Die Lage im Ukraine-Krieg aktuell: Eine neue Taktik fügt Russlands Wirtschaft einen harten Schlag zu. Die Verluste an der Front steigen. Der News-Ticker.
Update, 8.30 Uhr: Kiew hat neue Zahlen zu Russlands Verlusten im Ukraine-Krieg veröffentlicht. Nach Angaben des Generalstabs haben die russischen Streitkräfte binnen 24 Stunden etwa 1180 Soldaten verloren. Insgesamt sind demnach bereits mehr als 1,25 Millionen russische Soldaten im Kampf getötet oder schwer verwundet worden. Die Daten lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Nachfolgend ein Überblick der von Kiew genannten Zahlen:
Soldaten: 1.254.450 (+1180 zum Vortag)
Panzer: 11.676 (+4)
Artilleriesysteme: 37.319 (+26)
Luftabwehrsysteme: 1301 (+1)
Drohnen: 35.459 (+601)
Transparenzhinweis
Die hier verarbeiteten Informationen stammen von Nachrichtenagenturen und internationalen Quellen, aber auch von Kriegsparteien im Ukraine-Krieg. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Update, 7:10 Uhr: In der westrussischen Region Brjansk ist Behördenangaben zufolge nach ukrainischen Drohnenangriffen die Energieversorgung teilweise zusammengebrochen. „Durch einen Schlag des Feindes gegen Objekte der Energieinfrastruktur im Gebiet Brjansk sind in fünf Gemeinden und teilweise in der Stadt Brjansk Wärme und Strom ausgefallen“, schrieb Gouverneur Alexander Bogomas bei Telegram. Seinen Angaben nach handelte es sich um einen der schwersten ukrainischen Angriffe seit Kriegsbeginn. Der Drohnenbeschuss habe mehr als zwölf Stunden gedauert. Mehr als 170 Drohnen seien abgewehrt worden.
Update, 6:15 Uhr: Ein Feuer im russischen Schwarzmeerhafen Taman ist den örtlichen Behörden zufolge gelöscht worden. Es war bei einem ukrainischen Drohnenangriff am Sonntag ausgebrochen. Dabei wurden nach Angaben von Gouverneur Wenjamin Kondratjew ein Öltank, ein Lagerhaus und Terminals beschädigt. Die Oblast Krasnodar liegt im Südwesten Russlands am Schwarzen Meer und gegenüber der 2014 von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim, mit der sie durch die Brücke von Kertsch verbunden ist.
Ukraine-Krieg: Drohnenangriffe, Explosionen und Gefechte erschütterten das Land am Wochenende. Ein Staudamm wurde beschädigt - mit Folgen für die ukrainische Versorgung.
Update, 16. Februar, 5:00 Uhr: Russland hat erneut eine internationale Übergangsverwaltung für die Ukraine unter Ägide der UN ins Spiel gebracht. Moskau sei bereit, mit den USA, Europa und anderen Ländern über eine externe Verwaltung zu sprechen, sagte Vizeaußenminister Michail Galusin der Nachrichtenagentur Tass. „Ein solcher Schritt würde es ermöglichen, demokratische Wahlen in der Ukraine abzuhalten und eine handlungsfähige Regierung an die Macht zu bringen“, sagte Galusin. Mit dieser Führung könnten dann ein Friedensvertrag und Dokumente über die zukünftige Zusammenarbeit der beiden Länder unterzeichnet werden.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Galusins Äußerungen reihen sich ein in die Moskauer Versuche, die Ukraine als nicht handlungsfähigen Staat und die Führung von Präsident Wolodymyr Selenskyj als nicht legitim darzustellen. Selenskyj verwies bei der Münchner Sicherheitskonferenz darauf, wie schwierig eine Wahl sei, solange die Soldaten an der Front wie die Bevölkerung im Hinterland unter Beschuss liegen. Vor einer Wahl seien mindestens zwei Monate Waffenruhe nötig, erklärte er.
Selenskyj zur Lage im Ukraine-Krieg: Sicherheitsgarantien sind der Schlüssel für den Frieden
Update, 22:19 Uhr: Sicherheitsgarantien für die Ukraine sind nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj das Hauptziel Kiews bei den anstehenden Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs. Der Schlüssel zur Beendigung des Kriegs liege in der Sicherheitsfrage, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. „Sicherheitsgarantien sind für die Ukraine unerlässlich, das hat die höchste Priorität.“ Die Gespräche über ein Kriegsende sollen in der kommenden Woche unter amerikanischer Vermittlung zwischen Russen und Ukrainern in Genf weitergeführt werden.
