VonManfred Niekischschließen
Die Liebe zu Tieren treibt ja zuweilen bedenkliche Blüten, aber Trumps Hasstirade gegen Menschen aus Haiti ist kaum noch zu toppen. Die Kolumne.
Im Herbst spielen sie eigentlich nicht die große Rolle in den Überlegungen der Bevölkerung, die Ernährungsfragen. Die bewegungsarme Zeit steht bevor, Restaurants reservieren schon jetzt für Betriebsfeiern und Familienfeste zum weihnachtlichen Gänseessen. Der Advent ist zwar noch in ziemlicher Ferne, doch die gemästeten Federtiere sehen sich schon zu tausenden auf dem Weg Richtung Backröhre watscheln.
Die drängenden Fragen der menschlichen Gesellschaft zu dieser Jahreszeit sind eher, was zu den Festen gegessen wird, ob es nicht wie jedes Jahr wieder zu viel ist, ob man es nicht mal anders machen sollte, genau so wie schon die Vorsätze aus den Vorjahren lauteten. Mit voller Wucht laufen dann im Frühjahr die Gazetten heiß mit Berichten über die neuesten Diäten, wie man all die Pfunde wieder los wird, die man sich da (anscheinend widerwillig) auf die Hüften gepackt hat.
Trump mit skurriler Frage in TV-Duell gegen Harris: Essen Migranten Katzen und Hunde?
Herbst und Winter sind nicht die hohe Zeit für öffentliche, gar kritische Diskussionen über Ernährungsfragen. Doch da grätscht ein Politiker, leider einer von Weltbedeutung, in die Schlagzeilen mit einer spannenden Fragestellung, die voll in die Zeit passt. Nicht weil sie ernährungsphysiologisch akut und relevant ist, sondern weil sie ein Thema berührt, das die gesamte westliche Politik aufwühlt wie derzeit kaum ein zweites. Es ist die Migration. Angesichts der „Millionen und Millionen“ Migranten, welche in den letzten Jahren angeblich illegal in die USA gelassen worden seien, müsse doch die Frage erlaubt sein, was die eigentlich essen.
Die Antwort hat besagter Politiker Donald Trump auch gleich zur Hand. Stellen da Katzen und Hunde nicht eine leicht zugängliche Ressource dar? Pets zum Beispiel, Kuscheltierchen aus privater Haltung, die ihren Herrchen und Frauchen geklaut wurden, irgendwie abhandengekommen sind oder lästig wurden.
Vergleich Deutschland USA: Heimatlose Tiere überall ein Problem
Naja, es gibt durchaus auch im tierlieben Deutschland genügend weniger tierliebe Leute, die sich unbedacht Katzen und Hunde angeschafft haben und diese später mit mehr oder weniger unpassenden Begründungen in den Auffangstationen des Tierschutzes oder an Autobahnrastplätzen entsorgen.
Es finden sich aber auch tierliebe Menschen, die sie gegebenenfalls wieder aus den Tierheimen holen. Das System ist etabliert und bewährt. Eine beträchtliche Zahl von Straßenhunden, weniger auch Katzen, werden sogar aus Süd- und Südosteuropa in die deutschen Wohnzimmer gerettet. Völlig absurd, abwegiger kaum vorstellbar ist die Vorstellung, sie müssten vor dem Zugriff hungriger Menschen mit Migrationshintergrund bewahrt werden.
Trump schürt gefährliche Narrative: Neue Lügen als Sprungbrett für Rechtsextreme
Soweit erkennbar, haben noch nicht einmal die am stärksten irregeleiteten Geister der rechtsextremen Szene hierzulande bisher ein solches Narrativ entwickelt, auch wenn die sonst so ziemlich jede Gelegenheit erfinden, um Menschen anderer Herkunft, Denk- und Lebensweise zu diffamieren. Aber es ist nicht auszuschließen, dass ihnen Donald Trump mit seiner Lüge im Fernsehduell mit Kamala Harris einen neuen Pfad eröffnet hat.
Es geht dem US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten aber bekanntermaßen gar nicht um die Wahrheit. Selbst den eindeutig klärenden Faktencheck während der Sendung negiert er einfach, redet ihn platt. Hoffentlich hat er sich mit seinen gefährlichen Phantastereien bei denkenden Menschen nun endgültig ins Abseits manövriert.
Manfred Niekisch ist Biologe und war Zoodirektor.
Rubriklistenbild: © Getty Images via AFP
