Trump begnadigt Kapitol-Stürmer – „QAnon-Schamane“ posaunt seine Pläne heraus
VonFranziska Schwarz
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Nach der kontroversen Entscheidung des neuen US-Präsidenten äußern sich die ersten einst Verurteilten medienwirksam – auch ein besonders prominenter.
Washington – Prominente Beteiligte der Kapitol-Attacke haben nach Trumps Amtseintritt und den Begnadigungen nun allen Grund zur Schadenfreude. Zum Beispiel Jacob Chansley, auch als „QAnon-Schamane“ bekannt. Chansley bedankte sich auf der Plattform X bei Donald Trump und schob direkt seine aktuellen Pläne hinterher: Waffenkäufe.
Die US-Online-Zeitung The Hill zitiert den Eintrag so: „NOW I AM GONNA BUY SOME MOTHA FU*KIN GUNS!!! I LOVE THIS COUNTRY!!! GOD BLESS AMERICA!!!!“. Sinngemäß ins Deutsche übersetzt: Chansley holt sich jetzt die „gottverdammten“ Waffen, die ihm offenbar seines Erachtens zustehen und spricht dafür seinem Land den Segen aus.
Die Bilder von Chansley, wie er mit nacktem Oberkörper, einer Büffelhornmütze und einem Speer mit US-Flagge durch den Kongress marschierte, gingen nach dem 6. Januar 2021 um die Welt. Er wurde 2023 wegen psychischer Probleme aus der Haft entlassen.
6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern
Trump begnadigt alle Kapitol-Stürmer – Gewalttäter und Rechtsextreme jubeln
Die Begnadigungen zeigen, dass der neue US-Präsident Trump keinen Tabubruch scheut. Gewalttäter und Rechtsextreme sind nun wieder frei. Bei den Opfern des Gewaltausbruchs und bei den Demokraten hat Trumps Dekret helle Empörung ausgelöst, bei den Begnadigten und im Lager der Trump-Anhänger hingegen Jubel und Erleichterung.
Zu den Begnadigten gehört auch David Dempsey, den die Staatsanwaltschaft als einen der „gewalttätigsten“ Aufrührer bezeichnet hatte: Dempsey habe seine „Hände, Füße, Fahnenstangen, Krücken, Pfefferspray, zerbrochene Möbelstücke und alles andere, was er in die Finger bekam, als Waffen gegen die Polizei“ benutzt. Dempsey wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.
Zahlreiche Proud-Boys-Anhänger feierten die Begnadigungen auf Telegram und verbanden dies mit Aufrufen, sich der Miliz anzuschließen und bei der von Trump geplanten Massenabschiebung von Migranten zu helfen. Die Proud Boys sind eine 2016 gegründete neofaschistische Gruppierung, die politische Gewalt gegen linke Politiker und Aktivisten glorifiziert. Bekannt wurde die Gruppe durch Trumps Ausspruch „Proud boys, stand back and stand by“ (“Haltet Euch zurück und haltet Euch bereit“).
Opfer des Kapitol-Sturms zum Trump-Dekret: Fühle mich von den USA verraten
Der frühere Polizeibeamte Michael Fanone, der von den Randalierern geschlagen und mit einem Taser misshandelt worden war, sagte dem Sender CNN, er fühle sich von seinem Land verraten. „Sechs Personen, die mich angegriffen haben, als ich am 6. Januar meine Arbeit tat (...) werden jetzt frei herumlaufen.“ (frs)