Zwischen Eskalation und leeren Drohungen

Trump kündigt neue Atomwaffentests an: Was genau meint der US-Präsident damit?

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Die Welt hält nach Trumps Ankündigung von Atomwaffentests den Atem an. Doch die Provokation des US-Präsidenten Richtung China und Russland ist diffus.

Washington – US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Ankündigung von neuen Atomtests international für Aufregung gesorgt. Doch was genau hinter der explosiven Nachricht steckt, ist unklar. Es scheint, als würde es Trump mehr um Provokation und Machtdemonstration gegen als um reale technische Experimente. Vieles an seiner Erklärung wirft Fragen auf, wie sich die nuklearen Aktivitäten der USA in Zukunft tatsächlich entwickeln.

Zwei Nuklearmächte: US-Präsident Donald Trump zu Besuch bei Chinas Staatschef Xi Jinping.

Bereits im ersten Satz in Trumps Erklärung, die er wie gewohnt in Form eines Posts auf True Social verbreitet, ist eine Unwahrheit. „Die Vereinigten Staaten besitzen mehr Atomwaffen als jedes andere Land“, schreibt er. Basierend auf aktuellen Daten von 2024, die etwa von Greenpeace und dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri bestätigt werden, besitzt allerdings Russland die meisten Atomwaffen weltweit mit geschätzten 5580 Nuklearsprengköpfen, dicht gefolgt werden sie von den USA mit 5044 Atomwaffen.

Zahlen und Ministerien verwechselt? Donald Trump verwirrt mit Post zu Atomtests

„Wegen der Atomwaffentests anderer Länder habe ich das Kriegsministerium angewiesen, unsere Atomwaffen auf gleicher Basis zu testen. Dieser Prozess beginnt unverzüglich“, schreibt Trump außerdem. In diesem Satz liegen gleich zwei Unwahrheiten: Zum einen führt außer Nordkorea aktuell niemand Atomtests durch. Der Autokrat Kim Jong-un ist laut Auswärtigem Amt seit Jahrzehnten das einzige Land, das nukleare Sprengköpfe testet. Ob Trump mit seiner Aussage womöglich russlands Tests atomwaffenfähiger U-Boote gemeint hat? Es bleiben reine Spekulationen.

Seine Aussage, er habe das Kriegsministerium (so nennt Trump das Verteidigungsministerium) einen Auftrag für die Tests erteilt, ist ebenfalls verwirrend. Laut Zeit wird das US-Atomwaffenarsenal vom Energieministerium und der nachgeordneten nationalen Nuklearsicherheitsbehörde (NNSA) verwaltet. 

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Nach Trumps Ankündigung neuer Atomtests: Wadephul appelliert an USA und Russland

Trump verweist in seiner Erklärung zudem auf die vorangetriebene Modernisierung der US-Nuklearpolitik während seiner ersten Amtszeit und erklärt: „Aufgrund der enormen Zerstörungskraft fiel mir dieser Schritt sehr schwer, aber ich hatte keine Wahl! Russland liegt an zweiter Stelle, China mit großem Abstand an dritter, wird aber innerhalb von fünf Jahren gleichauf liegen.“ Dass dieser Post direkt vor seinem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping veröffentlicht wurde, scheint kein Zufall zu sein. Die Vereinigten Staaten fordern von Chinas Regierung schon länger, an der Rüstungskontrolle teilzuhaben.

Es ist es als ein Hieb gegen China? Oder gegen Russland? Oder sollte die ganze Welt aufgrund der angekündigten Nuklearaufrüstung den Atem anhalten? Außenminister Johann Wadephul hat im Anschluss an Trumps Ankündigung sowohl die USA und Russland aufgefordert, keine neuen Atomtests durchzuführen. „Entscheidend ist, dass alle fünf Nuklearwaffenstaaten sich weiterhin an die jeweiligen Teststopp-Moratorien halten“, sagte der CDU-Politiker auf eine Journalistenfrage bei einem Besuch in der syrischen Hauptstadt Damaskus. „Ich appelliere daran: Das Teststopp-Moratorium muss erhalten bleiben“ fügte er eindringlich hinzu. Das gelte auch für Nordkorea, „den einzigen Staat, der im 21. Jahrhundert bisher Nukleartests durchgeführt hat“, ergänzte der Außenminister auf die Frage, ob ein neuer atomarer Rüstungswettlauf drohe. 

