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Ukraine-Krieg aktuell: Putins Wirtschaft kassiert harten Schlag – Selenskyj nennt Hauptziel bei Verhandlungen

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  • Simon Schröder
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    Bedrettin Bölükbasi
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    Jens Kiffmeier

Die Lage im Ukraine-Krieg aktuell: Eine neue Taktik fügt Russlands Wirtschaft einen harten Schlag zu. Die Verluste an der Front steigen. Der News-Ticker.

Dieser Ticker ist beendet. Weitere News zum Ukraine-Krieg finden Sie in unserem neuen Ticker.

Update, 8.30 Uhr: Kiew hat neue Zahlen zu Russlands Verlusten im Ukraine-Krieg veröffentlicht. Nach Angaben des Generalstabs haben die russischen Streitkräfte binnen 24 Stunden etwa 1180 Soldaten verloren. Insgesamt sind demnach bereits mehr als 1,25 Millionen russische Soldaten im Kampf getötet oder schwer verwundet worden. Die Daten lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Nachfolgend ein Überblick der von Kiew genannten Zahlen:

  • Soldaten: 1.254.450 (+1180 zum Vortag)
  • Panzer: 11.676 (+4)
  • Artilleriesysteme: 37.319 (+26)
  • Luftabwehrsysteme: 1301 (+1)
  • Drohnen: 35.459 (+601)

Transparenzhinweis

Die hier verarbeiteten Informationen stammen von Nachrichtenagenturen und internationalen Quellen, aber auch von Kriegsparteien im Ukraine-Krieg. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Update, 7:10 Uhr: In der westrussischen Region Brjansk ist Behördenangaben zufolge nach ukrainischen Drohnenangriffen die Energieversorgung teilweise zusammengebrochen. „Durch einen Schlag des Feindes gegen Objekte der Energieinfrastruktur im Gebiet Brjansk sind in fünf Gemeinden und teilweise in der Stadt Brjansk Wärme und Strom ausgefallen“, schrieb Gouverneur Alexander Bogomas bei Telegram. Seinen Angaben nach handelte es sich um einen der schwersten ukrainischen Angriffe seit Kriegsbeginn. Der Drohnenbeschuss habe mehr als zwölf Stunden gedauert. Mehr als 170 Drohnen seien abgewehrt worden.

Update, 6:15 Uhr: Ein ⁠Feuer im russischen Schwarzmeerhafen Taman ist den örtlichen Behörden zufolge gelöscht ⁠worden. Es war bei einem ukrainischen ​Drohnenangriff ⁠am Sonntag ausgebrochen. ‌Dabei wurden nach Angaben von Gouverneur Wenjamin Kondratjew ein Öltank, ​ein Lagerhaus und Terminals ​beschädigt. Die Oblast Krasnodar liegt im Südwesten ⁠Russlands am Schwarzen Meer und gegenüber der 2014 von Russland ⁠annektierten ukrainischen Halbinsel Krim, ‌mit der sie durch die Brücke von ⁠Kertsch verbunden ist.

Ukraine-Krieg: Drohnenangriffe, Explosionen und Gefechte erschütterten das Land am Wochenende. Ein Staudamm wurde beschädigt - mit Folgen für die ukrainische Versorgung.

Update, 16. Februar, 5:00 Uhr: Russland hat erneut eine internationale Übergangsverwaltung für die Ukraine unter Ägide der UN ins Spiel gebracht. Moskau sei bereit, mit den USA, Europa und anderen Ländern über eine externe Verwaltung zu sprechen, sagte Vizeaußenminister Michail Galusin der Nachrichtenagentur Tass. „Ein solcher Schritt würde es ermöglichen, demokratische Wahlen in der Ukraine abzuhalten und eine handlungsfähige Regierung an die Macht zu bringen“, sagte Galusin. Mit dieser Führung könnten dann ein Friedensvertrag und Dokumente über die zukünftige Zusammenarbeit der beiden Länder unterzeichnet werden.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Galusins Äußerungen reihen sich ein in die Moskauer Versuche, die Ukraine als nicht handlungsfähigen Staat und die Führung von Präsident Wolodymyr Selenskyj als nicht legitim darzustellen. Selenskyj verwies bei der Münchner Sicherheitskonferenz darauf, wie schwierig eine Wahl sei, solange die Soldaten an der Front wie die Bevölkerung im Hinterland unter Beschuss liegen. Vor einer Wahl seien mindestens zwei Monate Waffenruhe nötig, erklärte er.

