Nach Treffen mit Selenskyj

Trump ratlos nach Selenskyj-Treffen: Drei entscheidende Dinge sagt er nicht

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Nach den Beratungen zur Ukraine in Mar-a-Lago demonstrieren Trump und Selenskyj Einigkeit. Aufschlussreich bleibt jedoch, was der US-Präsident auslässt.

Update vom 30. Dezember, 10:20 Uhr: Nach dem Treffen von Trump mit Selenskyj in Mar-a-Lago zu Verhandlungen über das Ende des Ukraine-Kriegs nehmen die Ereignisse eine neue Wende: Russland behauptete direkt danach, die Ukraine habe eine Privatresidenz Putins mit 91 Drohnen beschossen. Obwohl die Ukraine dementiert und der US-Geheimdienst den Angriff bisher nicht offiziell bestätigte, scheint Trump Putin zu glauben – und beruft sich dabei auf einen persönlichen Austausch mit dem russischen Präsidenten.

Donald Trump bei der Pressekonferenz nach seinem Treffen mit Selenskyj in Mar-a-Lago.

Als Journalisten Trump vor seiner Residenz in Mar-a-Lago danach fragten, sagte er: „Wissen Sie, wer mir davon erzählt hat? Präsident Putin hat es mir erzählt.“ Trump sagte, er sei „sehr wütend“ über den angeblichen Angriff und nannte ihn eine inakzeptable Eskalation. Gleichzeitig räumte er ein, dass der Vorfall möglicherweise gar nicht stattgefunden habe. „Das ist auch möglich“, sagte Trump. „Aber Präsident Putin hat mir heute Morgen gesagt, dass es passiert ist.“ Für Beobachter ist dies ein weiterer Beleg dafür, dass Trump bereit ist, Putins Aussagen ungeprüft Glauben zu schenken. Das dürfte die Verhandlungen im Ukraine-Krieg aus Sicht der Ukraine weiter erschweren.

Trump plötzlich ratlos nach Treffen mit Selenskyj: Drei entscheidende Dinge sagt er nicht

Erstmeldung vom 29. Dezember: Mar-a-Lago – Stimmung gut, Ergebnisse mau: So könnte man das Trump-Selenskyj-Treffen in Mar-a-Lago am Sonntag in vier Worten zusammenfassen. Bei der Pressekonferenz nach den Ukraine-Verhandlungen in Florida sprachen der ukrainische und US-amerikanische Präsident zwar von Fortschritten. Doch US-Präsident Donald Trump klang in der Vergangenheit schon weitaus optimistischer, was ein Ende des Ukraine-Kriegs auf dem Verhandlungsweg anbelangt.

Interessant war deshalb vor allem, was Trump bei der Pressekonferenz nach den Ukraine-Verhandlungen in Mar-a-Lago nicht sagte:

  • Trump sprach erstens nicht mehr von einer Frist, wann der Ukraine-Krieg seiner Meinung nach beendet sein könnte.
  • Er nannte zweitens auch keine neue Deadline an den Aggressor Wladimir Putin, der trotz aller Verhandlungsversuche im Ukraine-Krieg hart bleibt.
  • Und er nannte drittens auch keine Details zu Fragen für ein Ende des Ukraine-Kriegs, die noch immer offen sind. Dazu gehören Gebietsabtretungen der Ukraine und Sicherheitsgarantien bei einem erneuten Angriff Russlands.

