„Das lässt mich verzweifeln“

Armutsbetroffene Mutter: „Jedes Schuljahr führt bei mir zu Angst“

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Die Preise für Blöcke und Hefte sind gestiegen. Der Schulstart wird immer teurer. Nicht alle Eltern können sich das leisten.

Rund 168 Euro müssen Eltern für Materialien zur Einschulung ihrer Kinder zahlen. Auf diesen Betrag kommt die Sprachlernplattform Preply, die den durchschnittlichen Preis von 27 Produkten zusammengerechnet hat, die Schüler:innen morgens in ihren Ranzen packen. Zum Beispiel Block, Stift und Radiergummi.

Für armutsbetroffene Eltern, die ohnehin schon auf vieles verzichten müssen, sind 168 Euro viel Geld. Zu ihnen gehört Mutter Wiken Bronst, die sich bei der Initiative #ichbinarmutsbetroffen engagiert. Sie erklärt BuzzFeed News Deutschland, dass es noch viel teurer ist, die schulische Laufbahn ihres Kindes zu bezahlen.

Das Mädchen trägt einen vollen Rucksack. Die finanzielle Last dahinter tragen die Eltern. (Symbolbild)

Allein der Schulranzen ist für Armutsbetroffene kaum bezahlbar

„Möchte ich mein Kind in die Schule schicken, benötige ich [...] auch Sportschuhe, Trinkflasche, einen Schulranzen, eine Schultüte samt Füllung und vieles mehr“, sagt die 47-Jährige. Allein der Schulranzen kostet meistens über 100 Euro. Hinzukommen Schwimmkurse und andere Hobbys, die sich armutsbetroffene Mütter wie sie oft überhaupt nicht leisten können.

„Jedes Schuljahr führt bei mir zu Angst, Sorgen und dem notwendigen Jonglieren mit dem wenigen, zur Verfügung stehenden Geld“, sagt Bronst BuzzFeed News Deutschland. In diesem Jahr muss sie noch mehr ausgeben, als die Jahre zuvor. Denn der Schulstart ist teurer geworden.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Preise für Schulhefte und Zeichenblöcke im Juli im Jahresvergleich um 13,6 Prozent gestiegen. Gründe für die hohe Preissteigerung bei Schulheften und Zeichenblöcken sollen unter anderem die anhaltende Papierknappheit sowie die zunehmenden Kosten in der Papierproduktion sein.

Die armutsbetroffene Mutter wünscht sich für ihr Kind „gleiche materielle Bildungsmöglichkeiten“

„Das alles lässt mich als armutsbetroffene Mutter verzweifeln, denn der Zuschuss aus dem ‚Bildung-und-Teilhabe-Paket‘ [...] ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein der Chancengerechtigkeit und Zukunft meines Kindes.“ Das Bildung-Teilhabe-Paket des Bundesfamilienministeriums hilft Familien mit wenig Geld, Angebote von Schule und Freizeit zu finanzieren. Pro Schuljahr werden für den persönlichen Schulbedarf 174 Euro zusammengestellt.

„Als Mutter wünsche ich mir, dass mein Kind, wie alle Kinder, die gleichen materiellen Bildungsmöglichkeiten erhält, um den Bildungsweg zu gehen, der ihm nach seinen Fähigkeiten offen steht und nicht der, den mein Einkommen ermöglicht“, sagt Bronst. Was ihr helfen würde? „Geld. Zumindest für den Moment.“ Auch von der beschlossenen Kindergrundsicherung erhoffen sich armutsbetroffene Mütter eine bessere Unterstützung ihrer Kinder.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/Yuri Arcurs

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