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Syriens Zukunft nach Assad-Sturz: Ungewiss und noch lange nicht stabil

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Vor wenigen Tagen noch undenkbar: Eine Frau schwenkt die Flagge der syrischen Opposition - mitten in Damaskus.
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Was folgt auf den Sturz des syrischen Regimes? Den siegreichen Kräften fehlt bisher eine gemeinsame Idee für die Zukunft des Landes. Der Leitartikel

Damaskus – Man wird sehen, wie lange die Freude der Syrerinnen und Syrer über das Ende des Assad-Regimes und des blutigen Bürgerkriegs trägt und das zerrissene Land eint. Die Menschen haben sich aus eigener Kraft vom Joch der jahrzehntelangen Diktatur der Herrscherfamilie Assad befreit. Das steht jetzt natürlich genauso im Vordergrund wie die nachvollziehbare Glückseligkeit der Folteropfer und der politischen Gefangenen über ihre wiedergewonnene Freiheit sowie die Begeisterung der Millionen Flüchtlinge im In- und Ausland, wieder an ihre Herkunftsorte zurückkehren zu können. Doch das setzt voraus, dass die Lage stabil bleibt und die Übernahme der Macht friedlich verläuft. Das ist möglich, garantiert ist es nicht.

Diesem Neuanfang fehlt der Zauber. Denn die Aufständischen einte vor allem das Ziel, das Assad-Regime zu stürzen. Ihnen ist es in den rund 13 Jahren des Bürgerkriegs nicht gelungen, eine gemeinsam überwölbende Idee für die Zukunft des Landes zu entwickeln. Jede Rebellengruppe verfolgte praktisch vor allem ihre eigenen Ziele. Und die reichen vom Aufbau einer arabischen Demokratie bis hin zur Errichtung eines islamischen Gottesstaates.

Mag sein, dass die verschiedenen Gruppen eine solche gemeinsame Vision jetzt nach dem Sturz Assads entwickeln und damit ein Ziel entsteht, mit dessen Hilfe sie die Trümmer des Landes zu etwas Neuem zusammensetzen können. Das ist denkbar. Schließlich lebten Alawiten, Drusen, Christen und andere Minderheiten vor dem Bürgerkrieg mehr oder weniger friedlich zusammen. Außerdem will die siegreiche Islamistenallianz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) mit anderen Kräften zusammen das Land wieder aufbauen. Das hat die HTS bereits in den vergangenen Jahren in der Region Idlib vorgelebt.

Auf einem anderen Blatt steht allerdings, ob sich dies auf das gesamte Land übertragen lässt. Die syrischen Kurden beispielsweise werden ihre faktische Autonomie nur aufgeben, wenn sie ähnliche Freiheiten in einem künftigen Syrien garantiert bekommen.

Neue Ordnung in Syrien nach Assad-Sturz: Ausländische Akteure wollen sicher weiter mitreden

Für Unruhe dürfte auch die Frage sorgen, was mit all jenen geschehen soll, die das Assad-Regime stützten. Einem Teil davon werden viele Aufständische aus nachvollziehbaren Gründen den Prozess machen wollen. Gleichzeitig werden viele von ihnen gebraucht werden, um einen funktionierenden Staat wiederherzustellen. Ganz zu schweigen davon, dass die syrische Wirtschaft am Boden zerstört ist. Damaskus ist beim Wiederaufbau auf die Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Den Löwenanteil werden wohl die reichen Golfstaaten tragen müssen. Doch wird deren Motivation sich in Grenzen halten. Schließlich werden sie auch beim Wiederaufbau in Gaza zur Kasse gebeten werden.

Zu diesen komplizierten Findungsprozessen kommt erschwerend hinzu, dass ausländische Akteure nach dem Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung sicher weiter ein Wörtchen mitreden wollen. Die langjährigen Verbündeten Assads Russland und Iran dürften zwar künftig in Syrien kaum noch eine Rolle spielen. Dazu haben sie zu viel Schaden angerichtet.

Der Iran wird den Verlust seines Verbündeten Assad und den damit verbundenen gesunkenen Einfluss in der Region hinnehmen sowie sein Milliardeninvestment abschreiben müssen. Das dürfte den Unmut der iranischen Bevölkerung vergrößern. Möglicherweise einigt sich die künftige Regierung in Damaskus mit dem russischen Autokraten Wladimir Putin darauf, den militärischen Stützpunkt Russlands gegen Geld zu belassen. Syrien wird jeden Euro brauchen für den Wiederaufbau. Moskau wird für die einzige Militärbasis im Nahen Osten und am Mittelmeer sicher einiges bezahlen.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Wie geht es in Syrien weiter? Die Zukunft ist ungewiss

Auch die USA mit dem designierten Präsidenten Donald Trump werden sich nicht stärker engagieren. Trump hat bereits mitgeteilt, das sei nicht „unser Krieg“. Fraglich bleibt, ob Washington den militärischen Einsatz gegen den terroristischen „Islamischen Staat“ fortsetzt und zudem weiter die syrischen Kurden unterstützt.

Die EU-Staaten werden sich in Syrien direkt auch nicht einmischen. Sie sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sowie mit den Folgen des Kriegs gegen die Ukraine und mit den berechtigten Sorgen, die mit der künftigen US-Präsidentschaft Trumps und der Herausforderung China verbunden sind. Man muss hoffen, dass einige EU-Staaten geduldig genug bleiben und nicht sofort alle syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat schicken werden. Das bürgerkriegszerstörte Land kann schlicht nicht mal eben so Millionen von Menschen aufnehmen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hingegen wird seine Machtbasis im Nordwesten des Landes nicht einfach aufgeben und seinen Einfluss auf die HTS sicher geltend machen – mindestens um die Autonomiebestrebungen der syrischen Kurden einzudämmen. All dies verdeutlicht: Syriens Zukunft ist ungewiss und noch lange nicht stabil.

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