Update, 21:05 Uhr: Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Ukrainer vor weiteren russischen Angriffen in den kommenden kalten Tagen gewarnt. Der ukrainische Staatschef rief seine Landsleute dazu auf, auf Luftalarm-Warnungen zu achten. „Mehrere weitere kalte Tage liegen vor uns, und jeder hat bereits gesehen, wie die Russen das ausnutzen“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache. Er betonte, dass jede solche Bedrohung die Aussichten auf ein Ende des Ukraine-Kriegs verschlechtere. Die Ukraine stehe in ständigem Kontakt mit allen Partnern bezüglich dieser Risiken.
Rutte auf Münchner Sicherheitskonferenz: NATO würde Kampf gegen Russland gewinnen
Update, 19:48 Uhr: Wären NATO-Bodentruppen im Ernstfall chancenlos gegen feindliche Drohnenangriffe? Diesen Eindruck erwecken Recherchen des amerikanischen Wall Street Journal (WSJ). Wie das Blatt berichtete, schaltete im vergangenen Jahr bei einer Bündnisübung ein Team von etwa zehn eingeladenen Ukrainern innerhalb kürzester Zeit zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge und andere Ziele aus.
Ein Übungsteilnehmer sagte dem Blatt, die von Esten geführte gegnerische Einheit mit den Ukrainern habe „zwei Bataillone an einem Tag“ kampfunfähig gemacht. Der NATO-Seite sei es nicht gelungen, die gegnerischen Drohnenteams auszuschalten. Für sie seien die Resultate „schrecklich“ gewesen.
Update, 18:08 Uhr: Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat NATO-Generalsekretär Mark Rutte auf der Münchner Sicherheitskonferenz betont: „Sollte Russland uns heute angreifen, so würden wir jeden Kampf gewinnen.“ Weiterhin mahnte er die Allianz dazu, sicherzustellen, dass dies auch in Zukunft der Fall ist. „Wir müssen sicherstellen, dass dies in zwei, vier, sechs Jahren auch noch der Fall ist“, so Rutte.
Erstmeldung: Die Ukraine hat ihre Kriegsführung revolutioniert: Statt einzelner Drohnenangriffe setzt Kiew nun offenbar auf massive Schwarmattacken mit hunderten unbemannten Flugkörpern gleichzeitig. Diese neue Methode brachte Russlands Luftverteidigung in der Region Krasnodar jetzt an ihre Belastungsgrenze und demonstrierte die wachsende Schlagkraft ukrainischer Fernkampfkapazitäten. Der koordinierte Großangriff markiert einen Wendepunkt in der Kriegstaktik.
So brachte bereits ein mehrstündiger ukrainischer Drohnenangriff in der Nacht zum 15. Februar die russischen Luftverteidigungssysteme in der Region Krasnodar offenbar an ihre Grenzen. Mit hunderten Drohnen gleichzeitig soll die Region um Krasnodar attackiert worden sein. Gemeldet wurden mehrere Schäden und Verluste.
Die ungewöhnliche Offensive im Ukraine-Krieg traf laut einem Bericht der Ukrainska Pravda mehrere Städte und Dörfer in Russland. Nach Angaben russischer Behörden waren Explosionen in mehreren Siedlungen der gesamten Region zu hören, während 126 Einsatzkräfte mobilisiert wurden, um die Folgen der Angriffe auf strategische Infrastruktur zu bewältigen. Der koordinierte Angriff, den russische Quellen als „Massenangriff“ bezeichneten, richtete sich gegen mehrere Ziele gleichzeitig und demonstrierte die zunehmende Reichweite und Präzision ukrainischer Fernschlagkapazitäten.
Hauptziel des Angriffs war ein Öldepot in dem Küstenort Volna, der etwa 325 Kilometer vom ukrainisch kontrollierten Gebiet bei Nikopol entfernt liegt. Nach Angaben des Gouverneurs Weniamin Kondratjew wurden neben dem Energieziel auch ein Lagerhaus und ein Schiffsterminal getroffen, wie der Kyiv Independent berichtete. In dem russischen Dorf wurden zwei Personen verletzt, mehrere Brände brachen aus.
Volna liegt strategisch günstig östlich der Halbinsel Kertsch auf der Krim. Die geographische Nähe zur besetzten Krim macht die Region zu einem wichtigen logistischen Knotenpunkt für russische Operationen. Laut dem russischen Einsatzhauptquartier waren 67 Personen und 20 Ausrüstungseinheiten im Einsatz, darunter Mitarbeiter des russischen Katastrophenschutzministeriums.
