VonAlexander Eser-Rupertischließen
Immer wieder gibt es Tipps zum Energiesparen aus der Politik, doch das ist nicht unproblematisch. Auch aus der CDU kommen jetzt kritische Töne. Ein Kommentar.
Berlin – Energie sparen ist das große Thema dieser Tage: Immer wieder fordert nicht nur Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Bevölkerung zu Einsparungen auf, auch andere Stimmen aus der Politik melden sich zu Wort: Zuletzt war es Wolfgang Schäuble, mit dem herausragenden Rat, bei Kälte einen Pullover anzuziehen, oder wenn es sehr kalt wird, „vielleicht noch einen zweiten Pullover“. Viele der Ratschläge kommen „von oben herab“, denn es ist zu bezweifeln, dass Wolfgang Schäuble diesen Winter selbst zwei Pullis tragen muss – sein Appell „nicht zu jammern“ könnte gar zynisch wirken. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) tut sich schwer mit Polit-Tipps zum Energie sparen – damit ist er nicht alleine.
Wie kann man Energie sparen? Kretschmer mahnt zur Zurückhaltung bei Energiespartipps aus der Politik
Inflation und Energiekrise bereiten unzähligen Haushalten in Deutschland existenzielle Sorgen. Trotz geplanter Strompreisbremse und Gaspreisbremse drohen Rechnungen, die Verbraucher nicht mehr bezahlen können. Gerade in diesen Zeiten stellt sich vielen Menschen die Frage: Wie kann man Energie sparen? In der Not suchen viele Tipps zum Gas sparen, um den finanziellen Schaden zu begrenzen.
Eine Lösung können diese Tipps indes kaum sein, denn es geht um ein Problem, das allem voran politisch gelöst werden muss – problematisch werden Ratschläge dann, wenn sie von dort kommen, wo die Lösungen gemacht werden sollten. Ein weiterer Punkt: Sie können zu Verunsicherung beitragen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) rät der Politik in diesem Feld zur Zurückhaltung.
Gas sparen inmitten der Energiekrise in Deutschland: Für viele Verbraucher sind Tipps kaum umsetzbar
Immer neue Tipps würden die Bevölkerung verunsichern, so der Politiker. Er erklärte am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) in Hannover. Viele der Hinweise, die es aktuell gäbe, seien eine Zumutung. Kretschmer betonte laut RND, die Menschen in Deutschland seien bereits sparsam. Auf den Menschenverstand zu setzen, sei der beste Ratgeber, so der CDU-Landeschef.
Tatsächlich wirken Duschtipps von Entscheidungsträgern wie Robert Habeck (Grüne) auf viele Menschen wohl kaum wie Hilfe – sondern eher wie Hohn – in Anbetracht existenzieller Krisen. Kurzum: Es geht um Kontext und darum, von wem welche Tipps kommen. Ja: Kürzer duschen senkt den Energiebedarf, dennoch ist gerade Habeck in dieser Situation wohl kaum der geeignete Absender für derartige Tipps. Von ihm erwarten die Menschen etwas anderes: Hilfe – strukturell.
Energie sparen: Tipps aus der Politik von verschiedenen Seiten kritisiert
In der Vergangenheit gab es eines immer wieder beim Thema Energie sparen: Tipps aus der Politik. Nun hat sich mit Michael Kretschmer auch ein Parteikollege Wolfgang Schäubles zu dem Themenkomplex zu Wort gemeldet, freilich ohne sich dabei konkret auf die Aussagen Schäubles zu beziehen. Nach dessen Pullover-Hinweis hatte es umgehend scharfe Kritik, unter anderem aus der Linkspartei, gegeben. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch riet von Steuergeldern bezahlten Politikern, sich in diesen Fragen zurückzuhalten – es dürfte einer der wenigen Punkte sein, in denen Kretschmer und Bartsch einer Meinung sind.
Dem RND sagte Bartsch: „Die Äußerungen von Wolfgang Schäuble sind nicht hilfreich“. Er führte fort „Wir haben Rekordinflation und die schwerste soziale Krise der Nachkriegszeit. Da verbieten sich insbesondere von Politikern lässige Energiespartipps mit Pullovern und Kerzen“. Der Linken-Spitzenpolitiker weiter: „Menschen, die an den Horrorrechnungen verzweifeln und in diesem Winter schlicht frieren werden, müssen das als blanken Hohn verstehen.“ Bartsch Kerzen-Verweis bezog sich auf Schäubles Hinweis, für den Fall eines Stromausfalls „immer auch ein paar Kerzen, Streichhölzer und auch eine Taschenlampe zu Hause haben“. Der Linken-Politiker bemerkte zudem, Schäuble habe eine „Mitverantwortung für den aktuellen Energiemangel“.
Energie sparen im Alltag: Tipps sind Schadensbegrenzung, nicht Lösung
Tipps zum Energie sparen im Alltag können in der aktuellen Situation den Zweck erfüllen, den Schaden zu begrenzen. Entscheidend dabei ist jedoch der genaue Kontext, Absender und Inhalt der Tipps. Und: Sie sind nicht die langfristige Lösung. Die Hinweise aus der Politik sind bisweilen unzumutbar, die Formulierungen von oben herab.
Wenn Wolfgang Schäuble sagt, „Darüber muss man nicht jammern“, wenn es eben zwei Pullover bräuchte, um nicht zu frieren, ist es genau das: Eine Entfremdung von der Realität der Haushalte hierzulande. Zwar ist Schäuble selbst kein Entscheidungsträger mehr, doch bei weitem nicht der einzige ehemalige oder weiterhin tätige Politfunktionär mit deplatzierten Tipps.
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