gut, wenn dies anhand der konkreten Lage in Syrien geschehen würde, und nicht rein auf der Basis politischer Erwägungen.“  

In ihrem Bundesland erlebe sie, dass zahlreiche der einst aus Syrien Geflüchteten für die hiesige Gesellschaft unerlässlich seien. „Viele Menschen, die seit 2015 zu uns gekommen sind, haben ja heute eine klare Arbeitsmarktperspektive, das gilt auch für Nordrhein-Westfalen“, so Paul. „Wir sehen anhand von Arbeitsmarktzahlen, dass der Teil derer, die hier sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, mit den Jahren immer weiter angestiegen ist. Inzwischen liegt der Anteil bei über 60 Prozent.“ 

Diejenigen, die sich gut in die Gesellschaft integriert hätten, seien eine wichtige Bereicherung auch für den Arbeitsmarkt. „Und Deutschland und NRW haben mit einem erheblichen Fach- und Arbeitskräftemangel zu kämpfen. Wir sind daher weiterhin auf Zuwanderung angewiesen und werden die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten weiter unterstützen.“

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Die Grünen-Politikerin kritisierte unterdessen Maßnahmen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.  Der CSU-Politiker hatte jüngst entschieden, sogenannte „Erkundungsreisen“ für syrische Flüchtlinge auszuschließen. Die Ampel-Regierung hatte geplant, derartige Reisen zu ermöglichen, um eine Rückkehr nach Syrien vorzubereiten. Jetzt riskieren Syrerinnen und Syrer, die in ihre alte Heimat reisen, ihren Schutzstatus. „Klar ist: Wir alle hoffen auf eine stabile und friedliche Entwicklung in Syrien. Aber aus meiner Sicht ist es wichtig, den Menschen, die freiwillig nach Syrien zurückkehren wollen, Erkundungsreisen zu ermöglichen“, sagte Josefine Paul. „Ich halte es für falsch, dass der Bundesinnenminister Erkundungsreisen ausgeschlossen hat. Sie stärken die Perspektive der freiwilligen Rückkehr.“ (Quellen: Eigene Recherchen, Gespräch mit NRW-Ministerin Josefine Paul, dpa)  

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