Selenskyj zur Lage im Ukraine-Krieg: Sicherheitsgarantien sind der Schlüssel für den Frieden

Update, 22:19 Uhr: Sicherheitsgarantien für die Ukraine sind nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj das Hauptziel Kiews bei den anstehenden Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs. Der Schlüssel zur Beendigung des Kriegs liege in der Sicherheitsfrage, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. „Sicherheitsgarantien sind für die Ukraine unerlässlich, das hat die höchste Priorität.“ Die Gespräche über ein Kriegsende sollen in der kommenden Woche unter amerikanischer Vermittlung zwischen Russen und Ukrainern in Genf weitergeführt werden.

Update, 21:05 Uhr: Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Ukrainer vor weiteren russischen Angriffen in den kommenden kalten Tagen gewarnt. Der ukrainische Staatschef rief seine Landsleute dazu auf, auf Luftalarm-Warnungen zu achten. „Mehrere weitere kalte Tage liegen vor uns, und jeder hat bereits gesehen, wie die Russen das ausnutzen“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache. Er betonte, dass jede solche Bedrohung die Aussichten auf ein Ende des Ukraine-Kriegs verschlechtere. Die Ukraine stehe in ständigem Kontakt mit allen Partnern bezüglich dieser Risiken.

Rutte auf Münchner Sicherheitskonferenz: NATO würde Kampf gegen Russland gewinnen

Update, 19:48 Uhr: Wären NATO-Bodentruppen im Ernstfall chancenlos gegen feindliche Drohnenangriffe? Diesen Eindruck erwecken Recherchen des amerikanischen Wall Street Journal (WSJ). Wie das Blatt berichtete, schaltete im vergangenen Jahr bei einer Bündnisübung ein Team von etwa zehn eingeladenen Ukrainern innerhalb kürzester Zeit zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge und andere Ziele aus.

Ein Übungsteilnehmer sagte dem Blatt, die von Esten geführte gegnerische Einheit mit den Ukrainern habe „zwei Bataillone an einem Tag“ kampfunfähig gemacht. Der NATO-Seite sei es nicht gelungen, die gegnerischen Drohnenteams auszuschalten. Für sie seien die Resultate „schrecklich“ gewesen.

Update, 18:08 Uhr: Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat NATO-Generalsekretär Mark Rutte auf der Münchner Sicherheitskonferenz betont: „Sollte Russland uns heute angreifen, so würden wir jeden Kampf gewinnen.“ Weiterhin mahnte er die Allianz dazu, sicherzustellen, dass dies auch in Zukunft der Fall ist. „Wir müssen sicherstellen, dass dies in zwei, vier, sechs Jahren auch noch der Fall ist“, so Rutte.

Ukraine-Krieg aktuell: Drohnen-Schwärme attackieren Russlands Wirtschaft

Erstmeldung: Die Ukraine hat ihre Kriegsführung revolutioniert: Statt einzelner Drohnenangriffe setzt Kiew nun offenbar auf massive Schwarmattacken mit hunderten unbemannten Flugkörpern gleichzeitig. Diese neue Methode brachte Russlands Luftverteidigung in der Region Krasnodar jetzt an ihre Belastungsgrenze und demonstrierte die wachsende Schlagkraft ukrainischer Fernkampfkapazitäten. Der koordinierte Großangriff markiert einen Wendepunkt in der Kriegstaktik.

So brachte bereits ein mehrstündiger ukrainischer Drohnenangriff in der Nacht zum 15. Februar die russischen Luftverteidigungssysteme in der Region Krasnodar offenbar an ihre Grenzen. Mit hunderten Drohnen gleichzeitig soll die Region um Krasnodar attackiert worden sein. Gemeldet wurden mehrere Schäden und Verluste.

Die ungewöhnliche Offensive im Ukraine-Krieg traf laut einem Bericht der Ukrainska Pravda mehrere Städte und Dörfer in Russland. Nach Angaben russischer Behörden waren Explosionen in mehreren Siedlungen der gesamten Region zu hören, während 126 Einsatzkräfte mobilisiert wurden, um die Folgen der Angriffe auf strategische Infrastruktur zu bewältigen. Der koordinierte Angriff, den russische Quellen als „Massenangriff“ bezeichneten, richtete sich gegen mehrere Ziele gleichzeitig und demonstrierte die zunehmende Reichweite und Präzision ukrainischer Fernschlagkapazitäten.

Hauptziel des Angriffs war ein Öldepot in dem Küstenort Volna, der etwa 325 Kilometer vom ukrainisch kontrollierten Gebiet bei Nikopol entfernt liegt. Nach Angaben des Gouverneurs Weniamin Kondratjew wurden neben dem Energieziel auch ein Lagerhaus und ein Schiffsterminal getroffen, wie der Kyiv Independent berichtete. In dem russischen Dorf wurden zwei Personen verletzt, mehrere Brände brachen aus.