Schock-Momente und große Eklats: So turbulent war das Politik-Jahr 2025

Eklat im Oval Office, Demos gegen Friedrich Merz und Putin-Trump-Gipfel in Alaska: Das Politik-Jahr 2025 war von großen Aufregern geprägt.
Eklat im Oval Office, Demos gegen Friedrich Merz und Putin-Trump-Gipfel in Alaska: Das Jahr 2025 war von diesen und weiteren großen Aufregern in der internationalen Politik geprägt. Ein Rückblick in Bildern. © Imago (Montage)
Als US-Präsident vereidigt wurde Trump am  20. Januar 2025 in der Rotunde des Kapitols in Washington, D.C.
Für viele war es ein Schock, dass Donald Trump Ende 2024 zum zweiten Mal die US-Wahl gewann. Als US-Präsident vereidigt wurde Trump am 20. Januar 2025 in der Rotunde des Kapitols in Washington, D.C.  © Imago
Bei seiner Vereidigung im Januar 2025 im Beisein seiner Frau Melania und seiner Kinder sagte Donald Trump, „das ‚Goldene Zeitalter‘ von Amerika beginnt genau jetzt“
Bei seiner Vereidigung im Januar 2025 im Beisein seiner Frau Melania und seiner Kinder sagte Donald Trump: „Das ‚Goldene Zeitalter‘ von Amerika beginnt genau jetzt.“ Seitdem hält der US-Präsident nicht nur sein eigenes Land, sondern die ganze Welt in Atem: zum Beispiel mit exorbitanten Zöllen auf Importe, der Verhaftung von Migranten auf offener Straße und dem Einsatz des Militärs in seinen eigenen Städten.  © imago stock&people
für viele ein Schock und Aufreger zugleich: Trump, selbst milliardenschwerer Immobilien-Mogul, hatte die Tech-Elite und reichsten Männer der USA hinter sich versammelt. Marc Zuckerberg (Meta), Jeff Bezos (Amazon) samt Frau, Sundar Pichai (Google) und Elon Musk (Tesla, Space X).
Dieses Bild von der Vereidigung Trumps 2025 war für viele ein Schock und Aufreger zugleich: Trump, selbst milliardenschwerer Immobilien-Mogul, hatte die Tech-Elite und die reichsten Männer der USA hinter sich versammelt: Marc Zuckerberg (Meta), Jeff Bezos (Amazon) an der Seite seiner Frau, Sundar Pichai (Google) und Elon Musk (Tesla, Space X). © IMAGO/Pool/ABACA
Beim Ball, der in den USA traditionell bei Amtseinführungen von Präsidenten abgehalten wird, tanzte Donald Trump mit seiner Frau Melania.
Beim Ball, der in den USA traditionell bei Amtseinführungen von Präsidenten abgehalten wird, tanzte Donald Trump mit seiner Frau Melania. Es begann ein erstes Regierungsjahr 2025 voller Extreme, Eskalationen und Chaos. © IMAGO/Anna Moneymaker - Pool via CNP
Schock am 22. Januar in Aschaffenburg: Bei einem Messerangriff wurde ein Kleinkind und ein Mann getötet sowie drei weitere Menschen schwer verletzt, darunter ein weiteres Kleinkind.
Schock am 22. Januar in Aschaffenburg: Bei einem Messerangriff wurden ein Kleinkind und ein Mann getötet sowie drei weitere Menschen schwer verletzt, darunter ein weiteres Kleinkind. Der Täter war ein Afghane, der zu jenem Zeitpunkt ausreisepflichtig war. Eine Debatte um illegale Migration in Deutschland beherrschte fortan den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Ein sichtlich erschütterter Merz erklärte bei einer aufsehenerregenden Pressekonferenz am 23. Januar 2025, er werde „von Tag 1 an“ als Kanzler ein „faktisches Einreiseverbot“ für illegale Migranten durchsetzen.
Friedrich Merz, damals noch CDU-Kanzlerkandidat, führte nach dem Attentat in Aschaffenburg die Migration in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes. Bei einer aufsehenerregenden Pressekonferenz am 23. Januar 2025 erklärte er, er werde „von Tag 1 an“ als Kanzler ein „faktisches Einreiseverbot“ für illegale Migranten durchsetzen.  © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegand
Am 29. Januar 2025 trat vor der umstrittenen Abstimmung ein energischer Merz ans Rednerpult im Bundestag, hinter ihm noch die alte Regierung aus Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne). ehrere Anträge zur Migration in Deutschland wollte er auf Teufel komm raus im Bundestag durchbringen – auch unter Inkaufnahme von Stimmen der AfD.
Friedrich Merz entschloss sich in der Folge zu einem drastischen Schritt im Wahlkampf: Mehrere Anträge zur Migration in Deutschland wollte er im Bundestag durchbringen – auch unter Inkaufnahme von Stimmen der AfD. Am 29. Januar 2025 trat vor der umstrittenen Abstimmung ein energischer Merz ans Rednerpult im Bundestag, hinter ihm die alte Regierung bestehend aus Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne).  © IMAGO
