Über Rumänien in den Ukraine-Krieg

Wird die Donau zur Militär-Autobahn? Ex-Nato-Beamter fordert Modernisierung des Flusses

  • schließen

Über die Donau könnten Nato-Militärmittel die Front des Ukraine-Kriegs erreichen. Für die Modernisierung der Flussinsfrastruktur wären jedoch Milliardeninvestitionen nötig.

Bukarest – Wie gut ist Europa und die Nato auf den Ernstfall vorbereitet? Immer wieder steht die Frage über einen möglichen direkten Krieg mit Russland im Raum. Immer wieder werden Forderungen nach aktiverer Planung laut. Jetzt hat ein Ex-Nato-Beamter die Modernisierung der Donau gefordert. Der Fluss habe eine zentrale Verbindungsrolle zwischen der Ukraine und Europa und dürfe nicht vernachlässigt werden.

Die Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres – Rumänien und Bulgarien – wollen den Transportkorridor des Flusses optimieren, sagen der ehemalige Nato-Militärkommandant Ben Hodges, der rumänische Politiker George Scutaru und Diplomat Kaush Arha in einem von Euractiv veröffentlichten Artikel. Auch die rumänische Zeitung Jurnalul National berichtet über die Warnung der drei Sicherheitsexperten an Europa, die Rolle der Donau im Kontext des russischen Krieges in der Ukraine zu vernachlässigen.

Die Donau könnte nach der Vorstellung ehemaliger Nato-Beamten zum Transportkorridor für Militärgüter werden (Symbolbild).

Europa im Ukraine-Krieg? Schienennetz kann nur 20 Prozent der möglichen Nato-Mittel transportieren

Die Bereitschaftsfähigkeiten der Nato zur Mobilisierung militärischer Mittel aus Deutschland an die Ukraine durch die bestehenden Schienen- und Straßennetze seien stark eingeschränkt. Berichten zufolge sei das verfügbare Schienennetz nur in der Lage, weniger als 20 Prozent der erforderlichen Ressourcen zu mobilisieren, sagten die Experten.

Die Donau hingegen biete einen vorteilhaften Transportkorridor zur Umsetzung der neuen Nato-Vorwärtsdoktrin beim Transport von Treibstoff, Munition und schwerer Panzerung zu ihren Frontlinien, insbesondere zur gefährdeten Südostfront. Die Streitkräfte der USA nutzen die Nähe ihres Stützpunktes „Coleman Barracks“ zum Rhein schon für Transportzwecke. Ben Hodges fordert bereits seit 2016 eine Art „militärischen Schengenraum“, damit die schnelle Bewegungsfreiheit von US-Truppen und Ausrüstung mit Fahrzeugen durch alle Nato-Staaten Europas ohne Zollformalitäten möglich ist. Darüber berichtete etwa die BBC.

Über Nato-Logistikzentrum bei Ulm könnten Waffen über Donau in die Ukraine gelangen

Ein Nato-Logistikzentrum liegt etwa bei Ulm nahe der Donau. Laut den Autoren könnte diese Verbindung Richtung Osten bis zum Schwarzen Meer im Ukraine-Krieg besser genutzt werden. Der Zugang zum Schwarzen Meer und allgemein eine sichere und moderne Verbindung nach Südosteuropa sei aus mehreren Gründen wichtig. „Es wäre ratsam, dass die NATO und die EU der Modernisierung der Donau für den Militärtransport mit der gebotenen Dringlichkeit Priorität einräumen würden“, sagen die Sicherheitsexperten gegenüber Euractiv.

Flussverlauf der Donau.

Europa solle sich auf die traditionell wichtige Funktion der Donau in Sicherheitsfragen zurückbesinnen. Schon im römischen Reich habe der Fluss diese Funktion erfüllt – und heute könnte die Nutzung der Donau, die durch sieben EU-Staaten und drei EU-Beitrittskandidaten fließt – besser genutzt werden.

Donau modernisieren für Frieden und Wohlstand in Europa

Finanziert werden könne das Modernisierungsprojekt der Donau durch einen Teil der rund 300 Milliarden Dollar schweren russischen Vermögenswerte. „Die EU, die Europäische Investitionsbank und die G7-Gruppe sollten sich abstimmen, um sicherzustellen, dass die Modernisierung der Donau ein vorrangiges Projekt in ihren jeweiligen Initiativen ‚Global Gateway‘ und ‚Globale Partnerschaft für Infrastrukturinvestitionen‘ ist“, sagten die Sicherheitsexperten.

Die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas stehe in direktem Zusammenhang mit der Effizienz seiner Verkehrsinfrastruktur. Europa und die Nato sollten mit starker Unterstützung der USA die strategische Chance nutzen, die Donau für Frieden und Wohlstand in Europa zu modernisieren.

Donau-Infrastruktur nicht nur für Militär, sondern auch für Handel mit Ukraine zentral

Die Donau könnte zudem eine Haupthandelsader werden, um ukrainisches Getreide zu exportieren. Der Fluss könnte eine Vorrangstellung für den Transport landwirtschaftlicher Produkte wie Getreide durch Südosteuropa erlangen – unter anderem aus Österreich, der Slowakei, Ungarn, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine.

„Ein modernisierter Donau-Transportkorridor wird nicht nur die Agrarwirtschaft Südosteuropas und die Nato-Bereitschaft stärken, sondern könnte auch über den Horizont hinausgehende Entwicklungen unterstützen und wäre für den Wiederaufbau der Ukraine von entscheidender Bedeutung“, sagen die Experten. Durch die Verbesserung der kommerziellen Infrastruktur und Konnektivität in ganz Südosteuropa könnte die Attraktivität der Region für die industrielle Entwicklung erhöht werden, um das Risiko europäischer und globaler Lieferketten zu verringern.

Rubriklistenbild: © IMAGO/U.S. Army

Kommentare