VonKlaus Ehringfeldschließen
Die USA töten in der Karibik erneut drei Menschen. Autokrat Maduro glaubt, das sei die Vorbereitung für eine Invasion Trumps in Venezuela.
US-Präsident Donald Trump verschärft die Spannungen mit Venezuela in der Karibik weiter dramatisch. Am Montag versenkte die US-Marine erneut an einem nicht näher benannten Ort ein Schnellboot und tötete dabei die drei Besatzungsmitglieder. Der Vorwand: Es seien venezolanische Drogenkuriere auf dem Weg in die USA gewesen. „Heute Morgen haben die US-Streitkräfte auf meinen Befehl hin einen zweiten bewaffneten Angriff gegen außerordentlich gewalttätige Drogenkartelle und Drogenterroristen durchgeführt“, schrieb der Präsident auf seinem Truth-Social-Netzwerk. Beweise blieb Trump wie üblich schuldig.
Bei Venezuelas Regime um den Autokraten Nicolás Maduro steigt die Nervosität massiv an. Der reagierte umgehend und warf den USA eine unverantwortliche Eskalation mit dem Ziel vor, einen Vorwand für eine Invasion in seinem Land und seinen Sturz zu suchen. „Das ist eine Schande! Wer hat diesen Befehl gegeben?“, sagte Maduro. „Ein Raketenzerstörer greift unbewaffnete Thunfischfänger an. Was sie wollten, war ein militärischer Zwischenfall, um Venezuela anzugreifen. Aber wir sind bisher nicht auf Provokationen hereingefallen und werden es auch künftig nicht tun.“
Der Angriff vom Montag ist eine weitere extraterritoriale Hinrichtung, mit der die USA Anfang September begonnen haben, als sie ein Schnellboot in der Karibik versenkten und elf Menschen töteten. Auch das damals versenkte Boot soll Rauschgift geladen haben, das für die USA gedacht gewesen sei. So wie seinerzeit ist auch jetzt in keiner Weise klar, woher Trump die Information hat und warum er die angeblichen Drogenschmuggler nicht festgenommen hat. Nach Erkenntnissen der UN wird nur ein geringer Teil des weltweiten Rauschgifts von Venezuela aus geschmuggelt, es sind demnach etwa fünf Prozent.
Drogenkuriere oder Thunfischfänger?
„Der Angriff erfolgte, während sich diese bekennenden Drogenterroristen aus Venezuela in internationalen Gewässern befanden und illegale Drogen in die USA transportierten. Diese extrem gewalttätigen Drogenkartelle stellen eine Bedrohung für die nationale Sicherheit, die Außenpolitik und die Interessen der USA dar“, fügte Trump in seinem Post auf Truth Social hinzu. Mit dem Beitrag teilte er ein 27 Sekunden langes Video, das zeigt, wie ein Boot angegriffen wird. Ob es Drogenkuriere oder Thunfischfänger waren, lässt sich nun nicht mehr ermitteln.
Auffällig ist, dass die Vereinigten Staaten unter dem Regime von Trump die übliche Vorgehensweise beim Verdacht von Drogenschmuggel aufgekündigt haben. Früher wurden verdächtige Schiffe gestoppt, die Besatzung festgenommen und die Ladung beschlagnahmt. Heute wird das Boot versenkt und die Besatzung ermordet. Ein Modus Operandi, der das Völkerrecht verhöhnt und Lateinamerika als Exekutionsplatz nutzt, wo Washington die Todesstrafe ohne Prozess außerhalb der USA anwendet.
Die Nachricht eines weiteren versenkten Schnellbootes erfolgt im Rahmen einer groß angelegten Militäroperation der Vereinigten Staaten vor der Küste Venezuelas, die von den US-Behörden als Anti-Drogen-Maßnahme gegen das Kartell „Los Soles“ dargestellt wird. Dieses Kartell sei ein Rauschgiftring, dem aktive und ehemalige hochrangige Offiziere der venezolanischen Streitkräfte angehören. Geführt werde er von Staatschef Maduro höchstselbst, behauptet die US-Drogenfahndung. Allerdings gibt es keine Beweise für diese These, worauf internationale Analystinnen und Analysten immer wieder hinweisen.
Maduro weist diese Vorwürfe vehement zurück und erklärt, die USA würden das Thema Drogenhandel als Vorwand nutzen, um einen Regimewechsel in Venezuela voranzutreiben. Seit dem ersten Mord auf hoher See an den elf Seeleuten Anfang des Monats hat Venezuelas Machthaber seinen Diskurs verändert und sich Trump entgegengestellt. Er reklamierte das Recht seines Landes auf Selbstverteidigung, das er „in vollem Umfang ausüben“ werde. Er mobilisierte Tausende Mitglieder der „Bolivarischen Milizen“, einer bewaffneten Truppe aus freiwilligen Zivilisten. Die Beziehungen zu den USA seien immer schlechter geworden. „Die USA wollten alle Länder in die Knie zwingen, um an die Ölreserven zu kommen.“
