Putins Wende im Ukraine-Krieg: Eine Zahl aus Militär-Studie versetzt NATO-Analysten in Sorge
VonKonstantin Ochsenreiter
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Ein Bericht zeigt: Russlands Armee rüstet im Ukraine-Krieg auf. 292.000 neue Rekruten, moderne Panzer und Drohnen – die Bedrohung wächst stetig weiter.
Berlin – Aktuellen Zahlen und Beobachtungen deuten auf eine klare Strategie Putins hin: Russland ist nicht nur auf einen langen Krieg vorbereitet, sondern sichert diesen jetzt auch aktiv ab. Mit mehreren zehntausenden neuen Rekruten, fabrikneuen Panzern und hoch entwickelten Drohnensystemen vermutet das Institute of War (ISW) jetzt eine „strategische Reserve“, die im Schatten auf ihren großen Einsatz im Ukraine-Krieg wartet.
Wladimir Putin bereitet sich offenbar auf einen langen Krieg vor: Die neuen Rekruten und moderne Ausrüstung deuten auf eine strategische Reserve hin. Die Analysten der NATO werden nun mit Nachdruck herausfinden wollen, wann und wo diese eingesetzt wird. (Montage)
Russische Rekrutierung: 292.000 neue Verträge seit Juli
Ein neuer Bericht aus dem Institute of War (ISW) sorgt nun für Aufsehen: Unter Berufung auf eine russische Quelle, gab das Institut an, dass sich seit Juli 2025 etwa 292.000 Personen beim russischen Verteidigungsministerium unter Vertrag genommen haben. Zum Vergleich, die Bundeswehr zählt derzeit etwa 260.000 Angehörige – allerdings nur 182.984 in Uniform und 80.602 Zivile.
Putins Faustpfand: Weniger Verluste, mehr Rekruten im Ukraine-Krieg
Ein weiterer Umstand dürfte NATO-Analysten Sorge bereiten: Im April vermeldete Defence Blog, der russische Rüstungskonzern Rostec habe eine neue Lieferung von BMP-3 Schützenpanzern an die russischen Streitkräfte herausgegeben. Laut Rostec wurden die Fahrzeuge von einer Tochtergesellschaft, der Holding High-Precision Systems, hergestellt und mit mehreren Verbesserungen ausgestattet. Die Schützenpanzer sollen an moderne Bedrohungen angepasst werden, und wurden laut dem russischen Rüstungskonzern mit zusätzlichen Panzerungssätzen, Lamellenpanzerungssieben und schnell abnehmbaren Anti-Drohnen-Käfigen versehen. Um eine Wärme- oder Radarsignatur zu umgehen, seien die BMP-3 außerdem mit Abdeckungen aus flammhemmenden Materialien ausgestattet, wie der Defence Blog berichtet. Der Schützenpanzer kann einen siebenköpfigen Infanterietrupp aufnehmen, und wäre in der Lage bei Vorstößen Feuerschutz bieten.
Das Beunruhigende: Laut la repubblica wurde der Einsatz gepanzerter Fahrzeuge seit dem Frühjahr reduziert und beschränkte sich vorrangig auf ältere Modelle. Die neuen Panzer, wie die neu georderten T90M, BMP-3 und BMPT, seien weder im Donbass noch in Saporischschja zu beobachten. Putins Faustpfand umfasst damit womöglich nicht nur eine immense Anzahl neuer Rekruten, sondern auch fabrikneuer Kampfvehikel.
Drohnenoffensive: Russlands neue Taktik im Ukraine-Krieg
Laut ISW arbeiten die russischen Streitkräfte zeitgleich an neuen Drohnentechnologien. Das Institut verweist auf einen Militär-Blogger. Dieser berichtet, die neu entwickelten Glasfaser-FPV-Repeater-Drohnen könnten eine Reichweite von 50 bis 60 Kilometern erzielen – herkömmliche Modelle erreichen lediglich 25 bis 30 Kilometer. Die neuen Drohnen wären damit in der Lage, die ukrainische Logistik gezielt zu stören.
Die Drohnen sind resistent gegen ukrainische elektronische Kriegsführung und ermöglichen präzise und tiefe Schläge ins ukrainische Hinterland. Ukrainische Militärs bestätigen laut ISW, dass russische Streitkräfte systematisch Logistikrouten, Depots und Evakuierungswege angreifen, was eine deutliche Zunahme im Vergleich zu 2024 darstellt.
EU-Gipfel in Gefahr: Bundeswehr unterstützt Dänemark
Parallel dazu testet Russland weiterhin die Grenzen der NATO-Luftverteidigung. Zuletzt bat die dänische Regierung die Bundeswehr um Hilfe, bei der Sicherung des kommenden EU-Gipfels in Kopenhagen. Verteidigungsminister Boris Pistorius und Generalinspekteur Carsten Breuer planen bei der Abwehr kleiner unbemannter Flugsysteme zu unterstützen.
Was das vermehrte Aufkommen der Drohnen in Dänemark betrifft, gingen Ermittler laut dpa von einem professionellen Akteur mit den nötigen Fähigkeiten aus. Die russische Botschaft in Dänemark wies diese Vermutungen in einer Mitteilung zurück. Auch Deutschland ist betroffen: Am 21. September fingen zwei Eurofighter ein russisches Aufklärungsflugzeug vom Typ IL-20M ab, das nach Angaben der Luftwaffe ohne Flugplan und Funkkontakt über der Ostsee unterwegs war. (Quellen: ISW, la rebbublica, Bundeswehr, Defense Blog, Rostec, dpa, afp) (kox)