Trump treibt Militarisierung voran: USA schicken Flugzeugträger in die Karibik
VonLisa Mahnke
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Die US-Marine verstärkt in Trumps Kampf gegen Drogenhandel ihre Präsenz in der Karibik. Südamerikanische Staaten fürchten um ihre Souveränität.
Washington, D.C. – Die US-Regierung unter US-Präsident Donald Trump treibt den Kampf gegen Drogenkartelle in Lateinamerika voran. Nach mehreren Angriffen auf mutmaßliche Drogenschmuggler auf See wurden nun ein Flugzeugträger der US-Marine und mehrere Begleitschiffe in die Karibik entsandt – eine neue Eskalationsstufe. Ziel sei es, „die bestehenden Fähigkeiten zur Bekämpfung des Drogenhandels“ und zur Zerschlagung internationaler krimineller Organisationen zu erweitern, erklärte Pentagon-Sprecher Sean Parnell.
US-Präsident Donald Trump kündigte zugleich ein noch härteres Durchgreifen gegen Rauschgiftschmuggler an, „sowohl auf See als auch an Land“. Seine Linie ist klar: „Ich denke, wir werden einfach Leute töten, die Drogen in unser Land bringen“, sagte er. „Wir werden sie sehr hart angreifen, wenn sie auf dem Landweg kommen.“
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US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat dafür den Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ auf den Weg geschickt, der aktuell größte Flugzeugträger der Welt. Der Flugzeugträger folgt Kriegsschiffen, die Trump bereits vor einigen Wochen in die Karibik entsandt hatte. Einem CNN-Bericht zufolge liegt die Einsatzgruppe derzeit noch im kroatischen Split, rund 8000 Kilometer von der Karibik entfernt. Bis zum Einsatzgebiet wären mehrere Tage nötig. Laut The Guardian befänden sich dutzende F-18-„Super Hornet“-Kampfflugzeuge an Bord der USS Gerald R. Ford.
Der Schritt könnte die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen: Die Beziehungen zwischen den USA und Venezuela sind belastet, verstärkt durch die Konfrontation im karibischen Meer. Trump wirft Venezuelas Präsident Nicolás Maduro vor, Drogenbanden zu kontrollieren.
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Maduro wiederum beschuldigt die USA, einen Krieg vorzubereiten: „Sie haben versprochen, sich nie wieder in einen Krieg zu verwickeln, und jetzt fabrizieren sie einen Krieg, den wir verhindern werden.“ Sein Verteidigungsminister Vladimir Padrino erklärte: „Wir sind ein freies Land. Die Streitkräfte hier werden keine Regierung zulassen, die den Interessen der Vereinigten Staaten unterworfen ist.“
„Ganz Südamerika in Aufruhr“: Auch Brasilien warnt vor Eskalation zwischen den USA und Venezuela
Nicht nur Venezuela kritisiert die US-Offensive scharf. Auch andere südamerikanische Staaten befürchten eine Destabilisierung der Region. Der brasilianische Regierungsberater Celso Amorim warnte vor einer „Intervention von außen“, die „immense Ressentiments auslösen würde“ und „ganz Südamerika in Aufruhr versetzen“ könne. „Wo bleibt dann der Respekt vor der Souveränität der Länder?“, fragte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva angesichts der US-Attacken vor den Küsten Südamerikas.
Kolumbiens Präsident Gustavo Petro verurteilte die Angriffe und warf Washington mehrfach Mord vor. „Raketen auf Boote abzufeuern“ führe nicht zum Erfolg, erklärte er. Zudem beschuldigte Petro Trump, Einfluss auf die Wahlen in Kolumbien nehmen zu wollen. Kurz darauf reagierten die USA mit Sanktionen gegen Petro. Petro schrieb dazu auf der Onlineplattform X: „Es ist paradox, aber wir gehen keinen Schritt zurück und niemals auf die Knie.“
Ich denke, wir werden einfach Leute töten, die Drogen in unser Land bringen.
Sorge vor Eskalation in der Karibik – Trump erwägt womöglich noch Diplomatie mit Maduro
Seit Wochen greift das US-Militär nach eigenen Angaben mutmaßliche Drogenschmugglerboote in der Karibik und im Pazifik an. Nach Angaben aus Washington wurden dabei bereits 43 Menschen getötet. Kritiker sprechen von illegalen „Hinrichtungen“, da die USA keinerlei Beweise vorgelegt haben, dass es sich bei den Zielen tatsächlich um Drogenschmuggler handelt.
Auch internationale Juristen sowie die Vereinten Nationen zweifeln die Rechtmäßigkeit des Vorgehens an und rufen zu Zurückhaltung auf. Dazu kommt, dass ein Jahresbericht der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA Venezuela auf den vier Seiten zum Kokainhandel im Jahresbericht kein einziges Mal erwähnt. Ecuador, Mittelamerika und Mexiko stehen in dem Bericht im Mittelpunkt.
Trump „hat die Diplomatie nicht ausgeschlossen“, sagte ein Beamter der US-Regierung CNN. US-Medien zufolge betrachtet die US-Regierung die Lage allerdings inzwischen als „bewaffneten Konflikt“ gegen Drogenkartelle. Der Republikaner Trump bezeichnete sie als „den Islamischen Staat der westlichen Hemisphäre“. Hegseth wiederum zieht Vergleiche zur Terrororganisation al-Qaida. Die Sorge vor einer Eskalation wächst.
Während die USA Truppen und Kriegsschiffe in die Karibik verlegen, probt Venezuela die Landesverteidigung. An strategischen Punkten seien Luftabwehreinheiten stationiert, erklärte Maduro. Gleichzeitig erwägt Trump laut CNN Angriffe auf Kokainfabriken und Drogenhandelsrouten innerhalb Venezuelas. Eine Entscheidung dazu steht jedoch noch aus. Der US-Präsident soll allerdings der CIA bereits verdeckte Operationen in Venezuela erlaubt haben. (Quellen: dpa, AFP, CNN, The Guardian, eigene Recherche) (lismah)