Von Georg Anastasiadis
schließen
Linken Terror beklagt der Regierende Bürgermeister in Berlin. Wie kann es sein, dass es in 15 Jahren trotz zahlreicher Brandanschläge noch keine Festnahmen gab? Der Merkur-Kommentar.
„Villenviertel lahmlegen. Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten“, hatte die linksextremistische „Vulkangruppe“ schon 2025 gedroht. In Berlin, wo links zu sein als schick gilt, gerne auch etwas radikaler, hat das niemanden besonders aufgeregt – und auch nicht, dass die Gruppe seit 2011 bereits über ein Dutzend Brandanschläge auf die kritische Infrastruktur verübt hatte, ohne je zur Rechenschaft gezogen zu werden. Festnahmen gab es jedenfalls keine. Auch nicht nach dem Angriff auf das Tesla -Werk in Grünheide. Wie kann das sein? Welche Behörden waren da auf dem linken Auge blind?
In Teilen Berlins blieb es die letzten Tage dunkel: Bis zu 45.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom, nachdem die linksextreme Vulkangruppe eine Kabelbrücke angezündet hatte.
© RALF HIRSCHBERGER/AFP Montage: IPPEN.MEDIA
Umso böser ist jetzt, nach dem verheerenden Stromausfall im Promi-Viertel Zehlendorf , das Erwachen: Zehntausende Menschen tagelang ohne Wärme und Strom bei klirrender Kälte, ein stammelnder, um Ausreden ringender Regierender Bürgermeister und eine AfD , die sich die Hände reibt. Das hat Berlin wieder prima hingekriegt.
Zahlreiche Brandanschläge, aber keine Festnahme. Wie kann das sein?
Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkurs Berlin im Fokus linksextremer Gewalt: Ampel-Gesetz zum Schutz der Infrastruktur kontraproduktiv Schon klar: Einen von Saboteuren herbeigeführten Blackout kann es jederzeit auch anderswo geben. Die Politik redet seit Putins Überfall auf die Ukraine viel von „Resilienz“ und „Wehrfähigkeit“ , doch liefert das Ampel-Gesetz von 2025 zum Schutz der kritischen Infrastruktur mehr Bürokratie als neue Schutzstandards, klagen Experten. So müssen etwa Planungs- und Infrastrukturunterlagen offengelegt werden. Potenzielle Angreifer finden also oft detaillierte Karten, Standortinformationen sowie Leitungs- und Trassenverläufe frei im Internet. Dümmer geht es kaum.
Energiewende, Schengen-Erweiterung und Frieden im Nahen Osten: Die guten Nachrichten aus 2025 Der Traum von einem geeinigten Europa der offenen Grenzen nahm auch 2025 weiter Form an. Zum 1. Januar traten Rumänien und Bulgarien als neue Mitglieder vollständig dem Schengen-Raum bei. © Denislav Stoychev/imago Damit gehören mittlerweile 29 Staaten dem Schengen-Raum an. Personengrenzkontrollen finden innerhalb des Schengengebiets in der Regel nicht statt. © Denislav Stoychev/imago Die Aufnahme von neuen Mitgliedern erfolgt durch einstimmige Zustimmung aller anderen Mitglieder. Österreich hatte als letztes Mitglied ein Veto gegen die Aufnahme von Bulgarien und Rumänien zurückgezogen. Beide Länder hatten seit 2011 auf den Beschluss gewartet. © Borislav Troshev/imago Auch für die Energiewende war 2025 als Jahr ein Meilenstein. Im ersten Halbjahr wurde weltweit erstmals mehr Strom aus Erneuerbaren Energien produziert als aus Kohle. Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien stiegt im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent. © Henning Kaiser/dpa Morgenstimmung in Brandenburg - Wetter Das Wissenschaftsmagazin „Science“ hat die weltweiten Zugewinne bei Erneuerbaren Energien gar zum „Durchbruch des Jahres 2025“ gekürt. In der aktuellen Situation könnte man schon in wenigen Jahren einen Meilenstein erreichen, ab dem die weltweiten Emissionen aus fossilen Brennstoffen nur noch sinken werden. © Patrick Pleul/dpa Eröffnung des größten deutschen "Agri-PV-Parks" Großer Treiber dieses Booms bei den Erneuerbaren ist vor allem China. Viele der Technologien, die zu dem bemerkenswerten Aufstieg der Erneuerbaren geführt hätten, seien in den USA entwickelt worden, „doch die Weiterentwicklung, Perfektionierung und industrielle Fertigung dieser Technologien haben in China stattgefunden.