Nahost-Eskalation: Iran bereitet Vergeltungsschläge auf US-Stützpunkte vor
VonChristoph Gschoßmann
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Die USA könnten schon bald in den Nahost-Konflikt eingreifen. Der Iran bereitet sich bereits intensiv auf diese Möglichkeit vor.
Teheran – Die Lage in Nahost eskaliert immer schneller. Auch auf andere Länder könnte der Konflikt zwischen Iran und Israel bald übergreifen. So hat laut eines Berichts der New York Times der Iran Raketen und andere militärische Ausrüstung für Angriffe auf US-Stützpunkte im Nahen Osten vorbereitet, falls sich die USA dem Krieg in Israel und dem Iran anschließen sollten. Das Blatt beruft sich dabei auf amerikanische Beamte, die Geheimdienstberichte geprüft haben.
USA schicken Tankflugzeuge nach Europa
Washington ist bereits aktiv geworden, nachdem der Konflikt ausgebrochen war: Die Vereinigten Staaten haben etwa drei Dutzend Tankflugzeuge nach Europa geschickt, die Kampfjets beim Schutz amerikanischer Stützpunkte unterstützen oder die Reichweite von Bombern bei einem möglichen Angriff auf iranische Atomanlagen erweitern könnten.
Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert
Jerusalem drängt die Amerikaner, in den Konflikt einzugreifen. Laut der Bericht wird die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz mit ziemlicher Sicherheit ihre Angriffe auf Schiffe im Roten Meer wieder aufnehmen, sollten sich die Vereinigten Staaten der israelischen Kampagne anschließen. Israel ist bei einem möglichen Angriff auf wichtige iranische Atomanlage Fordo auf US-Hilfe angewiesen. Zudem glauben die Quellen, dass pro-iranische Milizen im Irak und in Syrien wahrscheinlich versuchen würden, dortige US-Stützpunkte anzugreifen. Andere Regierungsvertreter erklärten, dass der Iran im Falle eines Angriffs die Straße von Hormus verminen könnte, um amerikanische Kriegsschiffe im Persischen Golf festzuhalten.
Höchste Alarmbereitschaft für US-Streitkräfte in Nahost
Die USA scheint zumindest für den Ernstfall bereit. Kommandeure verhängten höchste Alarmbereitschaft für amerikanische Truppen auf Militärstützpunkten in der gesamten Region, darunter in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien und Saudi-Arabien. Über 40.000 Soldaten hat Washington im Nahen Osten stationiert. US-Beamte erklärten, der Iran brauche keine großen Vorbereitungen, um amerikanische Stützpunkte in der Region anzugreifen. Das iranische Militär verfügt über Raketenbasen in Reichweite von Bahrain, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Zwei iranische Regierungsvertreter räumten bereits ein, dass das Land US-Stützpunkte im Nahen Osten, beginnend mit denen im Irak, angreifen würde, falls sich die USA dem Krieg Israels anschließen sollten. Der Iran würde auch alle amerikanischen Stützpunkte in arabischen Ländern angreifen, die sich an einem Angriff beteiligen, so die beiden Regierungsvertreter.
Iran sieht Schuld bei Israel und seinen Unterstützern
„Unsere Feinde sollten wissen, dass sie mit militärischen Angriffen auf uns keine Lösung erreichen und dem iranischen Volk ihren Willen nicht aufzwingen können“, sagte der iranische Außenminister Abbas Araghchi am Montag in einer Erklärung. Araghchi erklärte seinen europäischen Amtskollegen in Telefongesprächen, dass im Falle einer Ausweitung des Krieges die Schuld bei Israel und seinen wichtigsten Unterstützern läge.
Der zyprische Verteidigungsminister Vassilis Palmas hat bestätigt, dass US-amerikanische Militärflugzeuge auf dem Luftwaffenstützpunkt der zyprischen Stadt Paphos angekommen sind. Es handele sich dabei nicht um Kampfflieger, sondern um Transportflugzeuge, sagte er im Fernsehen.
Trump verschärft Tonfall gegen den Iran
Zyprische Medien berichteten außerdem von Tankflugzeugen, die Kampfjets in der Luft betanken können. Um wie viele Maschinen es sich handelt, wurde zunächst nicht bekannt. Am Wochenende hatte es Berichte in US-Medien gegeben, wonach das Militär Dutzende Tankflugzeuge nach Europa verlegt hat, um sie im Bedarfsfall schnell im Nahen Osten einsetzen zu können. Tankflugzeuge sind wichtig für die Logistik großer Kampfeinsätze – sie erlauben Kampfjets, deutlich länger in der Luft zu bleiben, oder auch größere Distanzen zu Angriffszielen zurückzulegen.
Zuvor hatte Donald Trump seinen Tonfall gegenüber der Regierung in Teheran erheblich verschärft. In einer Reihe von Botschaften auf Truth Social schrieb Trump neben seinem Aufruf zur Kapitulation, die USA wüssten, wo sich Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei verstecke – es gebe aber „zumindest vorerst“ keine Absicht, ihn zu töten. Er unterstrich zudem, der Luftraum über dem Land sei vollständig unter Kontrolle. (cgsc mit dpa)