Die AfD-Fraktion macht ein Selfie nach der umstrittenen Abstimmung zur Migration im Bundestag am 29. Januar 2025.
Die gemeinsame Abstimmung der CDU unter Merz mit der AfD war für viele in SPD, Grüne und Linke ein Schock im Jahr 2025. Auch Abgeordnete der Union saßen danach im Bundestag wie vom Donner gerührt über ihr eigenes Handeln. Allein die AfD-Fraktion lachte nach der Abstimmung: Gemeinsam mit anderen Abgeordneten machten die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla ein Selfie. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Unter dem Motto „Wir sind die Brandmauer – Keine Zusammenarbeit mit der AfD“ gingen 2025 Millionen Menschen auf die Straße. Auf dem Bild zu sehen ist der „Aufstand der Anständigen“ in Berlin.
Nach dem Schock der Abstimmung von Merz‘ Union mit der AfD gab es Anfang 2025 massive Proteste in ganz Deutschland. Unter dem Motto „Wir sind die Brandmauer – Keine Zusammenarbeit mit der AfD“ gingen Millionen Menschen auf die Straße. Auf dem Bild zu sehen ist der „Aufstand der Anständigen“ in Berlin.  © IMAGO/Christian Ender
Ein Schock für alle Zuhörer war am 14. Februar 2025 die Rede von US-Vizepräsident JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Unter den Verbündeten in Europa sorgte die Rede für helle Aufregung: Vance rechnete in der halbstündigen Rede mit Europa ab.
Ein Schock für alle Zuhörer war am 14. Februar 2025 die Rede von US-Vizepräsident JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Unter den Verbündeten in Europa sorgte die Rede für helle Aufregung: Vance rechnete in der halbstündigen Rede mit Europa ab und attestierte ein mangelndes Demokratieverständnis. „Wenn ihr Angst vor euren eigenen Wählern habt, dann gibt es nichts, was Amerika für euch tun kann“, so ein Zitat von Vance, das 2025 in den Köpfen blieb. © IMAGO/Andreas Stroh
Beim Besuch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Oval Office am 28. Februar 2025 kam es zum Eklat. US-Präsident Donald Trump stritt öffentlich mit ihm und warf ihm mangelnde Dankbarkeit vor. Am Ende wurde Selenskyj aus dem Weißen Haus geworfen.
Zwei Wochen später kam der nächste Schock-Moment für die Europäer: Beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office am 28. Februar 2025 kam es zum Eklat. US-Präsident Donald Trump stritt öffentlich mit ihm und warf ihm mangelnde Dankbarkeit vor. Am Ende wurde Selenskyj aus dem Weißen Haus geworfen. Die Welt schaute fassungslos zu.  © IMAGO/JIM LO SCALZO
Bei dem Eklat im Oval Office war Trumps Vize JD Vance bei der öffentlichen Demütigung von Selenskyj ganz vorne dabei. Beobachter sprachen danach von einer bewussten Provokation der Ukraine.
Bei dem Eklat im Oval Office war Trumps Vize JD Vance bei der öffentlichen Demütigung von Selenskyj ganz vorne mit dabei. Beobachter sprachen danach davon, dass der die Ukraine bewusst provozieren wollte. Seit diesem Schock-Moment am 28. Februar zittern viele Staatschefs vor ihren Besuchen im Weißen Haus.  © IMAGO/JIM LO SCALZO
Einen Schock in der Türkei und der ganzen westlichen Welt, löste die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu am 19. März 2025 aus.
Einen Schock in der Türkei und der ganzen westlichen Welt löste die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu am 19. März 2025 aus. Wenige Tage später sollte er zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten nominiert werden und war daher einer der gefährlichsten Gegner für Präsident Recep Tayyip Erdogan. Wegen angeblicher Korruption und Terrorismusunterstützung nahm die Polizei ihn gemeinsam mit 100 weiteren Personen fest. İmamoğlu sitzt bis heute in Haft.  © IMAGO/Tolga Uluturk
Nach der Verhaftung von İmamoğlu demonstrierten hunderttausende Menschen in der Türkei gegen Erdogans Willkür.
Nach der Verhaftung von İmamoğlu demonstrierten hunderttausende Menschen in der Türkei gegen Erdogans Willkür. Auch 100 Tage später gab es noch Proteste von zehntausenden Menschen in Istanbul.  © IMAGO/Abdullah Tepeli
Schock für CDU-Chef Friedrich Merz bei der Kanzlerwahl im Bundestag am 6. Mai 2025: Der Wahlsieger scheiterte bei der Abstimmung im ersten Wahlgang. Nach dem gescheiterten ersten Wahlgang verließ Merz fluchtartig das Parlament.
Schock für CDU-Chef Friedrich Merz bei der Kanzlerwahl im Bundestag am 6. Mai 2025: Der Wahlsieger scheiterte bei der Abstimmung im ersten Wahlgang. Zuviele Abgeordnete aus Union und SPD stimmten gegen ihn als Kanzler. Nach dem gescheiterten ersten Wahlgang verließ Merz fluchtartig das Parlament.  © IMAGO/Emmanuele Contini
