Tibet blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Region in die Volksrepublik China integriert. Dennoch ist die Zugehörigkeit des Autonomen Gebiets Tibet bis heute umstritten.
- Tibet hatte 1913 seine Eigenstaatlichkeit ausgerufen.
- Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Vorherrschaft Chinas über das Gebiet seit den 1950er Jahren.
- Seit 1959 existiert in Indien eine tibetische Exilregierung.
Lhasa – Mit einer durchschnittlichen Höhe von 4.500 Metern gilt Tibet als die höchstgelegene Region der Welt. Das Gebiet in Zentralasien blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Tibet besaß bis ins 20. Jahrhundert hinein ein eigenes Staatswesen. In den 1950er-Jahren wurde das Gebiet an die Volksrepublik China angeschlossen. Tibets Zugehörigkeit zu China ist jedoch bis heute völkerrechtlich umstritten. Der größte Teil des historischen Großraums Tibets wird von der chinesischen Verwaltungsgliederung als „Autonomes Gebiet Tibet“ geführt.
Tibet: Geografie und Lage
Tibet ist auch als „Dach der Welt“ bekannt. Das Hochland von Tibet, das durchschnittlich auf 4.500 Metern Höhe liegt, wird im Süden vom Himalaya-Gebirge begrenzt, im Westen vom Karakroum, im Norden von der Altun-Qilian-Kunlun-Kette und im Osten vom Hengduan Shan. Das geografische Tibet erstreckt sich über eine Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometern und umfasst auch mehrere Kulturregionen. Die Hauptstadt heißt Lhasa.
Tibet: Königreich, Mongolen und Mandschu
Anfang des 7. Jahrhunderts entstand auf dem Gebiet des heutigen Tibets ein Königreich, das sich unter der Yarlung-Dynastie gewaltig ausdehnte. Im zehnten Jahrhundert verloren die tibetischen Könige allerdings an Einfluss, und es bildete sich in Zentraltibet eine neue tibetische Gesellschaft mit feudaler Struktur heraus. Neben adlige Grundherrn, die Leibeigene besaßen, zählten auch Klöster zu den größten Grundbesitzern. Viele Strukturen der Besitz- und Herrschaftsverhältnisse blieben bis ins 20. Jahrhundert hinein bestehen.
Im 13. Jahrhundert geriet Tibet unter die Herrschaft der Mongolen, die im 14. Jahrhundert auch Teile Chinas vereinnahmt hatten. 1578 wurde vom mongolischen Herrscher Altan Khan der erste Dalai Lama inthronisiert. Als mächtiger Feldherr schützte er Tibet vor der aufblühenden Ming-Dynastie. Im 17. Jahrhundert erhielt Tibet eine eigene Staatsregierung, die von 1642 bis 1959 bestand. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstarkten die Herrscher der Mandschu in Ostasien und weiteten ihren Einflussbereich über China und Tibet weiter aus. Mit ihrer Zustimmung erhielt 1751 der Dalai Lama auch politische Herrschaft. Das feudale System mit dem Dalai Lama als Oberhaupt hatte sich weiter etabliert.
Tibet: Eigenstaatlichkeit und Eingliederung in die Volksrepublik China
Beim Kampf um die Vorherrschaft in Zentralasien zwischen Großbritannien und Russland wurde Tibet Anfang des 20. Jahrhunderts von den Briten besetzt. Nachdem kurzzeitig die Suzeränität an Mandschu-China zurückgegeben worden war, rief Tibet 1913 seine Unabhängigkeit aus. Nachdem die Kommunistische Partei Chinas 1949 mit der Gründung der Volksrepublik China die Macht übernommen hatte, wurde der Anspruch Chinas auf Tibet wieder laut.
China entsandte seine Volksbefreiungsarmee, die Tibet besetzte. In einem 17-Punkte-Abkommen wurde die Integration Tibets in die Volksrepublik China festgelegt. Dabei wurde der Region Autonomie zugesichert und das politische System vorerst beibehalten. Das neue Autonome Gebiet Tibet war geschaffen. Als die Kommunistische Partei Chinas in den 1950er-Jahren zunehmend eigene Interessen durchsetzen wollte, kam es zu Unruhen in Tibet. 1951 kam es zum Tibetaufstand, bei dem der Dalai Lama nach Indien fliehen musste.
Tibet: Die aktuelle Situation
Die heutige Situation in Tibet gilt als sehr angespannt. Es kam im Lauf der letzten Jahrzehnte immer wieder zu zahlreichen Unruhen. 2008 forderten buddhistische Mönche in Demonstrationen die Rückkehr des Dalai Lama aus dem Exil. Seit 2012 kommt es zu Selbstverbrennungen, die sich gegen die enorme chinesische Polizei- und Militärgewalt richtet. Menschenrechtsorganisationen beklagen immer wieder die fehlende Religions- und Pressefreiheit sowie die Unterdrückung der Bevölkerung.
Tibet: Die Politik
Seit 1959 existiert in Indien eine tibetische Exilregierung, die den Anspruch auf die rechtmäßige Regierung Tibets erhebt. Diese kümmert sich heute hauptsächlich um die Belange der geflohenen Exil-Tibeter und um den Erhalt der tibetischen Kultur. Diese Regierung ist allerdings international nicht rechtmäßig anerkannt, bekommt aber finanzielle Unterstützung von internationalen Organisationen.
Laut Chinas Regierung ist Tibet in administrativer Hinsicht schon seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil des eigenen Landes. Tibets Unabhängigkeitserklärung von 1913 sei völkerrechtlich nie wirksam geworden. Allerdings gibt es von anderen Ländern unterschiedliche Sichtweisen auf die völkerrechtliche Auslegung. Laut der Internationalen Juristenkommission hat Tibet schon vor 1951 die Kriterien eines unabhängigen Staates erfüllt. Allerdings haben bis heute viele Länder die Tibetfrage den Wirtschaftsbeziehungen mit China untergeordnet – so auch die Bundesrepublik Deutschland.