“ China ziehe daraus erhebliche wirtschaftliche Vorteile und liefere 80 Prozent der weltweiten Solarzellen, 70 Prozent der Windturbinen und 70 Prozent der Lithiumbatterien. © Jens Büttner/dpa LGBTQ Artists Woody And Ote Get Married In Thailand Ebenso gab es im Jahr 2025 weitere Fortschritte für die LGBTQ-Community zu vermelden. Thailand führte am 22. Januar als 39. Land weltweit, die gleichgeschlechtliche Ehe ein. © Matt Hunt/imago THAILAND SAME SEX MARRIAGE Das Königreich ist damit das erste Land in Südostasien, dass die „Ehe für alle“ eingeführt hat. Bereits am ersten Tag gaben sich hunderte Paare in der Hauptstadt Bangkok das Jawort. © Wissarut Weerasopon/imago Staatsfeiertag in Liechtenstein Drei Wochen zuvor – am 1. Januar 2025 – haben auch gleichgeschlechtliche Paare im Fürstentum Liechtenstein die Möglichkeit zu heiraten oder eine eingetragene Partnerschaft umwandeln zu lassen. © Gian Ehrenzeller/dpa Second day of the conclave: Waiting in St Weißer Rauch über der sixtinischen Kapelle. Nach dem Tod von Papst Franziskus im April wählte das Konklave im Mai ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche. Nur wenige Monate nach der Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident war die Sorge groß, dass sich der in den USA vollzogene „Vibe-Shift“ auch auf den Vatikan ausweiten könnte. © imago Kardinäle stehen auf einem Balkon des Petersdoms während der neu gewählte Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, nach dem Konklave auf der Loggia des Petersdoms im Vatikan spricht. Sollte auf den für die katholische Kirche liberalen Franziskus ein religiöser Hardliner folgen? Zu den Favoriten auf die Wahl zum Papst zählte unter anderem der erzkonservative ungarische Kardinal Peter Erdő, der sich öffentlich zur restriktiven Migrationspolitik von Viktor Orbán bekannt hatte. Mit Raymond Leo Burke gehörte sogar ein erklärter Trump-Unterstützer dem Konklave an. Doch am Ende sollte es anders kommen. © Oliver Weiken/dpa Generalaudienz des Papstes im Vatikan Für zahlreiche Beobachter überraschend fiel die Wahl auf den US-Kardinal Robert Francis Prevost. Papst Leo XIV. gilt als Kosmopolit und Brückenbauer. Seine Wahl wird als Kompromiss zwischen dem konservativen und liberalen Lager der katholischen Kirche bewertet. © Alessandra Tarantino/dpa Sharm El-Sheikh Peace Summit in Egypt Im Oktober 2025 einigten sich Vertreter Israels und der Hamas als Reaktion auf eine US-Initiative auf einen Friedensdeal für den seit 2023 andauernden Krieg im Gazastreifen. Auch wenn die humanitäre Lage im Küstengebiet weiter katastrophal und eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt weit entfernt ist, wurde der Deal als Durchbruch gewertet. © Mustafa Kamaci/imago Nahostkonflikt - Rückkehr der Geiseln Vor allem ermöglichte das Abkommen die Freilassung der im Rahmen des Terrorangriffs der Hamas entführten israelischen Geiseln. Demonstrierende hatten seit dem Beginn des Kriegs immer wieder Druck auf Premierminister Netanjahu ausgeübt, auf die Freilassung der Geiseln hinzuwirken. © Ilia Yefimovich/dpa Nahostkonflikt - Rückkehr der Geiseln Bar Kupershtein (Bild) und 19 weitere Geiseln wurden daraufhin nach knapp zwei Jahren in den Händen der Hamas freigelassen und konnten nach Israel zurückkehren. Für 28 verstorbene Geiseln kam das Abkommen zu spät. Israel hatte im Gegenzug etwa 250 palästinensische Häftlinge freigelassen, die zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurden. © Ilia Yefimovich/dpa Ukraine-Krieg - Donezk Einen Friedensdeal für die Ukraine gab es auch im dritten Kriegsjahr nicht. Trotzdem erwehrt sich Kiew auf dem Schlachtfeld in der Ostukraine weiterhin erfolgreich gegen einen schier übermächtigen Gegner. In wenigen Tagen wollte Russlands Präsident Wladimir Putin nach dem Überfall im Februar 2022 die ukrainische Hauptstadt erobern. Jetzt dürfte der Krieg wohl in sein viertes Jahr gehen. © Iryna Rybakova/dpa Ukraine-Beratungen in Berlin Ungebrochen ist dabei auch der Zusammenhalt der europäischen Verbündeten. Selenskyj bekam zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit Rückhalt aus Berlin, Paris, London und Co. Die europäischen Staats- und Regierungschefs arbeiten gemeinsam mit Kiew an einem würdigen Friedensabkommen für den Ukraine-Krieg. © Lisi Niesner/dpa Ukraine-Krieg - Witkoff in Moskau Putin hingegen lief auch 2025 seinen Kriegszielen hinterher. Auch wenn die russischen Streitkräfte an der Front vorrücken konnten, hält die Ukraine weiterhin Teile des Donbass. Jeder Tag, an dem Putin seine Kriegsziele auf dem Schlachtfeld nicht erreicht, könnte den Druck auf den Kreml erhöhen, einer Verhandlungslösung zuzustimmen. © Alexander Kazakov/dpa Nach Angriff am Bondi Beach Dass auch die dunkelsten Momente des Jahres eine Möglichkeit für Hoffnung geben, zeigte sich im Rahmen des Terroranschlags am Bondi Beach im Dezember. Zwei bewaffnete Angreifer hatten wohl gezielt auf Juden geschossen, die an einer Feier zum Auftakt des achttägigen jüdischen Festes Chanukka teilgenommen hatten. 