Kritische Phase des Weltklimagipfels

Termine auf Weltklimagipfel in Baku abgesagt – Baerbock krank

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Baerbock hat eine volle Agenda beim Klimagipfel in Baku. Sie pocht bei den Teilnehmern auf eine Abkehr von Öl und Gas. Doch jetzt ist die Ministerin krank.

Update vom 22. November, 19.16 Uhr: Mitten in der Klimagipfel-Debatte haben Annalena Baerbock und ihr Ehemann Daniel Holefleisch ein überraschendes öffentliches Statement abgegeben. Darin verkünden sie das Aus ihrer 17-jährigen Ehe. Baerbock und Holefleisch betonen, dass es keine neuen Partner gibt.

Update vom 22. November, 09.04 Uhr: Außenministerin Annalena Baerbock verlässt am Abend die Klimakonferenz in Aserbaidschan und fliegt zurück nach Deutschland - selbst wenn das Gipfeltreffen wie erwartet verlängert werden sollte bis ins Wochenende. Die Verhandlungsführung würde in dem Fall Klimastaatssekretärin Jennifer Morgan übernehmen, wie aus Kreisen der deutschen Delegation verlautete. Die Ministerin wolle sich dann aber von Berlin aus intensiv einbringen und die deutsche Verhandlungslinie vorgeben. 

Baerbock krank: Grünen-Ministerin zieht jetzt Konsequenzen

Der Hintergrund: Die Grünen-Politikerin ist weiterhin gesundheitlich angeschlagen. Am Mittwoch musste sie deswegen ganz aussetzen, am Donnerstag hatte sie mehrere Termine absolviert und will das auch heute tun. Unter anderem ist ein Treffen mit dem aserbaidschanischen Außenminister Jeyhun Bayramov geplant sowie mit dem Klimakommissar der Europäischen Union, Wopke Hoekstra. Beobachter erwarten, dass nun kräftezehrende, nächtliche Verhandlungsrunden anstehen könnten.

Baerbock hat anstrengende Wochen hinter sich, vor ihrer Ankunft in Baku war sie noch beim EU-Außenministertreffen und besuchte am Dienstag auf dem Weg nach Aserbaidschan Polen und Armenien.

Baerbock trotz Krankheit bei Weltklimakonferenz: „Brauchen Frauen-Power“

Auch Gender-Fragen haben sich zu einem weiteren Streitpunkt auf der UN-Klimakonferenz entwickelt. Dabei geht es um Aussagen zur besonderen Betroffenheit und Schutzbedürftigkeit von Frauen aufgrund des Klimawandels. In Textentwürfen von heute war dazu lediglich noch der eine Satz enthalten gewesen, wonach die Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen „auf Grundlage der Menschenrechte und Gender-sensibel“ erfolgen müsse.

Hintergrund sind Studien, wonach Frauen wesentlich stärker von Klimafolgen betroffen sind als Männer. Gegen einen dazu geplanten eigenen Text zu Gender-Themen gab es jedoch Widerstände vor allem von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten sowie von Russland und zunächst auch vom Vatikan. Dagegen stellte sich unter anderem die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), die weibliche Klimadelegierte am Donnerstag zu einem gemeinsamen Foto versammelte. Eigentlich sollte die Berücksichtigung der Gender-Problematik etwas völlig Normales sein, aber „irgendwie sind normale Dinge nicht mehr länger normal“, sagte die Ministerin.

Baerbock forderte eine Fortschreibung des auf der UN-Konferenz in Lima dazu beschlossenen Programms. „Um die Klimakrise zu bekämpfen, brauchen wir Frauen-Power“, sagte die Ministerin. „Wir können die Krise nur gemeinsam bekämpfen.“

Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen), Außenministerin, spricht zu den Medien vor einem Treffen der EU-Außenminister im Gebäude des Europäischen Rates.

Termine auf Weltklimagipfel in Baku abgesagt – Baerbock krank

Update vom 21. November, 5.35 Uhr: Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kann auch an diesem Donnerstag zunächst keine Termine auf der COP20 wahrnehmen. „Der Ministerin geht es weiterhin nicht gut“, hieß es am frühen Morgen aus Kreisen der deutschen Delegation. Sie werde frühestens nachmittags wieder an den Verhandlungen teilnehmen. 

Erstmeldung: Baku – Eigentlich wollte sich Außenministerin Annalena Baerbock auf harte Verhandlungen beim Weltklimagipfel in Baku einstellen. Um den Klimaschutz unter den UN-Staaten voranzutreiben, habe die Grünen-Ministerin sogar „Klimakoalitionen über Kontinente hinweg“ bilden wollen, wie sie vor ihrer Abreise bekannt gab. Doch aus den Plänen scheint nun erstmal nichts zu werden – Baerbock kann wegen Krankheit wohl vorerst nicht an den Gesprächen in Baku teilnehmen.

