Trump will erneut Präsident werden — und nutzt in seiner Rede falsche Behauptungen
Der US-Sender CNN erstellte eine Übersicht zu den mehreren Aussagen von Trump, die nicht der Wahrheit entsprechen. Dazu gehört der Rückzug aus Afghanistan. Trump und seine treuen Anhänger machen dafür das Scheitern der demokratischen Regierung verantwortlich. In seiner Rede in Florida sprach Trump vom „womöglich peinlichsten Moment der Geschichte unseres Landes“. Man habe Leben verloren, Amerikaner zurückgelassen und hochmoderne Militärausrüstung im Wert von 85 Milliarden Dollar an die Taliban überlassen.
Die Behauptung von Trump über die zurückgelassene Ausrüstung weicht aber ein riesiges Stück von der Wahrheit ab. Laut CNN unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium wurde afghanischen Sicherheitskräften zwischen 2005 und 2021 Militärequipment im Wert von 18,6 Milliarden Dollar bereitgestellt. Die Ausrüstung, die an die Taliban fiel, hatte demnach einen Wert von lediglich 7,1 Milliarden Dollar, wobei ein Teil vor der Übernahme durch die Miliz unbrauchbar gemacht wurde.
Mit der Behauptung von 85 Milliarden dürfte Trump die Gesamtsumme an Unterstützung für die afghanischen Sicherheitskräfte gemeint habe. Doch nur ein Bruchteil dieses Geldes wurde für militärische Ausrüstung ausgegeben.
US-Zölle gegen China: Maßnahmen gibt es schon lange — auch vor Trump
Immer wieder prahlt Trump auch mit seiner Haltung gegen China. So behauptete er in seiner Rede, kein Präsident vor ihm habe „auch nur einen Dollar“ von China gefordert. Erst mit seiner Präsidentschaft und von ihm eingeführten Zöllen habe sich das geändert. Eine Behauptung, mit der er wieder falsch liegt, denn CNN zufolge bestehen die Zölle für chinesische Produkte schon seit mehr als zwei Jahrzehnten.
2019 berichtete die von der Universität Pennsylvania geführte Website FactCheck unter Berufung auf Internationale Handelskommission der USA, das Land habe von 2007 bis 2016 jährlich 12,3 Milliarden Dollar an Gewinn durch die Zölle erzielt. Ein weiteres Detail: Die Zollerhöhungen der Trump-Regierung und daraus resultierende Vergeltungserhöhungen großer Handelspartner schadeten nicht China, sondern den US-Importeuren, die die Last tragen mussten. Dies zeigen unter anderem Studien der Nonprofit-Forschungsorganisation „National Bureau of Economic Research“.
Trump sieht Klimawandel nicht als akutes Problem an — US-Behörden warnen jedoch
Vom Klimawandel hält Trump nicht gerade viel und macht sich sogar darüber lustig. In der Vergangenheit bezeichnete er den Klimawandel mehrmals als einen „Hoax“, eine Finte. Geht es nach ihm, handelt es sich nicht um ein akutes Problem. Das macht er auch bei seiner Rede in Florida deutlich. Manche würden sich nicht um Atomwaffen, sondern viel lieber um Umweltthemen Sorgen machen, hieß es. Die Sorgen über die Umwelt „werden uns vielleicht in 300 Jahren betreffen“, zitierte CNN den Ex-Präsidenten. „Sie sagen, der Ozean wird in den nächsten 200 bis 300 Jahren um ein Achtel Zoll ansteigen“, so Trump.
Erneut falsch: Die National Ozeanbehörde der US-Regierung erwartet an den Ufern der USA einen Anstieg von 0,25 bis 0,3 Metern zwischen 2020 und 2050. Der Behörde zufolge entspricht dies dem Anstieg der 100 Jahre zuvor, also von 1920 bis 2020. Außerdem betrifft der Klimawandel die USA auch schon jetzt. In einem Bericht aus dem vergangenen Jahr warnt das US-Verteidigungsministerium, die Auswirkungen des Klimawandels würden bestehende Risiken erhöhen und neue Sicherheitsherausforderungen für die Interessen der USA hervorrufen.
Benzinpreis auch Teil von Trumps Falschaussagen — „es wird noch schlimmer werden“
Irreführende Aussagen nutzte Trump auch, als es um den Preis von Treibstoff ging. In seiner Amtszeit habe der Preis von Benzin 1,87 Dollar pro Gallone (3,79 Liter) betragen. „Nun steht es aber bei fünf, sechs, sieben und acht Dollar, und es wird noch schlimmer werden“, machte Trump Stimmung. Hierbei handelt es sich aber zumindest um die halbe Wahrheit. In der Hochphase der Pandemie lag der Benzinpreis für eine kurze Zeit tatsächlich bei 1,87 Dollar, doch später stieg dieser Wert und lag am letzten Tag von Trumps Amtszeit bei 2,39 Dollar, so der Amerikanische Automobil-Bund gegenüber CNN.
Ein Blick auf die aktuelle Lage beim Benzinpreis enthüllt ebenfalls Trumps Falschaussagen. Der nationale Durchschnitt liegt laut dem Automobil-Bund bei 3,76 Dollar und nicht bei fünf, sechs, sieben, oder acht Dollar wie von Trump behauptet. In Kalifornien, wo Benzin am teuersten ist, beträgt der Preis 5,42 Dollar – selbst dort kommt man also nicht auf die vom Ex-Präsidenten genannten hohen Beträge.
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Raketeneinschlag in Polen: Trump äußert sich — erneut mit falschen Behauptungen
Selbst mit Blick auf den Einschlag von Raketen in Polen hielt sich Trump mit falschen Behauptungen und Aussagen nicht zurück. Eine Rakete, „die möglicherweise von Russland abgefeuert wurde“, sei in 50 Meilen (ca. 80 Kilometer) Entfernung von der polnisch-ukrainischen Grenze auf polnisches Territorium gelandet, sagte er, während sich die US-Regierung bei öffentlichen Äußerungen vorsichtig verhielt und niemanden beschuldigte, bevor es mehr Informationen gab.
Allein die Behauptung von „50 Meilen“ ist schlichtweg falsch, denn in Wahrheit landeten die Raketen in nur 4 Meilen (ca 6,4 Kilometer) Entfernung von der Grenze. Zu der Zeit von Trumps Rede war es noch vollkommen offen, wer die Raketen abgefeuert hatte und warum sie in Polen gelandet waren. Ferner behauptete Trump, Menschen würden wegen des Vorfalls „durchdrehen“. Allerdings hat sich die Lage auch schon wieder beruhigt, nachdem sich der Verdacht erhärtet hat, dass es sich um versehentlich in Polen gelandete ukrainische Luftabwehrraketen handelt. (bb)