Charlotte Merz, die Ehefrau von Friedrich Merz, sowie deren Kinder verfolgten das Debakel bei der Kanzlerwahl mit ausdruckslosen Mienen von der Tribüne aus.
Charlotte Merz, die Ehefrau von Friedrich Merz, sowie deren Kinder verfolgten das Debakel bei der Kanzlerwahl mit ausdruckslosen Mienen von der Tribüne aus. Sie hatten sich von dem Tag der Kanzlerwahl anderes erhofft.  © IMAGO
CDU-Chef Friedrich Merz am 6. Mai 2025 einsam und allein im Deutschen Bundestag, nachdem er im ersten Wahlgang bei der Wahl des Bundeskanzlers durchgefallen war.
Ein Bild, das von 2025 bleibt: CDU-Chef Friedrich Merz einsam und allein im Deutschen Bundestag, nachdem er im ersten Wahlgang bei der Wahl des Bundeskanzlers durchgefallen war. Der Tag sollte für ihn nach der gewonnenen Bundestagswahl 2025 eigentlich ein Tag des Triumphs werden.  © IMAGO/Emmanuele Contini
Nach stundenlangen aufgeregten Beratungen in den Fraktionen von Union und SPD gab es am 6. Mai 2025 bei der Kanzlerwahl schließlich ein Aufatmen für Merz und seine Regierung: Im zweiten Wahlgang schaffte er die Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag.
Nach stundenlangen aufgeregten Beratungen in den Fraktionen von Union und SPD gab es am 6. Mai 2025 bei der Kanzlerwahl schließlich ein Aufatmen für Merz und seine Regierung: Im zweiten Wahlgang schaffte er die Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag, danach konnte ihm endlich gratuliert werden.  © IMAGO
Am 21. Mai 2025 kam es zum nächsten Eklat im politischen Jahr: US-Präsident Donald Trump attackierte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa vor versammelter Presse mit Vorwürfen.
Am 21. Mai 2025 kam es zum nächsten Eklat im politischen Jahr: US-Präsident Donald Trump attackierte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa vor versammelter Presse. Trump konfrontierte seinen Gast mit Artikeln und einem Videofilm. Dies sollte nach Darstellung Trumps einen Massenmord an der weißen Bevölkerung Südafrikas belegen. Die Vorwürfe basieren auf einem Verschwörungsmythos, der in rechtsextremen Kreisen in den USA weit verbreitet ist: der sogenannte „weiße Genozid“. © IMAGO/Jim LoScalzo - Pool via CNP
Nach über drei Jahren Ukraine-Krieg wurde Russlands Präsidenten Wladimir Putin am 15. August 2025 in Alaska die Rückkehr auf die politische Weltbühne gewährt: US-Präsident Donald Trump traf ihn in Alaska.
Nach über drei Jahren Ukraine-Krieg wurde Russlands Präsidenten Wladimir Putin am 15. August 2025 in Alaska die Rückkehr auf die politische Weltbühne gewährt: US-Präsident Donald Trump traf ihn in Alaska. Für viele Menschen waren die Bilder vom Putin-Trump-Gipfel in Alaska ein Schock.  © IMAGO/Sergey Bobylev
Unvergessen vom Trump-Putin-Gipfel 2025 in Alaska bleibt der Empfang, den Trump seinem russischen Kollegen gewährte: Er sollte ihm auf dem Flugplatz den roten Teppich aus und klatschte dem russischen Despoten schon von weitem zu.
Unvergessen vom Trump-Putin-Gipfel 2025 in Alaska bleibt der Empfang, den Trump seinem russischen Kollegen gewährte: Er rollte ihm auf dem Flugplatz den roten Teppich aus und klatschte dem russischen Despoten schon von weitem mit Beifall zu.  © IMAGO/Sergey Bobylev
Die Ergebnisse des Treffens von Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska fielen enttäuschend aus. Putin konnte auf der anschließenden Pressekonferenz die Agenda bestimmen und seine Sicht auf den Ukraine-Krieg unwidersprochen darstellen.
Die Ergebnisse des Treffens von Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska fielen enttäuschend aus. Putin konnte zur Aufregung vieler auf der anschließenden Pressekonferenz die Agenda bestimmen und seine Sicht auf den Ukraine-Krieg unwidersprochen darstellen.  © IMAGO/Anchorage Daily News/TNS/ABACA
Ein absolutes Aufreger-Thema in der Bundespolitik war im Sommer 2025 die geplante Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Sie scheiterte am Widerstand der Union, die sie als zu links empfand. Der Streit um die Richterwahl brachte die Koalition unter Friedrich Merz fast an den Abgrund.
Ein Aufreger-Thema in der Bundespolitik war im Sommer 2025 die geplante Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Sie scheiterte am Widerstand der Union, die sie als zu links empfand. Brosius-Gersdorf zog ihre Kandidatur schließlich freiwillig zurück. Der Streit um die Richterwahl brachte die Koalition unter Friedrich Merz fast an den Abgrund.  © IMAGO/M. Popow