Auch in der Schwarzmeerstadt Sotschi in Russland wurden Kollateralschäden gemeldet: Ein Haus wurde durch herabfallende Trümmer beschädigt und Fensterscheiben zersplitterten. Luftschutzsirenen heulten bereits mehrere Stunden vor dem eigentlichen Angriff in der Stadt, wie der Telegram-Nachrichtenkanal Astra berichtete.
In Volna geriet ein Tank mit Ölprodukten aufgrund herabfallender Trümmer einer Drohne in Brand, wie russische Behörden erklärten. Nach vorläufigen Angaben gab es laut russischen Quellen „keine Opfer“, weitere Details zu den genauen Auswirkungen des Angriffs wurden von russischer Seite nicht bekannt gegeben.
Der Angriff auf das Öldepot in Volna fügt sich in eine systematische ukrainische Strategie ein, Russlands Energiesektor als Achillesferse von Putins Wirtschaft zu treffen. Seit Mitte 2025 haben ukrainische Drohnenangriffe nach Expertenangaben etwa 17 Prozent der russischen Raffineriekapazität lahmgelegt und schätzungsweise 13 Milliarden Dollar Schäden verursacht. Laut dem ukrainischen Militär kosteten die gezielten Fernschläge Russland 2025 rund 74,1 Milliarden Dollar – entsprechend 4,11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie der Kyiv Independent schreibt. Die fast täglichen Angriffe auf Öl- und Gasinfrastruktur zielen darauf ab, Moskaus Kriegsfinanzierung zu schwächen, da der Energiesektor etwa 20 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung ausmacht und entscheidend für die Kriegsführung ist.
Die Ukraine reagiert damit auf die massiven Luftschläge, mit denen die russische Armee seit Monaten die Ukraine Nacht für Nacht überzieht. Ziel der Angriffe ist ebenfalls die Energieinfrastruktur. Mittlerweile fallen vielerorts die Strom- und Wärmeversorgung für die Zivilbevölkerung aus – und das bei winterlichen Temperaturen weit unter der Null-Grad-Grenze. In der Nacht zu Sonntag wurden unter anderem bei russischen Angriffen in den Regionen Dnipropetrowsk und Cherson zwei Menschen getötet und sieben weitere, darunter ein Kind, verletzt. Auch in der Region Saporischschja wurden Raketen-Angriffe gemeldet.
Münchner Sicherheitskonferenz: Selenskyj will weiter über Ende des Ukraine-Kriegs verhandeln
Ein Ende des Ukraine-Kriegs bleibt damit weiterhin erst einmal nicht abzusehen. Dabei zeigte sich die ukrainische Führung zu Friedensverhandlungen bereit, verlangt aber Kompromisse auch von Russland. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf der Münchner Sicherheitskonferenz (Siko) 2026: „Die Ukraine ist bereit für eine Einigung, die echten Frieden zu uns, der Ukraine und Europa bringt.“ Gleichzeitig kritisierte er Moskau für fehlende Zugeständnisse.
Der ukrainische Präsident äußerte sich zuversichtlich über ein würdevolles Kriegsende. „Das ist für uns das Wichtigste, und wir haben unseren Partnern alles gegeben, was unserer Meinung nach zu einem solchen Abkommen gehören muss, und wir sind bereit, in die gemeinsame Sicherheit zu investieren.“ Selenskyjs Äußerungen erfolgten nach Druck aus Washington. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor Zugeständnisse von Selenskyj bei Verhandlungen zum Kriegsende gefordert. Trump sagte vor Journalisten: „Russland will einen Deal machen, und Selenskyj muss in Bewegung kommen, sonst verpasst er eine große Chance.“
Dennoch bleibt die Lage an der Ukraine-Front voerst weiter angespannt. Während Russland zuletzt wenig Geländegewinne an den Frontabschnitten erzielen konnte, wurden die Luftangriffe auf die Ukraine ausgeweitet. Dennoch bleibt der Blutzoll für Putins Armee hoch. In den vergangenen 24 Stunden verlor Russland im Ukraine-Krieg mehr als 1250 Soldaten. Zudem wurde laut dem ukrainischen Generalstab der Verlust von vier Panzern, elf Artilleriesystemen und 94 Kraftfahrzeugen gemeldet. (Quellen: dpa, AFP, Ukrainska Pravda, Kyiv Independent) (jenko)