„Keine Termine wahrnehmen“ – Baerbock fehlt am ersten Tag des Weltklimagipfels in Aserbaidschan

„Die Ministerin ist erkrankt und wird heute erst einmal keine Termine wahrnehmen“, teilte die deutsche Delegation beim UN-Klimagipfel in der Hauptstadt von Aserbaidschan am Mittwochmorgen (20. November) mit. Ein Rückschlag, denn eigentlich seien bilaterale Gespräche, Pressekonferenzen und Reden vor dem Plenum geplant gewesen.

Zudem tritt der Gipfel in eine kritische Phase. Denn bei dem Treffen in Baku soll es auch um die mögliche Aufstockung von Klimahilfen für ärmere Länder gehen. Zuvor forderten alleine die 45 ärmsten Entwicklungsländer die Summe von einer Billion US-Dollar, um die Erderhitzung und die damit verbundenen Folgen mindern zu können, berichtete das Handelsblatt. Laut der Klima-Staatssekretärin Jennifer Morgan stellt sich Deutschland grundsätzlich dieser Verantwortung. Bei den hohen Forderungen müssten jedoch alle Staaten zahle, „die es sich leisten können“, sagte sie in Baku.

Annalena Baerbock nimmt am ersten Tag des Weltklimagipfels wegen Krankheit an keinen Terminen teil.

Neben der Finanzierung ärmerer Länder hat Baerbock sich auch die Abkehr von klimaschädlichen Energiequellen zur Aufgabe gemacht. „Es geht darum, auf dem aufzubauen, was wir als Weltgemeinschaft längst beschlossen haben: die Abkehr von fossilen Energien“, wird die Außenministerin auf der Webseite des Auswärtigen Amtes zitiert.

„Das ist ein Desaster“: Lobbyismus auf dem Klimagipfel in Buka – Baerbock fällt wegen Krankheit aus

Baerbocks Krankheitsausfall kommt den Bemühungen für eine Reduktion klimaschädlicher Emissionen gänzlich ungelegen. Vor allem mit Blick auf die vielen Interessensvertreter der Öl- und Gaslobby, die auch in diesem Jahr wieder auf dem Klimagipfel zugegen sein sollen. Laut einer Datenanalyse von „Kick Big Polluters Out“, auf Grundlage offen zugänglicher UN-Daten, haben sich mindestens 1773 solcher Vertreter offiziell für den Gipfel akkreditieren lassen.

„Das ist ein Desaster“, meldete sich Luisa Neubauer von Fridays for Future dazu zu Wort. Wie die Daten zeigen, verfügen die akkreditierten Lobbyisten über mehr Zugangspässe als alle Delegationen der zehn durch die Erderwärmung betroffensten Staaten zusammen.