Mit dieser Pressekonferenz Mitte Oktober 2025 in Brandenburg begann in Deutschland eine Zeit wochenlanger Diskussionen und Proteste: Kanzler Friedrich Merz erklärte bei einem Besuch bei Ministerpräsident Dietmar Woidke, es gebe in Deutschland noch „Probleme im Stadtbild“, die Innenminister Dobrindt mit Rückführungen von Migranten zu lösen versuche.
Mit dieser Pressekonferenz Mitte Oktober 2025 in Brandenburg begannen in Deutschland wochenlange Diskussionen und Proteste: Kanzler Friedrich Merz erklärte bei einem Besuch bei Ministerpräsident Dietmar Woidke, es gebe in Deutschland noch „Probleme im Stadtbild“, die Innenminister Dobrindt mit Rückführungen von Migranten zu lösen versuche. Merz war zunächst nicht bereit, sich näher zu erklären. Er sagte stattdessen, man solle „die Töchter“ fragen, die wüssten, was er meine.  © IMAGO/Chris Emil Janssen
Die Äußerungen des Kanzlers zum Stadtbild war für vielen ein Grund, auf die Straße zu gehen: Sie warfen dem Kanzler Rassismus und die Differenzierung von Menschen nach Hautfarben vor. Unter dem Motto „Wir sind die Töchter“ gingen Tausende auf die Straße, so wie hier in Berlin.
Die Äußerungen des Kanzlers zum „Stadtbild“ waren für viele ein Grund, auf die Straße zu gehen: Sie warfen dem Kanzler Rassismus und die Differenzierung von Menschen nach Hautfarbe vor. Zudem fühlten sich viele junge Frauen durch Merz‘ Aussage, die „Töchter“ würden wissen, was er meine, instrumentalisiert. Unter dem Motto „Wir sind die Töchter“ gingen Tausende auf die Straße, so wie in Berlin.  © IMAGO/Carsten Thesing
Begleitet von heftigen Protesten gründete die AfD am 29. November 2025 ihr neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“. In Gießen demonstrierten bis zu 30.000 Menschen gegen die AfD, dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Begleitet von heftigen Protesten gründete die AfD am 29. November 2025 ihre neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“. In Gießen demonstrierten bis zu 30.000 Menschen gegen die AfD, dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.  © IMAGO/5VISION.NEWS
Einen schockierenden Auftritt legte Alexander Eichwald hin bei der Gründung der neuen AfD-Jugend „Generation Deutschland“ am 30. November 2025 in Gießen: Mit stark rollendem R und NS-Rhetorik erinnerte er an Adolf Hitler.
Einen schockierenden Auftritt legte Alexander Eichwald bei der Gründung der neuen AfD-Jugend „Generation Deutschland“ in Gießen hin: Mit stark rollendem „R“ und NS-Rhetorik erinnerte er an Adolf Hitler. Nach der Aufreger-Rede gab es Rätselraten, ob die Rede ernst gemeint oder Satire war. Zwölf Prozent der AfD-Jugend gaben Eichwald immerhin ihre Stimme für einen Posten im Vorstand. Er muss nun mit dem Ausschluss aus der Partei rechnen. © dpa/X
Ein Schock für Europa war die Bekanntgabe der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA im Dezember 2025: Die Regierung unter Donald Trump sieht darin Europa als Gegner und will den „Widerstand“ gegen den aktuellen Kurs der EU fördern. Von vielen wird das Dokument, das den offiziellen Kurs der US-Außenpolitik darlegt, wie ein Scheidungspapier an Europa aufgefasst.
Ein Schock für Europa war die Bekanntgabe der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA im Dezember 2025: Die Regierung unter Donald Trump sieht darin Europa als Gegner und will den „Widerstand“ gegen den aktuellen Kurs der EU fördern. Von vielen wird das Dokument, das den offiziellen Kurs der US-Außenpolitik darlegt, als ein Scheidungspapier an Europa aufgefasst.  © IMAGO/Pool/ABACA
Die neue Sicherheitsstrategie der USA unter der Führung von Donald Trump (M.), Außenminister Marco Rubio (l.) und Verteidigungsminister Pete Hegseth schockte auch Deutschland: Kanzler Friedrich Merz sagte danach alarmiert, dass es nun umso wichtiger sei, dass Deutschland sich auch ohne die USA verteidigen könne.
Die neue Sicherheitsstrategie der USA unter der Führung von Donald Trump (M.), Außenminister Marco Rubio (l.) und Verteidigungsminister Pete Hegseth schockte auch Deutschland: Kanzler Friedrich Merz sagte danach alarmiert, dass es nun umso wichtiger sei, dass Deutschland sich auch ohne die USA verteidigen könne. Ein Rückzug der USA aus der NATO wird immer wahrscheinlicher.  © IMAGO/CNP / MediaPunch

