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Rishi Sunaks Konservative stecken in einer der tiefsten Krisen der Parteigeschichte – das zeigen auch die Ergebnisse der Nachwahlen im Wahlkreis Chester.
Chester – Für Anhängerinnen und Anhänger der Konservativen in Großbritannien gibt es seit einigen Monaten kaum noch gute Nachrichten, das hat sich auch mit dem Regierungsantritt des neuen Premierministers Rishi Sunak nicht geändert. Die Tories stecken in einer Krise, wie es sie in der Parteigeschichte nur selten gab. Dass die Zustimmungswerte sich auch mit dem neuen Regierungschef nicht erholt haben, zeigen die Nachwahlen im Wahlkreis Chester: Dort gehen die Konservativen mit dem schlechtesten Ergebnis seit 1832 aus den Abstimmungen heraus.
Rishi Sunaks Tories mit verheerendem Wahlergebnis bei Abstimmung in Chester
Die erste Nachwahlprüfung der Tories seit dem Amtsantritt von Rishi Sunak ist für die Konservativen in einer mittelschweren Katastrophe geendet: Mit insgesamt lediglich 22,4 Prozent Zustimmung, oder 6355 Stimmen, fiel die Partei von Boris Johnson, Liz Truss und Rishi Sunak bei der Abstimmung in Chester weit hinter die Labourpartei zurück. Für die Tories ist es das schlechteste Ergebnis seit 1832 in diesem Wahlkreis – und ein Hinweis auf die generellen Zustimmungswerte der Partei, auch landesweit.
Die Labourpartei, die den Sitz bereits vorher gehalten hatte, steigerte ihren Stimmanteil in Chester im Vergleich zur Vorwahl noch einmal deutlich auf 61,22 Prozent – es ist ihr bestes Ergebnis überhaupt in dem Wahlkreis. Insgesamt entfielen 17309 Stimmen auf die Partei von Oppositionschef Keir Starmer. Die Liberaldemokraten landeten mit 2368 Stimmen abgeschlagen auf Platz drei, wie der Guardian berichtet, die Wahlbeteiligung insgesamt war im Vergleich zu 2019 massiv eingebrochen.
Opposition zählt Premier Sunak und Tories an: Labour legt Finger in die Wunde und fordert Neuwahlen
Den Wahlerfolg nutzt man in der Opposition, um Premier Sunak und die Tories anzuzählen. Die Labourpartei legt den Finger in die Wunde: Immer wieder fordert die Partei mit Verweis auf mangelnde Zustimmung der Konservativen in der Bevölkerung Neuwahlen. Diese Forderung erneuerte nun auch die neu gewählte Abgeordnete Samantha Dixon in Chester, wie der Guardian berichtet. Dixon nach ihrem Wahlerfolg in Richtung Sunak und seiner Partei: „Heute Abend haben die Bürger von Chester eine klare Botschaft gesendet. Sie haben gesagt, dass die Konservativen von Rishi Sunak kein Mandat mehr zum Regieren haben“, so die Labour-Abgeordnete.
Auch Oppositionschef Keir Starmer hatte in den vergangenen Monaten bereits Neuwahlen gefordert. Ende Oktober hatte er unter anderem in Bezug auf Rishi Sunak erklärt: „Sogar die Konservativen selbst wissen, dass er nicht hinter der arbeitenden Bevölkerung steht. Genau deswegen hat er damals ja die einzige Wahl, der er sich je stellen musste, gegen seine Vorgängerin verloren. (...) Warum lässt er also nicht das Volk entscheiden, in einer vorgezogenen Parlamentswahl“.
Rishi Sunak und Tories fürchten Neuwahlen: Labour mit massivem Vorsprung
Tatsächliche Neuwahlen würden zu einem verheerenden Ergebnis für die Tories führen: Aktuelle Erhebungen von YouGov sehen die Sunak-Partei laut Telegraph aktuell etwa 25 Prozent hinter Labour. Der Meinungsforschungsexperte John Curtice gegenüber der BBC: „Rishi Sunak wird von den Wählern in Chester daran erinnert, dass er noch eine Menge Arbeit vor sich hat.“ Er kommt zu dem Schluss: „Die Labour-Partei ist in einer stärkeren Position als zu jedem anderen Zeitpunkt in den letzten 12 Jahren“.
Auch Boris Johnson war seinerzeit durch eine historische Wahlniederlage seiner Partei in Tiverton and Honiton in Bedrängnis geraten. Für die Tories waren und sind es wegweisende Niederlagen, die eine klare Sprache über die aktuelle Beliebtheit der Konservativen in Großbritannien sprechen. Sunak und sein Kabinett haben im Eigeninteresse des Machterhalts gute Gründe, Forderungen nach Neuwahlen zu ignorieren – sie würden nicht bestehen: Die britische Bevölkerung scheint genug zu haben, nicht nur in Chester oder Tiverton and Honiton.
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