Volna liegt strategisch günstig östlich der Halbinsel Kertsch auf der Krim. Die geographische Nähe zur besetzten Krim macht die Region zu einem wichtigen logistischen Knotenpunkt für russische Operationen. Laut dem russischen Einsatzhauptquartier waren 67 Personen und 20 Ausrüstungseinheiten im Einsatz, darunter Mitarbeiter des russischen Katastrophenschutzministeriums.

Auch in der Schwarzmeerstadt Sotschi in Russland wurden Kollateralschäden gemeldet: Ein Haus wurde durch herabfallende Trümmer beschädigt und Fensterscheiben zersplitterten. Luftschutzsirenen heulten bereits mehrere Stunden vor dem eigentlichen Angriff in der Stadt, wie der Telegram-Nachrichtenkanal Astra berichtete.

In Volna geriet ein Tank mit Ölprodukten aufgrund herabfallender Trümmer einer Drohne in Brand, wie russische Behörden erklärten. Nach vorläufigen Angaben gab es laut russischen Quellen „keine Opfer“, weitere Details zu den genauen Auswirkungen des Angriffs wurden von russischer Seite nicht bekannt gegeben.

Der Angriff auf das Öldepot in Volna fügt sich in eine systematische ukrainische Strategie ein, Russlands Energiesektor als Achillesferse von Putins Wirtschaft zu treffen. Seit Mitte 2025 haben ukrainische Drohnenangriffe nach Expertenangaben etwa 17 Prozent der russischen Raffineriekapazität lahmgelegt und schätzungsweise 13 Milliarden Dollar Schäden verursacht. Laut dem ukrainischen Militär kosteten die gezielten Fernschläge Russland 2025 rund 74,1 Milliarden Dollar – entsprechend 4,11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie der Kyiv Independent schreibt. Die fast täglichen Angriffe auf Öl- und Gasinfrastruktur zielen darauf ab, Moskaus Kriegsfinanzierung zu schwächen, da der Energiesektor etwa 20 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung ausmacht und entscheidend für die Kriegsführung ist.

Die Ukraine reagiert damit auf die massiven Luftschläge, mit denen die russische Armee seit Monaten die Ukraine Nacht für Nacht überzieht. Ziel der Angriffe ist ebenfalls die Energieinfrastruktur. Mittlerweile fallen vielerorts die Strom- und Wärmeversorgung für die Zivilbevölkerung aus – und das bei winterlichen Temperaturen weit unter der Null-Grad-Grenze. In der Nacht zu Sonntag wurden unter anderem bei russischen Angriffen in den Regionen Dnipropetrowsk und Cherson zwei Menschen getötet und sieben weitere, darunter ein Kind, verletzt. Auch in der Region Saporischschja wurden Raketen-Angriffe gemeldet.

Münchner Sicherheitskonferenz: Selenskyj will weiter über Ende des Ukraine-Kriegs verhandeln

Ein Ende des Ukraine-Kriegs bleibt damit weiterhin erst einmal nicht abzusehen. Dabei zeigte sich die ukrainische Führung zu Friedensverhandlungen bereit, verlangt aber Kompromisse auch von Russland. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf der Münchner Sicherheitskonferenz (Siko) 2026: „Die Ukraine ist bereit für eine Einigung, die echten Frieden zu uns, der Ukraine und Europa bringt.“ Gleichzeitig kritisierte er Moskau für fehlende Zugeständnisse.

Der ukrainische Präsident äußerte sich zuversichtlich über ein würdevolles Kriegsende. „Das ist für uns das Wichtigste, und wir haben unseren Partnern alles gegeben, was unserer Meinung nach zu einem solchen Abkommen gehören muss, und wir sind bereit, in die gemeinsame Sicherheit zu investieren.“ Selenskyjs Äußerungen erfolgten nach Druck aus Washington. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor Zugeständnisse von Selenskyj bei Verhandlungen zum Kriegsende gefordert. Trump sagte vor Journalisten: „Russland will einen Deal machen, und Selenskyj muss in Bewegung kommen, sonst verpasst er eine große Chance.“

Dennoch bleibt die Lage an der Ukraine-Front voerst weiter angespannt. Während Russland zuletzt wenig Geländegewinne an den Frontabschnitten erzielen konnte, wurden die Luftangriffe auf die Ukraine ausgeweitet. Dennoch bleibt der Blutzoll für Putins Armee hoch. In den vergangenen 24 Stunden verlor Russland im Ukraine-Krieg mehr als 1250 Soldaten. Zudem wurde laut dem ukrainischen Generalstab der Verlust von vier Panzern, elf Artilleriesystemen und 94 Kraftfahrzeugen gemeldet. (Quellen: dpa, AFP, Ukrainska Pravda, Kyiv Independent) (jenko)

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