Trump bleibt nach Treffen mit Selenskyj in Mar-a-Lago auffallend vage – kein Druck auf Putin

In einem aktuellen 20-Punkte-Plan, der als Grundlage für die Friedensverhandlungen dient, ist ein Einfrieren des aktuellen Frontverlaufs vorgesehen. Im Donbass würde eine Art entmilitarisierte Pufferzone entstehen. Die Ukraine ist offenbar bereit, dafür ihre Truppen abzuziehen, fordert aber auch Sicherheitsgarantien für den Fall, dass Putin erneut angreift. „Es ist noch nicht gelöst, aber wir kommen dem Ziel immer näher“, sagte Trump dazu lediglich. Und: „Das ist ein sehr schwieriges Thema, aber eins, das wir denke ich lösen können.“ Ergebnisse der Verhandlungen nannte er nicht.

Von einer Frist, wann der Ukraine-Krieg beendet sein werde, wollte Trump nach der neuen Verhandlungsrunde mit der Ukraine ebenfalls nichts wissen. Auch weiteren Druck auf Putin, zum Beispiel in Form von Sanktionen, sprach der US-Präsident nicht an. Auf die Frage eines Journalisten, wann ein Friedensabkommen möglich sei, antwortete er vage: „Wenn es wirklich gut läuft, vielleicht in ein paar Wochen. Und wenn es schlechter läuft, länger. Und wenn es wirklich schlecht läuft, dann wird es nicht passieren.“

Zuvor hatte Trump erst Thanksgiving, dann Weihnachten als Friedensziel anvisiert. Einst wollte er den Ukraine-Krieg sogar schon einen Tag nach seinem Amtsantritt beenden. Nach dem Treffen in Mar-a-Lago klang Trump nun so, als halte er es auch für denkbar, dass der Krieg noch sehr lange weitergehen könnte.