Das wärmste je gemessene Jahr: Der klimapolitische Jahresrückblick

Hunderte Polizistinnen und Polizisten auf dem schlammigen Gelände in Lützerath. Im Hintergrund sind Wasserwerfer im Einsatz.
Warum werden im Jahr 2023, mitten in der Klimakrise, noch Dörfer für die Kohle abgebaggert? Das fragen sich im Januar Tausende Klima-Aktivist:innen im rheinischen Lützerath. In einem Baumhauscamp hatten sie sich zum Teil schon seit Jahren in Stellung gebracht, um Polizei und private Sicherheitskräfte des Energiekonzerns RWE an der Räumung zu hindern. Als es dann soweit ist, sorgen Wind und Regen für spektakuläre Bilder. Das Medienecho und die Empörung im Schlamm von Lützerath ist groß. Am Ende hilft es alles nichts: Der kleine Weiler am Rande des Braunkohlegrube wird abgerissen. Der Kohleausstieg im Rheinischen Revier soll nach Beschluss von Wirtschaftsminister Habeck mit der NRW-Landesregierung und RWE bis 2030 erfolgen. Im Osten der Republik steht das noch aus. Auch hier soll noch ein Dorf für einen Tagebau weichen. imago images © Marc John/Imago
Dutzende junge Menschen in orangenen Warnwesten sitzen auf einer breiten Straße, im Hintergrund stehen Polizistinnen und Polizisten.
Bekannt sind die sogenannten Klima-Kleberinnen und Kleber der „Letzten Generation“ ja eigentlich für, nun ja, eben genau das: Kleben auf der Straße. Das zeigt auch diese Massenbesetzung auf der Straße des 17. Juni in Berlin, allerdings ganz ohne Klebstoff. Die Protestierenden machen 2023 erneut klar: Wir verschwinden ebenso wenig wie die Klimakrise selbst. IMAGO images © A. Friedrichs/Imago
Zwei moderne Windräder vor blauem Himmel. Im Vordergrund ist ein Sonnenblumenfeld zu sehen.
Trotz Boom bei den Erneuerbaren ist die Bundesregierung in der Klimapolitik nach wie vor weit von ihren Zielen entfernt. Die Verkehrswende lässt auf sich warten, das Heizungsgesetz reicht nicht für eine Wärmewende. Das Oberverwaltungsgericht Berlin bestätigt, dass die Regierung gegen ihr eigenes Klimaschutzgesetz verstößt. Doch nicht mehr lange, denn sie hat dieses Jahr beschlossen, es zu entkernen. IMAGO images © Imago
Solarpanels an einer Hauswand, ein Strauch mit gelben Blüten im Vordergrund.
Selbst etwas gegen die Klimakrise tun und dabei auch noch langfristig Geld sparen? Balkon-Kraftwerke erleben 2023 eine Boom - und tragen zu einem schnellen Ausbau der Erneuerbaren bei: Das Ausbauziel für Photovoltaik ist schon Ende August erreicht. Über die Hälfte des Stromverbrauchs decken im Jahr 2023 die Erneuerbaren Energien. Bis 2030 sollen es mindestens 80 Prozent werden. IMAGO images © Robert Poorten/Imago
Ein Mann mit Helm schaut auf die Ruine eines Wohnhauses, das zur Hälfte in den Abgrund gestürzt ist.
Nach starkem Regen brechen in Libyen im September zwei Dämme in sich zusammen. Das Wasser überflutet ganze Städte - tausende Menschen sterben in den Fluten. Die Klimakrise hat die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses laut „World Weather Attribution“ um bis zu 50-fach erhöht, mit bis zu 50 Prozent mehr Regen in diesem Zeitraum. Allerdings sei das Ereignis auch im heutigen Klima äußerst ungewöhnlich. imago images © Imago
Drei Menschen betrachten den komplett ausgetrockneten Boden, der bereits große Risse zeigt.
Ein neues Jahr der Rekorde: 2023 ist das wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Davon geht der Deutsche Wetterdienst fünf Tage vor Ende des Kalenderjahres aus. 2023 ist auch global gesehen laut dem EU-Klimawandeldienst Copernicus das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die große Hitze führte weltweit, wie hier in China, zur Dürre. IMAGO images © Imago
Ein Mann entreißt Klimaaktivistin Greta Thunberg (l.) im November auf einer Bühne in Amsterdam vor 85 000 Menschen das Mikrofon.
„Ich bin für eine Klimademonstration hierhergekommen, nicht, um politische Ansichten zu hören“: Ein Mann entreißt Klimaaktivistin Greta Thunberg (l.) im November auf einer Bühne in Amsterdam vor 85 000 Menschen das Mikrofon. Mit einseitig pro-palästinensischen Aussagen zum Nahostkrieg löst Thunberg eine Spaltung der Bewegung aus. Die deutsche Sektion von Fridays for Future distanziert sich vehement. IMAGO images © Imago
Sultan Al-Jaber, Vorsitzender der COP28 auf der Bühne der Konferenz.
Klimagipfel im Ölstaat: Die 28. UN-Klimakonferenz (COP28) findet ausgerechnet in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Vorsitzender Sultan Al-Jaber ist auch der Chef des staatlichen Ölkonzerns Adnoc. Dennoch überrascht das Treffen mit Ergebnissen: Der Fonds für Verluste und Schäden wird beschlossen und die Abschlusserklärung enthält erstmals die „Abkehr von fossilen Brennstoffen“. IMAGO images © Imago

Weltklimagipfel in Buka: Kritik auch an Gastgeberland Aserbaidschan – Öl und Gas als „Geschenk Gottes“ auf der Agenda

Kritik wurde aber auch an der Agenda vom Gastgeberland Aserbaidschan laut. Denn deren Staatschef Ilham Aliyev wies bei einer Rede auf der Klimakonferenz jegliche umweltpolitische Bedenken an seinem Land von sich. Dabei machen Öl- und Gasexporte laut der Internationalen Energiebehörde (IEA) etwa 90 Prozent der Exporte von Aserbaidschan aus.

Aliyev machte seine Haltung zu fossilen Energieträgern noch einmal deutlich und wiederholte ein umstrittenes Zitat, in dem er Öl und Gas als „Geschenk Gottes“ bezeichnete. „Keinem Land sollte vorgehalten werden, sie zu haben und sie auf den Markt zu bringen. Denn der Markt braucht sie, die Menschen brauchen sie“, so Aliyev weiter.

Schon vor Beginn des Treffens wurden seitens Umweltschützern Zweifel laut, dass das Treffen glaubwürdig und neutral geleitet werden würde. (nhi)

Rubriklistenbild: © Omar Havana/dpa

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