Braucht es US-Hilfe?

Gegen Irans Atom-Festung – Israel ist auf US-Hilfen angewiesen

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Der Atom-Komplex Fordo könnte eine wichtige Rolle beim Bau einer Atombombe spielen – doch blieb bisher von Israels Angriffen verschont. Dafür bräuchten sie US-Hilfe.

Teheran – Bis zu 90 Meter tief unter der Erde liegt das Zentrum des iranischen Atomprogramms. In der 5500 Quadratmeter großen Anlage Fordo reichert der Iran mir etwa 3000 Zentrifugen waffenfähiges Uran an. Der Komplex ist damit zwar kleiner als Natans, aber wichtiger für mögliche militärische Pläne.

Nach tagelangen israelischen Luftangriffen gehen US-Geheimdienste nun davon aus, dass Israel das iranische Atomprogramm bislang nur um wenige Monate zurückgeworfen haben könnte, so die New York Times. Obwohl Israel die iranische Anlage Natans mit Angriffen erheblich beschädigt hat, bleibt Fordo unberührt.

Nahost-Eskalation: Atom-Festung Fordo – Iran könnte in Kürze Material für 9 Uran-Bomben liefern

US-Geheimdienste sehen aktuell keine Bedrohung: Der Iran strebe nicht aktiv nach einer Atomwaffe – und sei auch bis zu drei Jahre davon entfernt, eine solche zu produzieren und zu liefern. Das sagten vier mit der Analyse vertraute Personen gegenüber CNN.

Gleichzeitig erklärte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), der Iran habe 408 Kilogramm angereichertes Uran gelagert. Innerhalb von drei Wochen könne es auf Waffenqualität angereichert werden – um daraus neun Atombomben zu bauen.

Die Herausforderung für den Iran bestehe nicht nur darin, eine einfache Atomwaffe zu produzieren – was laut Experten innerhalb weniger Monate möglich wäre, wenn der Iran sich dazu entschließen würde –, sondern auch darin, ein funktionsfähiges Trägersystem zu entwickeln, was deutlich länger dauern könnte.

Der Atom-Komplex Fordo liegt nahe der Stadt Ghom südlich von Teheran.

Irans Atomanlagen: Israel kann Atomfestung nicht alleine zerstören – Hilfe der USA nötig

Israel behauptet, die Anlage im aktuellen Konflikt bereits angegriffen zu haben, doch auf frei zugänglichem Bildmaterial sind bislang keine Schäden erkennbar. Ohne spezifische US-Waffen und Luftunterstützung sei Israel nicht in der Lage, Fordo großflächig zu beschädigen, sagen Verteidigungsexperten. „Israel kann diese Atomanlagen überwachen und sie funktionsunfähig machen, aber wenn man sie wirklich zerstören will, braucht es entweder einen US-Militärschlag oder einen Deal“, sagte Brett McGurk, ehemaliger Spitzendiplomat im Nahen Osten unter den Regierungen Trump und Biden gegenüber CNN.

Der Komplex liegt so tief, dass selbst modernste US-Bunkerbrecher ihn kaum erreichen könnten. Eine der wenigen Waffen im amerikanischen Arsenal, die möglicherweise in diese Tiefe vordringen kann, ist die GBU-57 MOP (Massive Ordnance Penetrator), so der Spiegel. Diese rund 14 Tonnen schwere Bombe ist dafür gebaut, bis zu 60 Meter verstärkten Beton zu durchdringen. Bunkerbrechende Waffen verfügen über besonders widerstandsfähige Hüllen und explodieren erst mithilfe eines verzögerten Zündmechanismus in der Tiefe.

„Negative Reaktionen“: Einsatz von US-Bunkerbrechern hätten verheerende Folgen

Ein Einsatz amerikanischer Bunkerbrecher hätte vermutlich auch enorme internationale Folgen. So könnte ein solcher Angriff zu einer nuklearen Verseuchung führen, die Zivilisten gefährden könnte. „Ich denke, es würde sicherlich auch international zu negativen Reaktionen kommen, wenn die USA sich Israel bei einem als illegal angesehenen Angriff auf die iranische Souveränität angesehenen Angriff angeschlossen hätten“, sagte General Joseph Votel, der während Trumps erster Amtszeit Kommandeur des US Central Command war, gegenüber der New York Times. Militäranalysten zufolge könnte der Iran seine Vergeltungsschläge auf US-Truppen und andere amerikanische Ziele in der Region und darüber hinaus ausweiten.

Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert

Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv.
Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv. Ausgelöst werden sie vom Iron Dome, dem Raketenschutzschirm über Israel, der hier ballistische Geschosse aus dem Iran abfängt. © Ohad Zwigenberg/dpa
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran.
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran. © Ilia Yefimovich/dpa
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen.
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen. © IMAGO/FatemehBahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Iran von Raketen aus Israel angegriffen – Gebäude stark beschädigt. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Israelischer Angriff beschädigt Gebäude in Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff.
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff. © IMAGO/Samir Abdalhade
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Ariel Schalit/dpa
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Der Iron Dome in Aktion
Der Iron Dome in Aktion: Raketen aus dem Iran, die in Richtung Tel Aviv flogen, werden von dem Flugabwehrsystem Israels abgefangen.  © Oded Balilty/dpa
dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen.
Doch auch dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen. Immer wieder kommen ballistische Geschosse durch und richten wie hier in Tel Aviv große Schäden an. © Baz Ratner/dpa
Raketenangriffe aus dem Iran
Aufgrund der Raketenangriffe aus dem Iran müssen immer wieder Gebäude und Bezirke in Tel Aviv und anderen Teilen Israels evakuiert werden. Diese Personen mussten ihr Wohnhaus in der israelischen Millionenmetropole aufgrund eines Raketeneinschlags verlassen. © Baz Ratner/dpa
Israelische Sicherheitskräfte inspizieren zerstörte Gebäude, die von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurden.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz
Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz in offiziellen Bunkeranlagen, von denen es im ganzen Land mehrere gibt. In Tel Aviv wurde eine Tiefgarage zu einem Luftschutzbunker für die Bevölkerung umfunktioniert. Eine Frau hat sich ihr Kind umgebunden und kühlt den Nachwuchs mit einem Hand-Ventilator, während sie auf das Ende der Raketenangriffe aus dem Iran wartet. © Baz Ratner/dpa
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde.
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde. © Vahid Salemi/dpa
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf.
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf. © Vahid Salemi/dpa
Israelische Luftangriffe in Teheran
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Israelischer Luftangriff auf Treibstoffdepot im Teheraner Stadtteil Shahran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Flammen erleuchten die Skyline hinter dem ikonischen Milad Tower in Teheran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv.
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
Folgen des iranischen Raketenangriffs in Bat Yam, nahe Tel Aviv
Aufräumarbeiten nach iranischem Raketenangriff in Bat Yam – Nahe Tel Aviv, Israel. © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
ranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – Vorort von Tel Aviv
Bat Yam, Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt, als es von einer iranischen Rakete getroffen wurde © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – einem Vorort von Tel Aviv
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.  © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.
Ein Gebäude in der Stadt Bat Yam, einem Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde.
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde. © IMAGO/Iranian Red Crescent
Das iranische Luftabwehrsystem feuert in der Nähe des Milad Tower Schüsse ab, die auf israelische Drohnen gerichtet sind.
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde © Vahid Salemi/dpa

„Notfallpläne“: Israel könnte Spione oder Spezialkräfte gegen Irans Atomanlage einsetzen

Alternativ könnten die Israelis versuchen, Zugang zur Anlage von innen zu erlangen – etwa durch das Einschleusen von Spionen oder den Einsatz von Spezialkräften. Yechiel Leiter, Israels Botschafter in den Vereinigten Staaten, deutete in der ABC-News-Sendung „This Week“ an, dass es verschiedene Optionen gebe: „Wir haben eine Reihe von Notfallplänen, die es uns ermöglichen werden, mit Fordo fertig zu werden“, sagte er. „Nicht alles lässt sich nur auf den Luftangriff und den Fernangriff beschränken.“ (hk)

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