Syriens neue Regierung will „Koexistenz“ mit Israel
VonNils Thomas Hinsberger
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Die neue Regierung in Syrien will bewaffneten Auseinandersetzungen vermeiden. Auch wenn Israel nach dem Sturz von Assad das Land angegriffen hat.
Damaskus/Jerusalem – In Israel steht man der neuen Regierung in Syrien noch skeptische gegenüber. In einer Botschaft an das neue Regime des Nachbarlandes sagte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu: „Wir haben nicht die Absicht, uns in die inneren Angelegenheiten Syriens einzumischen, aber wir beabsichtigen auf jeden Fall, das Notwendige zu tun, um unsere Sicherheit zu gewährleisten.“
Innerhalb der Übergangsregierung in Syrien zeigt man sich jedoch ausdrücklich versöhnlich. „Wir haben keine Furcht vor Israel und unser Problem ist nicht Israel“, sagte der neue Gouverneur der syrischen Hauptstadt Damaskus, Maher Marwan, gegenüber dem National Public Radio (NPR).
Mit syrischen Flaggen und Jubelrufe feierten ca. 100 Syrer den Machtwechsel in Syrien auf dem Rathausplatz in Lüdenscheid
Trotz Beschuss aus Israel – Neue Regierung in Syrien will Beziehungen nach Jerusalem aufbauen
Nach dem Sturz des Assad-Regimes durch syrische Rebellen hat Israel weiter Luftangriffe auf das Land durchgeführt und rückte mit Bodentruppen weiter in die entmilitarisierte Pufferzone in den Golanhöhen vor. Laut dem Politikwissenschaftler Eyal Zisser handelte es sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme. Das Land sei vom plötzlichen Sturz des Assad-Regimes überrascht worden, wie er in der Tagesschau berichtete.
Ähnlich äußert sich auch Marwan gegenüber NPR. „Israel hat womöglich Angst verspürt“, sagte er. „Also ist es ein wenig vorgerückt, hat ein wenig bombardiert, etc.“ Die Angst Israels nach der Machtübernahme der syrischen Übergangsregierung bezeichnete Marwan als „natürlich“. Allerdings versicherte er dem Land, dass sich die syrische Regierung „in nichts einmischen“ wolle, was die „Sicherheit Israels oder anderer Länder bedroht“.
Nach Sturz von Assad: Syrien will „Koexistenz“ mit Israel
Vielmehr strebt die neue Regierung des Landes um das islamistische Bündnis Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) wohl eine nahezu freundschaftliche Beziehung zu Israel an. „Es existiert ein Volk, welches eine Koexistenz will“, so Marwan. „Sie wollen Frieden. Sie wollen keine Streitigkeiten.“
Auch der Anführer der HTS, Ahmed al-Shara, bestätigte gegenüber dem oppositionsfreundlichen Sender Syria TV, dass er für das Land zurzeit keine neuen Konflikte wolle – auch nicht mit Israel. „Syriens kriegsmüder Zustand nach Jahren des Konflikts und des Krieges lässt keine neuen Konfrontationen zu“, so al-Shara. „Die Priorität liegt derzeit auf Wiederaufbau und Stabilität, nicht darauf, in Streitigkeiten hineingezogen zu werden, die zu weiterer Zerstörung führen könnten.“ (nhi)