Explosionen lassen Häuser erzittern

Sorge im Sudan: Gefährliche Evakuierungsmission der Bundeswehr abgebrochen

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Mit drei A400M-Transportfliegern wollte die Bundeswehr offenbar Deutsche aus dem Sudan holen. Die Evakuierungsmission scheiterte.
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Alptraum im Sudan: Wegen anhaltender Kämpfe zwischen Militärs und Paramilitärs scheiterte eine Evakuierung der Bundeswehr, die Deutsche aus dem Land holen sollte.

Update vom 19. April, 12.12 Uhr: Wie der Spiegel berichtet, scheiterte am Mittwoch die geplante Evakuierungsmission der Bundeswehr. In einer Geheimoperation sollten rund 150 Deutsche aus Khartum ausgeflogen werden. Die gefährliche Mission musste jedoch abgebrochen werden.

Geplant sei gewesen, mit drei riesigen Transportfliegern Diplomaten, Polizisten, Entwicklungshelfer und andere Deutsche aus dem Sudan auszufliegen. Wegen neuer Kämpfe und Luftangriffe habe die Bundeswehr ihr Vorhaben abbrechen müssen. Die Transportflieger sollen nun offenbar nach Deutschland zurückkehren.

Sorge im Sudan: Bundeswehr bereitet Evakuierung vor - US-Diplomaten geraten unter Beschuss

Khartum - Vergangene Woche dachten die Menschen im Sudan noch, die Armee habe eine Mauer um ihr Hauptquartier gebaut, um sich gegen ein Protestcamp von jungen Demonstranten zu schützen. Die hatten seit vier Jahren Demokratie und eine zivile Regierung gefordert. Doch die Mauer sollte offenbar den Armeechef Abdel Fattah al-Burhan vor seinem Konkurrenten Mohamed Hamdan Daglo schützen, schreibt der Afrika-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Nun stehe das Land vor einem Bürgerkrieg, an dem sich keine Bürger beteiligen, vor einem Putsch im Putsch. Das Hauptquartier der Armee brannte am Wochenende.

Rauch steigt aus einem Wohnviertel in Khartum auf.

In vier Tagen blutiger Auseinandersetzung starben rund 200 Zivilistinnen und Zivilisten, mehr als 1.800 sollen verletzt worden sein. Am Montag wurde der EU-Botschafter in seiner Residenz angegriffen, am selben Tag geriet ein US-Diplomatenkonvoi unter Beschuss, offenbar durch Kämpfer, die mit den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) in Verbindung stehen. US-Außenminister Anthony Blinken telefonierte am Rande eines G7-Treffens laut der Agentur Reuters mit den Konfliktpartnern: Er habe dem RSF-Anführer General Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemedti, und Armeechef General Abdel Fattah al-Burhan deutlich gemacht, „dass jegliche Angriffe, die unsere Diplomaten bedrohen oder gefährden, völlig inakzeptabel sind“.

Sudan: Bundeswehr bereitet Evakuierung vor

Der Führer der Paramilitärs verkündete eine 24-stündige Waffenruhe, die ab Dienstagabend gelten soll, aber auf keinen Fall verlängert werde. Ob sich die Lage wieder beruhigen kann? Die USA seien sehr besorgt wegen der angespannten Sicherheitslage, von der die Zivilbevölkerung, Diplomaten und die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen betroffen seien, sagte Blinken auf einer Pressekonferenz im japanischen Karuizawa.

RSF-Anführer Mohamed Hamdan Daglo auf einem Archivbild von 2019

Die Bundeswehr bereitet sich wegen der Kämpfe im Sudan darauf vor, das Auswärtige Amt im Falle einer militärisch abgesicherten Evakuierung deutscher Staatsbürger zu unterstützen. „Die Bundeswehr verfügt über spezialisierte Kräfte, die sich fortlaufend auf das Szenario einer Evakuierungsoperation vorbereiten und dafür permanent abrufbereit gehalten werden“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos am Dienstag. Vorbereitet werde eine Unterstützung bei einer möglichen Rückführung von Deutschen und weiteren zu schützender Personen, sagte der Sprecher des Einsatzführungskommandos, ohne aber Details zu nennen.

Sudan: Frau und zwei Kinder sterben - Menschen in Khartum harren in Häusern und Hotels aus

Für die Bevölkerung des Sudan hat sich das Leben seit dem Wochenende radikal geändert. Nach Informationen der sudanesischen News-Plattform Dabanga harren viele Menschen in der Hauptstadt in Büros, Hotels und fremden Häusern aus, in denen sie Zuflucht gefunden haben. Sichere Passagen für Einkäufe, oder auch die für Rettungsdienste würden über soziale Netzwerke geteilt. „Die Mauern unsere Häuser zittern wegen der Explosionen“, berichtete ein Mann. Über den meist leeren Straßen der Stadt liege Pulverdampf.

Rauch und Zerstörung in der Stadt Al Fasher in Nord-Darfur nach Zusammenstößen zwischen der sudanesischen Armee und der RSF-Miliz Al Fasher.jpeg

Im Süden der Region Darfur seien Unicef-Einrichtungen geplündert worden, die Wasserversorgung zusammengebrochen und die Lebensmittelläden geschlossen. In Nyala, der größten Stadt des Sudan außerhalb der Hauptstadtregion, seien bei den Kämpfen im Sudan drei Mitarbeiter des World Food Programm ums Leben gekommen, sowie zwei Kinder und eine Frau, die in einem Camp für Geflüchtete lebten. (kat)

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