Putin hat bereits in der Vergangenheit vor US-Atomtests gewarnt – CDU-Politiker zeigt Verständnis

Kremlsprecher Dmitri Peskow erinnerte an frühere Warnungen von Kremlchef Wladimir Putin, nach denen Russland ebenfalls wieder Tests aufnehmen werde, wenn die USA das täten. Wadephul sagte, er glaube, „dass das, was Präsident Trump hier angekündigt hat, eher eine Reaktion darauf ist, dass Russland in der Vergangenheit nukleargetriebene Systeme benutzt hat“. Was genau der US-Präsident mit seiner Reaktion meine, erschließe sich auch der Bundesregierung noch nicht vollständig, sagte er.

Statt die globale Aufrüstungsspirale weiter zu befeuern, muss sich die Bundesregierung auch mit einseitigen Schritten für Abrüstung und Rüstungskontrolle engagieren.

Linken-Verteidigungsexperte Ulrich Thoden

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU), hat Verständnis für die von US-Präsident Trump angekündigte Wiederaufnahme von Atomwaffentests gezeigt. Ihn beunruhige zwar, dass die Zahl der Atomraketen auf der Welt wieder steige, sagte der CDU-Abgeordnete am Donnerstag den Sendern RTL und NTV. „Aber es ist eben nicht Amerika gewesen, das diese neue Runde eingeleitet hat, sondern zuallererst Putin“, fügte er mit Blick auf den russischen Präsidenten hinzu. Russlands habe atomare Mittelstreckenraketen in Europa stationiert und damit gegen internationale Verträge verstoßen, sagte Hardt. China rüste ebenfalls massiv auf. Von dieser Aufrüstung müsse die Welt nun wieder herunterkommen - „und da liegt der Schlüssel in Moskau und in Peking - und nicht in Washington“, sagte Hardt.

Kritik an Trumps Ankündigung zu Atomtests von der Linken und SiKo-Chef Heusgen

Kritik kam hingegen von der Opposition. „Statt die globale Aufrüstungsspirale weiter zu befeuern, muss sich die Bundesregierung auch mit einseitigen Schritten für Abrüstung und Rüstungskontrolle engagieren“, forderte der Linken-Verteidigungsexperte Ulrich Thoden. Hierfür sollte Deutschland als erstes auf die Aufstellung von neuen US-Mittelstreckenraketen verzichten. Thoden warnte: „Die martialische Zurschaustellung von neuen, nuklearfähigen Angriffswaffen durch Russland und die angekündigte Wiederaufnahme von Atomwaffentests durch die USA nach 33 Jahren verdeutlichen, dass die Welt am Rand eines atomaren Rüstungswettlaufs steht.“

Der frühere Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, äußerte sich besorgt über die Ankündigung von Präsident Trump, dass die USA ab sofort wieder Atomwaffentests durchführen werden. „Die Nachricht habe ich mit einiger Sorge gehört“, sagte der frühere Spitzendiplomat der „Rheinischen Post“. „Nun wissen wir, dass Donald Trumps Ankündigungen nicht immer umgesetzt werden, aber die Ankündigung alleine ist schlimm genug - denn sie kann andere Nuklearstaaten motivieren, es Trump gleichzutun, und dann beginnt eine Eskalationsspirale.“ (Quellen: Greenpeace, Sipri, Zeit, Auswärtiges Amt, AFP, RTL, NTV) (lm)

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