Trump beißt sich an Putin die Zähne aus – Russland will in Ukraine-Verhandlungen nicht nachgeben

Es bleibt der Eindruck: Die USA und Europa mögen so viel und lange verhandeln, wie sie wollen, an einem beißen sie sich die Zähne aus: Wladimir Putin. Der russische Präsident hält nach wie vor an seinen Maximalforderungen im Ukraine-Krieg fest. Putin will den gesamten ukrainischen Donbass für Russisch erklären. Das machte er auch kurz vor Trumps Treffen mit Selenskyj in Florida wieder deutlich. Werde die Ukraine nicht freiwillig auf den Donbass verzichte, werde man ihn eben gewaltsam erobern, verlautete es da aus Russland. Putin stimmt außerdem auch keiner Waffenruhe im Ukraine-Krieg zu – auch nicht, damit die Ukraine dann ein Referendum über die Frage der Gebiete abhalten könnte.

Trump und Selenskyj geben sich nach Ukraine-Verhandlungen in Mar-a-Lago optimistisch

Dennoch ging das Treffen von Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj zumindest nach außen hin in positiver Stimmung zu Ende – was für die Ukraine allein schon ein Erfolg ist. Nach dem denkwürdigen Eklat im Oval Office vor rund acht Monaten ist jede Zusammenkunft mit Trump für Selenskyj ein Tanz auf rohen Eiern. Damals war ihm von Trump und dessen Vize JD Vance mangelnde Dankbarkeit vorgeworfen worden, er wurde im Weißen Haus lautstark zusammengestaucht. Danach strich Trump kurzzeitig jedwede Ukraine-Hilfe durch US-Waffen und USA-Geheimdienstinformationen.

Nach dem Treffen der beiden Delegationen jetzt in Florida gaben sich beide Seiten dagegen wohlwollend und betonten, man habe Fortschritte bei den Verhandlungen erreicht. Selenskyj lobt bei der Pressekonferenz, 90 Prozent der offenen Fragen seien mit den USA geklärt. Allerdings: Von diesen 90 Prozent hatte er auch schon vor seinem Treffen mit Trump in Mar-a-Lago gesprochen, was darauf hinweist, dass es keinen weiteren Durchbruch gab. Trump wiederum sprach von 95 Prozent, die nach dem „exzellentem Treffen“ geeint seien, nannte aber wiederum keine Details.

Einig sind sich Trump und Selenskyj offenbar großteils bei der Frage der Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Ende des Kriegs. Wie genau diese aussehen sollen, ist aber unklar. Man sei sich einig, hob Selenskyj nur hervor, Sicherheitsgarantien seien der „Schlüssel zu einem langfristigen Frieden“. 

Pressekonferenz nach Treffen mit Selenskyj: Trump lobt sein Verhältnis zu Putin

Trump verzichtete zwar auf Angriffe und Vorwürfe auf den ukrainischen Präsidenten und lobte das Gespräch, hob aber auch immer wieder ein gutes Verhältnis zu Putin hervor: Er komme „sehr gut“ mit ihm aus und er „vertraue“ dem russischen Präsidenten, so Trump.

Eine Szene war dabei besonders bizarr: Gefragt nach seinem Telefonat mit Putin vor dem Treffen in Florida sagte Trump überraschend: „Russland wünscht sich den Erfolg der Ukraine.“ Um dann zu ergänzen: „Es klingt ein bisschen merkwürdig.“ Das tut es allerdings, angesichts der anhaltenden Bombenangriffe Russlands auf weite Teile der Ukraine. Selenskyj reagierte auf Trumps Kommentar nur mit hochgezogener Augenbraue und einem kleinen Lächeln, was ihm im Netz Respekt einbrachte. Der russische Regierungskritiker und frühere Schachweltmeister Garry Kasparow schrieb beispielsweise auf X zu dem entsprechenden Clip: „Wir sind alle Selenskyj. Aber niemand auf Erden hat seine Selbstkontrolle.“

Ukraine-Verhandlungen mit USA und Ukraine sollen weitergehen – Treffen in Paris geplant

Die Verhandlungen sollen jedenfalls weitergehen. Die Teams der USA und Ukraine werden sich offenbar kommende Woche wieder treffen. Mehrere Ukraine-Unterstützerstaaten wollen sich nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron außerdem Anfang Januar in Paris beraten. „Wir versammeln die Länder der Koalition der Willigen (...), um die konkrete Beteiligung jedes einzelnen festzulegen“, schrieb Macron am Montag (29. Dezember) auf X.

Macron und weitere europäische Spitzenpolitiker hatten am Sonntag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump telefoniert. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz war daran beteiligt. (Quellen: eigene Recherche, dpa) (smu)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ukraine Presidency via Bestimage

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