15 Menschen wurden getötet. © Flavio Brancaleone/dpa Sydney citizen hero disarms attacker during Bondi Beach shooting Nach dem Anschlag ging ein Video viral, dass das selbstlose Eingreifen eines Passanten gegen einen der Täter zeigte. Die Aufnahmen zeigten den 43-jährige Ahmed al-Ahmed, wie er sich zwischen zwei Autos an einen der Schützen heranschlich und diesen nach Handgreiflichkeiten entwaffnen konnte. © Agenzia Fotogramma/imago Governor-General of Australia visits Syrian 'hero' who tackled attacker during beach shooting Der in Syrien geborene al-Ahmed wurde im Nachgang als „Held vom Bondi Beach“ gefeiert und bekam im Krankenhaus auch Besuch von Australiens Premierminister Anthony Albanese und weiteren Staatsträgern. Eine für den Obstverkäufer eingerichtete Petition sammelt innerhalb weniger Tage über eine Million Euro. © IMAGO/Governor-General of Australia / Handout Former Belarusian Political Prisoners Arrive In Warsaw, Poland - 18 Dec 2025 Gute Nachrichten kamen im Dezember 2025 auch aus Belarus. Dort wurden 123 Häftlinge aus verschiedenen Ländern begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen – darunter auch zahlreiche belarussische Oppositionelle. Allen voran die prominente belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa und der Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki. © Volha Shukaila/imago Sentencing hearing for Belarus opposition activists Kolesnikova and Znak Die 43-jährige Kolesnikowa gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Opposition in Belarus. Sie hatte an der Seite der im Exil lebenden belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja die Massenproteste gegen Lukaschenko im Jahr 2020 mit angeführt. Als eine der wenigen führenden belarussischen Oppositionellen entschied sie sich gegen die Flucht ins Exil und wurde 2021 zu elf Jahren Haft wegen „Verschwörung zur Machtergreifung“ verurteilt. © IMAGO/Stringer Belarusian opposition figures released from captivity Die Freilassung der Gefangenen erfolgte auf US-Vermittlung. Vor den Freilassungen hatte der US-Gesandte John Coale bei einem Besuch in Belarus gesagt, dass die US-Sanktionen gegen belarussische Kalium-Exporte aufgehoben würden. Kalium, ein wichtiger Rohstoff bei der Düngemittel-Herstellung, ist ein wichtiges Exportgut des Landes. Nach der Freilassung wollen die 20 Oppositionellen von Litauen aus ihre Oppositionsarbeit fortsetzen.. © Maksym Kishka/imago Bundestag - Vereidigung Bundesminister Zum Ende des Jahres hat die sonst so zerstrittene Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz den Beitritt Deutschlands zum UN-Hochseeschutzabkommen beschlossen. Mit dem 2023 vereinbarten Abkommen wird erstmals weltweit die Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf hoher See möglich. Es sieht gemeinsame Standards zum Meeresschutz vor und soll Umweltprüfungen von menschlichen Aktivitäten im Ozean ermöglichen. © Michael Kappeler/dpa UN-Hochseeschutzabkommen „Die Ozeane sind überlebenswichtig für uns Menschen“, erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). „Sie erzeugen Sauerstoff, versorgen uns mit Nahrung und sind das größte Ökosystem des Planeten. Zugleich sind die Ozeane stark belastet durch Plastikmüll, Überfischung, Chemikalien und Klimawandel. Umso wichtiger sind Gebiete, in denen die Meeresnatur sich wieder erholen kann.“ © Annika Hammerschlag/dpa Bilder des Jahres 2025, News 06 Juni News Bilder des Tages UNO in New York, Sitzung der Generalversammlung NEW YORK, NY Das UN-Hochseeschutzabkommen sei „der größte internationale umweltpolitische Erfolg der letzten Jahre“, betonte Schneider. Es schaffe „erstmals weltweite gemeinsame Regeln für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf hoher See“. Deutschland arbeite schon jetzt mit Partnern aus Afrika, Südamerika und Asien daran, „bald erste Schutzgebiete in den Ozeanen ausweisen zu können“. © Liao Pan/imago Doch richtig ist eben auch, dass „antikapitalistische“ Gewaltfantasien zur Beendigung „imperialer Lebensweisen“ und zur Rettung des Klimas nirgendwo so gut gedeihen wie im Biotop Berlin. Dort darf sich die Partei „Die Linke “, der der Verfassungsschutz „linksextremistische Teilstrukturen“ bescheinigt, Hoffnung machen, die Wahl im September zu gewinnen. Dass ausgerechnet sie sich zur Kümmererpartei in Zehlendorf aufschwingt, wo linker Terror nicht etwa die Reichen, sondern Alte und Pflegebedürftige am härtesten getroffen hat, ist ein schlechter Witz.
Rubriklistenbild: © RALF HIRSCHBERGER/AFP Montage: IPPEN.MEDIA