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Bei der US-Wahl 2024 werden einige wenige Bundesstaaten zum Zünglein an der Waage. Ein Überblick, auf welche Swing States es ankommen dürfte.
Washington, D.C. – Bei Präsidentschaftswahlen in den USA gilt stets dieselbe Regel: Die Entscheidung über Sieg oder Niederlage fällt in den Swing States. In diesen Bundesstaaten ist der Ausgang der Wahl nicht vorhersehbar, die Mehrheit schwankt von Mal zu Mal. Auch bei der US-Wahl 2024 werben Kamala Harris und Donald Trump dort besonders intensiv um jede Stimme.
| 60. Präsidentschaftswahl in den USA | |
|---|---|
| Datum | 5. November 2024 |
| Kandidatin der Demokraten | Kamala Harris |
| Vizekandidat der Demokraten | Tim Walz |
| Kandidat der Republikaner | Donald Trump |
| Vizekandidat der Republikaner | J.D. Vance |
| Amtierender Präsident | Joe Biden |
Swing States spielen bei der US-Wahl 2024 besondere Rolle
Die Swing States sind deshalb so wichtig, weil das Volk nicht direkt über die Präsidentschaft abstimmt. Die Wahlberechtigten in den USA entscheiden am 5. November 2024 in den einzelnen Bundesstaaten nur über die 538 Wahlleute, die dem sogenannten Electoral College angehören. Dieses Wahlgremium kommt nach der Wahl in den jeweiligen Hauptstädten ihrer Bundesstaaten zusammen, um ihre Stimmen für Harris oder Trump abzugeben.
Im Electoral College kommt das Prinzip „The winner takes it all“ zum Tragen. Wer also in einem Bundesstaat die Mehrheit auf sich vereint, erhält sämtliche Stimmen der Wahlleute. Ausnahmen bilden Maine und Nebraska. Eine Sonderrolle nimmt Washington, D.C. ein: Der Hauptstadtdistrikt ist kein eigener Bundesstaat, bestimmt aber drei Wahlleute.
Die Stimmen werden versiegelt und im Januar 2025 in einer gemeinsamen Kongress-Sitzung von Repräsentantenhaus und Senat ausgezählt. Um gewählt zu werden, sind mindestens 270 Stimmen nötig. Das Wahlsystem kann dazu führen, dass jemand gewählt wird, der nicht über die Stimmenmehrheit im Volk verfügt („Popular Vote“). Bisher haben fünf Präsidenten nur dank der Mehrheit im Wahlgremium („Electoral Vote“) den Einzug ins Weiße Haus geschafft:
- John Quincy Adams (1824)
- Rutherford B. Hayes (1876)
- Benjamin Harrison (1888)
- George W. Bush (2000)
- Donald Trump (2016)
Die Swing States entscheiden die Wahlen in den USA
In zahlreichen Bundesstaaten sind die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen keine Überraschung. Dort verfügen die Demokraten und die Republikaner traditionell über eine klare Mehrheit. Zu erkennen ist das auch auf den grafischen Darstellungen der US-Karte. Dort findet man die Parteifarben wieder: rot und blau.
Rot steht dabei für die Republikaner, blau für die Demokraten. Hier zeigen sich in der Regel deutliche regionale Schwerpunkte. Die US-Westküste ist „blau“ dominiert, ebenso der Nordosten. In den südlichen Staaten, im Norden, den sogenannten Mountain States entlang der Rocky Mountains und im Mittleren Westen haben die Republikaner Mehrheiten.
Wo Republikaner und Demokraten ihre Stimmen holen
Traditionell gewinnen die Demokraten in eher städtisch geprägten Staaten, in denen größere Anteile ethnischer Minderheiten leben. Starke rote Staaten in der Geschichte der USA zeichnen sich zum großen Teil durch einen hohen Anteil ländlicher Gebiete aus. Als sichere Bank für die Republikaner gelten Staaten wie Alaska, Kansas oder Nebraska, die Demokraten haben seit vielen Jahren in Illinois, Kalifornien oder New York die Nase deutlich vorne.
Entschieden werden die Wahlen in den USA in der Regel aber immer in jenen Bundesstaaten, die keine eindeutigen Mehrheiten zu einer Partei aufweisen – den sogenannten Swing States.
Sieben Swing States dürften bei der US-Wahl 2024 den Unterschied ausmachen
Es ist zu erwarten, dass sieben Swing States die US-Wahl 2024 entscheiden werden. Dazu gehören Bundesstaaten des industriellen Kernlands wie Michigan, Pennsylvania oder Wisconsin. Der Wahlkampf wird dort besonders intensiv geführt. Auch North Carolina kann aufgrund des knappen Ergebnisses bei der letzten Präsidentschaftswahl, bei der Trump nur mit 1,3 Punkten Vorsprung gewann, diesmal als Swing State betrachtet werden.
Bei der US-Wahl 2024 dürften diese sieben Bundesstaaten besonders umkämpft sein:
| Bundesstaat | Wahlleute |
|---|---|
| Arizona | 11 |
| Georgia | 16 |
| Michigan | 15 |
| Nevada | 6 |
| North Carolina | 16 |
| Pennsylvania | 19 |
| Wisconsin | 10 |
Ohio und Florida gelten bei der US-Wahl 2024 nicht mehr als Swing States
Lange stand auch Ohio mit seiner Mischung aus städtischen und ländlichen Gebieten auf der Liste der Swing States. „Wer Ohio gewinnt, zieht ins Weiße Haus ein“ – das geflügelte Wort hat sich in den vergangenen Wahlen oft bewahrheitet. Im Jahr 2020 zog Joe Biden allerdings trotz einer Niederlage in Ohio ins Weiße Haus ein.
Auch Florida ist ein traditioneller Swing State – und mit 29 Wahlleuten von besonderer Bedeutung. 2016 und 2020 konnte Trump hier aber gewinnen, auch 2024 gilt Florida nicht als Swing State. Wie wichtig Florida früher war, zeigt das Beispiel der US-Wahl 2000. George W. Bush lag so knapp vor Al Gore, dass eine Nachzählung der Stimmen notwendig wurde. Letztlich entschieden die 29 Stimmen der Wahlleute aus Florida über Bushs Präsidentschaft. (red)
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